Niedermetz - Zweite Chance: Arbeitsplätze für Studienabbrecher

Zweite Chance: Arbeitsplätze für Studienabbrecher

Von: gep
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Mit „Switch“ zum Job: Oliver Rick sitzt an seinem Arbeitsplatz in Niedermerz. Rechts Winweb-Chef Willi von Berg. Im Hintergrund (v. l.) Thomas Hissel (Stadt Aachen), Waltraud Gräfen (IHK Aachen), Anette Reinholz (Kreis Düren) und Stefan Köhnen (Agentur für Arbeit). Foto: gep

Niedermetz. Willi von Berg, Geschäftsführer der Winweb Informationstechnologie GmbH, Niedermerz, „braucht immer wieder Personal“. Aber IT-Fachkräfte sind knapp – gerade für kleinere Betriebe. Mit dem Heinsberger Oliver Rick hat er jetzt einen Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, der aus dem „Ausbildungspool Switch“ kommt. Ein „guter Griff“, so von Berg.

Switch ist eine Initiative der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen und der Stadt Aachen, die Studienabbrechern der RTWH Aachen und der FH Aachen zu einer verkürzten Berufsausbildung zum Fachinformatiker für Anwendlungsentwicklung, Fachinformatiker für Systemintegration, zum Industriekaufmann in 18 Monaten oder zum Mechatroniker in 24 Monaten verhilft.

Dieses Projekt wird jetzt auch auf den Kreis Düren ausgedehnt, erklärten Anette Reinholz, Leiterin der Wirtschaftsförderung des Kreises Düren, und Stefan Köhnen, verantwortlich für den Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Düren, bei einem Ortstermin in Niedermerz, nachdem der Kreisentwicklungsausschuss dafür grünes Licht gegeben hat. Denn „das Potenzial ist da“, stellte Reinholz fest. „Wir müssen uns darum kümmern.“ Immerhin liegt die Studienabbrecher-Quote bei rund einem Drittel. So war es 2010 zunächst das Bestreben der Stadt Aachen, im „Wettbewerb um Einwohner“ Ex-Studenten zu halten – als Fachkräfte. Daher wurde mit der IHK „Switch“ installiert. Für Arbeitgeber seien Studienabbrecher Auszubildene mit dem „gewissen Etwas“: umfangreiche Vorkenntnisse, hohe Lernbereitschaft und persönliche Reife.

Erster Durchgang

Oliver Rick, der an der RWTH auf Lehramt Informatik und Geschichte studierte, war „fast fertig“ und gab schon Unterricht, als er das Studium aufgab. Er bewarb sich für den ersten Jahrgang bei „Switch“ und erhielt einen Ausbildungsplatz bei der Winweb GmbH.

Das Unternehmen produziert einfach zu bedienende, aber alle Arbeitsprozesse abbildende Software für die mittelständische Fleischbranche im deutschprachigen Raum und einen Käsebetrieb im italienischen Meran.

Rick, der schon als Azubi die Telefonanlage in Niedermerz auf Trab gebracht hat, schätzt das „recht familiäre Klima“. Außerdem: „Ich kann micht entfalten.“ Es sei schon befriedigend, morgens etwas zu programmieren, was nachmittags schon beim Kunden laufe. Denn das Unternehmen setzt auf „kurze Wege zum Kunden“. Alleine sieben Mitarbeiter sitzen im Support, damit kein Kunde in die Warteschleife gerät.

Winweb, 1997 ohne Fremdkapital gegründet, beschäftigt 25 Mitarbeiter. Umgesetzt werden 1,4 Millionen Euro, die Wachstumsrate liegt bei 30 Prozent. Doch die Expansion soll unter Kontrolle bleiben. Winweb-Vertriebsleiter Dennis Peters: „Kein Umsatz um jeden Preis.“ Bislang, so von Berg, hat das Unternehmen keinen Kunden verloren – außer einem Fleischwerk der pleite gegangenen Drogeriemarkt-Kette Schlecker.

Die ersten 16 „Switcher“, die aus den Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik sowie Wirtschaftswissenschaften kommen, haben ihre Abschlussprüfungen alle im Februar mit Bravour bestanden. Der 2012 gestartete Jahrgang zählt schon 29 Auszubildende.

Der dritte Durchgang bietet 90 Plätze in den vier Berufen und in fünf Klassen, die an den Berufskollegs in Aachen und Düren gebildet werden, kündigte Reinholz an. Derzeit sitzen 80 Unternehmen mit im Boot.

Denn der Bedarf ist da. 2008 habe sich der Markt für IT-Personal gedreht, so Hissel. Für die Unternehmen der Branche sei der Fachkräftemangel längst „das größte Problem“ geworden, so Waltraud Gräfen von der IHK.

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