Themencheck: Wie kann das G8-System verbessert werden kann?

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Nicole Wiszniak
Nicole Wiszniak (18) vom Pius-Gymnasium fragt die Politiker, wie das G8-System verbessert werden kann.

Schüler des Pius-Gymnasiums fühlen vor der Kommunalwahl am 25. Mai den OB-Kandidaten auf den Zahn. Seit dem letzten Jahr haben die ersten Schüler Abi nach acht Jahren gemacht (G8). Nicole Wiszniak (18) fragt: Wie kann dieses System verbessert werden, da viele Schüler eigentlich weiter gerne ein Jahr länger die Schule besuchen würden?

Ist es nicht zu früh, junge Menschen so schnell ins Berufsleben zu lassen?

Wolfgang Boenke, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Schulausschusses:

„Schüler haben heute schon die Möglichkeit, zwischen G8 (Gymnasium) und G9

(Gesamtschule) zu entscheiden. So gibt es volle Wahlfreiheit. Im internationalen Vergleich unserer Nachbarländer endet die schulische Qualifikation mit einem abi-ähnlichen Abschluss nach zwölf Jahren, also G8, der Wettbewerb steigt, dem müssen wir uns stellen.Bildung ist Landessache, nur das Land kann hier Änderungen vornehmen, (leider) nicht die Kommune.“

Maria Keller, SPD-Ratsfrau, Mitglied im Schulausschuss:

„Zweck der Reform ist die Vergleichbarkeit zu vielen anderen europäischen Ländern, leider teils zu Lasten der Schüler. Zur Entlastung und Entspannung der Lernsituation wäre die flächendeckende Einführung von echten gebundenen Ganztagsschulen mit einem gut organisiertem Rhythmus von Lern- und Übungsphasen sowie Erholungs- und Neigungsphasen wichtig. Ferner sollten Lehrpläne angemessen überarbeitet werden, um Belastungen der Schüler und Schülerinnen zu verringern.“

Ulla Griepentrog, schulpolitische Sprecherin der Grünen:

„Man kann in dieser Frage in der Tat sehr unterschiedlicher Meinung sein. Ich wünsche mir allerdings, dass wir das Schulsystem nicht immer wieder auf den Kopf stellen. Es gibt zudem das Abitur nach neun Jahren an Gesamtschulen und Berufskollegs. Man muss ja nach der Schule nicht sofort ein Studium oder eine Ausbildung beginnen, sondern  kann auch Erfahrungen im freiwilligen sozialen oder politischen Jahr oder durch Auslandsaufenthalte sammeln. Da lernt man unter Umständen auch eine ganze Menge, nur eben anders.“

Gretel Opitz, schulpolitische Sprecherin der FDP:

„Diese Umstellung bringt für die Betroffenen verständlicherweise Unruhe mit sich. Jedoch beginnen Jugendliche weltweit im Alter von 17 bzw. 18 Jahren das Universitätsstudium. Deutschland hat mit der Umstellung auf G8 lediglich nachgezogen, um in einer globalisierten Welt für vergleichbare Abschlüsse zu sorgen. In NRW gibt es außerdem verschiedene Möglichkeiten, das Abitur auch nach neun Jahren abzulegen. Das kommt den Schülern/Schülerinnen entgegen, die eine längere Schulzeit wünschen.“

Georg Biesing, schulpolitischer Sprecher der Linkspartei:

„Nachweislich blieben der Modernitätsschub und die Chancenverbesserung durch G8 innerhalb der EU aus. Stattdessen wurde bei vielen SchülerInnen Stress, Freizeitkürzungen und erhöhter Nachhilfebedarf verursacht. Lernen und Reifen braucht Ruhe und auch Abstand zur Schule.Die Gymnasien sollten grundsätzlich zwei Züge für G9 einrichten, einen oder zwei Züge nach G8. Bildet sich G9 als Schwerpunkt heraus, kann die Schule beschließen, dies wieder einzuführen.“

Hermann Tücks:

„Viele Bundesländer kehren zu einem Optionsmodel zurück, andere haben das neunjährige Abitur schon eingeführt. Es hängt natürlich immer von der individuellen Reife eines Schülers ab, ob er zu jung für den Beruf ist. In Ausbildungsberufen sind die berufstätigen Auszubildenden noch jünger als die Abiturienten des G8. Man wird hier auf die Beteiligten – Lehrer, Eltern und Schüler – hören müssen, ob das G8 beibehalten werden soll. Ein ideologisches Festklammern am G8 ist hier völlig undienlich.“

Wiktoria Meissner, UWG:

„Absolut richtig! Bereits mit G9 ist es jungen Menschen mit 18 oder 19 Jahren oft noch nicht klar, sich auf einen Berufszweig bzw. auf eine Studienrichtung festzulegen. Jetzt müssen sich 17-Jährige schon entscheiden, möglicherweise in einer fernen Stadt ein Studium zu beginnen, obwohl sie unter Umständen noch eine Menge Orientierungsbedarf haben. Zum erhöhten Lerndruck durch G8: „Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.“

Julia Merscheid, Piratenpartei:

„Bildung ist zwar ein Landesthema. Wenn man aber gerne länger in die Schule will, sind Hoch- und Berufsschule vor dem Berufseinstieg ja noch möglich. Zudem bieten FSJ und Bundesfreiwilligendienst die Möglichkeit, die Zeit bis zum Studium zu verlängern. Vielleicht war G8 keine gute Idee, aber nachdem es jetzt gerade die ersten Abschlüsse gibt, sollte man zuerst abwarten, ob es eine Verbesserung darstellt oder nicht, bevor man es erneut verändert.“

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