Barmen - Zwei Nadeln und kilometerweise Faden: Die Kunst des Strickens

Zwei Nadeln und kilometerweise Faden: Die Kunst des Strickens

Von: Kr
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Nicht mit der „heißen Nadel“ gestrickt wird bei den VHS-Kursen, die Marita Breier in der Realschule gibt. Sorgfältig werden die komplizierten Muster und Schnitte gearbeitet und edle Garne verarbeitet. Foto: Kròl
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Ein ganzer Schrank voller selbst gestrickter Schätze ist der ganze Stolz von Marita Breier.

Barmen. Wann zum ersten Mal gestrickt wurde, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Strickarbeiten wurden aber bei Ausgrabungen am Euphrat gefunden, die um das 2. Jahrhundert nach Christus datiert sind. In einem thüringischen Frauengrab aus der Zeit um 300 nach Christus fanden sich knöcherne Stricknadeln, und auch im alten Ägypten wurde schon gestrickt.

Das erste gestrickte Bekleidungsstück, das man fand, war eine Haube in einem jütländischen Moorgrab aus dem 11. Jahrhundert. Aus dem Netzen, dem Knüpfen von Fischernetzen, so wird vermutet, wurde die Technik entwickelt, die nach dem Niedergang der antiken Kulturen in Vergessenheit geriet und erst im Hochmittelalter als Frauenarbeit neue Bedeutung erlangte. Aus dicker Wolle gefertigt, dienten die Strickwaren in erster Linie dazu, den Träger warm zu halten. Erst später kam der modische Aspekt dazu.

Höhen und Tiefen erlebte die Strickkunst im Laufe der Zeit, aktuell herrscht wieder ein regelrechter Boom. Es wird gestrickt. Marita Breier aber zählt zu den Frauen, die ihre Stricknadeln nie aus der Hand legten. Schon als kleines Mädchen erlernte sie diese Handarbeit von ihrer Patentante ebenso wie das Sticken.

Nie aus der Hand gelegt

In eine Künstlerfamilie hinein geboren, ihr Vater Josef Artz war ein recht bekannter Maler, kam bei ihr auch bald der künstlerische Aspekt zum Tragen. Doch nach der Schulzeit absolvierte sie zunächst einmal eine Lehre in einem Textilgeschäft und ging für ein Jahr als Au -pair-Mädchen nach Brüssel. Gestickt und gestrickt wurde in dieser Zeit fleißig weiter. Und als sie später bei einem großen Kaffeehandel eine Anstellung fand, die sie durch ganz Deutschland führte, legte sie die Nadeln ebenfalls nicht aus der Hand.

Zehn Jahre war sie so unterwegs und fand dann eine Anstellung bei der Stadt Eschweiler. 1981 kam sie mit Ehemann Fritz nach Barmen. Die Familie erstand dort ein altes Haus, das sie liebevoll herrichteten. Die Tochter bekam gleich zwei Brüderchen, denn Zwillinge wurden geboren. Für Marita Breier hieß dies eine Familienpause einlegen. And auch in dieser Zeit ruhte die Handarbeit nicht.

Irgendwann vor mehr als 25 Jahren kam das Angebot, einen VHS-Kurs zu leiten, den Marita Breier im Wollfachgeschäft von Rosemarie Kaufmann abhielt. Durch sie lernte sie eine stattliche Anzahl bekannter Designer kennen, mit denen sie auch heute noch guten Kontakt hält. „Die besten Stricker sind die Männer“, sagt sie und verweist auf Designer wie Kaffe Fassett, Branden Mayble oder Horst Schultze. Doch auch skandinavische Designerinnen stehen hoch im Kurs und eine der besten ist für sie die französische Modeschöpferin Danièle Dietrich. Sie lernte sie auf einer Messe in Paris kennen und lud sie ein, in Jülich ihre Modelle einmal zu präsentieren. Seither ist sie jeden Herbst in der Herzogstadt zu Gast.

All dies organisiert Marita Breier im Rahmen ihrer VHS-Kurse, die sie nach wie vor jeden Donnerstagvormittag- und -abend gibt. Mit ihren Frauen fuhr sie bereits ins Elsass, um mit Danièle Dietrich eiBnen viertägigen Workshop abzuhalten, gemeinsam fahren die Frauen zu Messen wie die Kreativia oder zu Ausstellungen. Sie animiert ihre Stickerinnen und Strickerinnen auf diese Weise dazu, nach Vorlagen bester Designer und mit bestem Material zu arbeiten. Darauf legt sie Wert.

„Stricken ist Erholung. Das ist wie Yoga“, sagt sie selbst und strickt oder stickt in jeder freien Minute. Dabei gibt sie auch unumwunden zu: „Für mich muss es schwierig sein, sonst macht es keinen Spaß. Toll finde ich die Stücke, die die Designer ohne Naht arbeiten.“

Neben ihren Stick- und Strickkursen für die VHS trifft sich Marita Breier alle zwei Wochen mit zehn gleichgesinnten Frauen aus Barmen. „Stickerinnen und Strickerinnen sind sehr umgängliche Menschen. Da gibt es keinen Streit und keine Eifersucht. Wenn eine von uns etwas ganz besonders Schönes macht, freuen sich alle mit“, sagt sie.

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