Jülich - Zwei Minuten mehr Zeit für Feuerwehr Jülich können Millionen ausmachen

Zwei Minuten mehr Zeit für Feuerwehr Jülich können Millionen ausmachen

Von: Volker Uerlings
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In einem „Entwurf“ des Brandschutzbedarfsplanes wird empfohlen, neben der Hauptwache Jülich ein weiteres „Zentrum Jülich-Ost“ zu errichten, um Einsatzorte überall schnell zu erreichen. Durch neue Hilfsfristen könnte sich diese Millionen-Investition erledigt haben. Foto: Horrig

Jülich. Eine grundsätzlich schwer nachzuvollziehende Verzögerung bei der Umsetzung eines größeren kommunalen Auftrags könnte für die Stadt Jülich eine durchaus glückliche Wendung nehmen. Seit über zwei Jahren warten Rat und Verwaltung und vor allem die Feuerwehr der Herzogstadt darauf, dass der Brandschutzbedarfsplan von einem Fachbüro erstellt wird.

Die ausgewiesenen Experten, die nicht nur für Jülich arbeiten, kommen mit der Arbeit aber offenbar nicht nach, was in der Kommunalpolitik und bei der Verwaltungsspitze schon seit vielen Monaten auf Unverständnis stößt und Frustpotenzial erlangt hat. Jetzt aber könnte sich das unverhofft bezahlt machen. Der kurze Nenner: durch zwei Minuten mehr könnte der Stadt Millionen Euro sparen.

Zwischenzeitlich haben sich nämlich die Rahmenbedingungen verändert, wie Dezernent Richard Schumacher am Ende der jüngsten Haupt- und Finanzausschusssitzung auf eine Nachfrage von Hans-Peter Schmitz (SPD) antwortete, die seit Monaten wie ein Ritual bei fast jeder Zusammenkunft erfolgt: „Was macht der Brandschutzbedarfsplan?“

Zwei Minuten mehr Zeit

Schumacher informierte zum einen, dass „wir inzwischen einen Entwurf bekommen haben, der viele Dinge noch nicht berücksichtigt“ und nach Meinung der Verwaltung auch Widersprüche aufweise. Aber noch wichtiger: Ende April haben Städte- und Gemeindebund NRW und Feuerwehrverband die Kommunen in einem Schnellbrief über neue Hilfsfristen in Kenntnis gesetzt, die sie nach einem neuen System empfehlen. Die Zeit, in der die ersten beiden Fahrzeuge der Wehr am Einsatzort sein sollen, werden um jeweils zwei Minuten (von 8 auf 10 und von 13 auf 15 Minuten) erhöht.

Diese Hilfsfristen sind aber ganz entscheidend für die Prüfungen und Empfehlungen in einem Brandschutzbedarfsplan, der nämlich festlegt, wo die Feuerwehr idealerweise untergebracht ist, um alle Ziele schnell zu erreichen, wie viel Personal sie haben sollte und welche Fahrzeuge (und vieles mehr). Bürgermeister Axel Fuchs sagte im Ausschuss: „Diese zwei Minuten können für uns mehrere Millionen Euro ausmachen.“ Konkreter wurde er nicht, weil die Politiker über die Details im Planentwurf noch nicht informiert worden sind.

Nach Informationen unserer Zeitung sieht der Entwurf des Brandschutzbedarfsplan eine durchaus teure Empfehlung vor: im Bereich „Jülich-Ost“, wo auch immer das sein könnte, ein zusätzliches Feuerwehrzentrum zu errichten – neben der Hauptwache in Jülich, die für den anderen Bereich der Stadt ideal liege, aber ertüchtigt werden müsste. Ein kleinerer Feuerwehrstandort in einem Ortsteil sollte für „Jülich-Ost“ aufgegeben werden.

„Wir fangen wieder von vorn an, obwohl wir noch gar nichts haben...“

Durch die veränderten Empfehlungen des Städte- und Gemeindebundes aber könnte es durchaus sein, dass ein solcher Neubau nicht notwendig wird. Das ist möglich, aber nicht sicher und wird Ergebnis der weiteren Brandschutzbedarfsplanung sein, die in gewisser Weise erneut startet. Oder wie Heinz Frey (UWG Jül) sagte: „Wir fangen wieder von vorn an, obwohl wir noch gar nichts haben...“

Dezernent Richard Schumacher relativierte: „Wir fangen nicht von vorn an, aber es ist ein großer Schritt zurück.“ Ein Teil des extern vergebenen Auftrags – die umfangreiche Datensammlung – lasse sich weiter nutzen, auch wenn der Brandschutzbedarfsplan immer noch nicht vorliegt. Diese Tatsache machte die Politiker über alle Parteigrenzen hinweg wütend, obwohl es jetzt vielleicht eine günstige Wendung gibt. Hans-Peter Schmitz (SPD) meinte angesichts der langen Wartezeit, dass die Stadt sich den Plan „besser selbst gestrickt hätte, das wäre schneller und billiger gewesen“.

Christian Klems (Jül) befand: „Der Plan ist fehlerhaft, wie sieht es mit Regress aus?“ Richard Schumacher räumte für die Verwaltung ein, die beim Fachbüro permanent nach dem Sachstand frage: „Wir sind darüber sehr unglücklich.“ Bürgermeister Axel Fuchs erklärte, dass die Verwaltung prüfe, ob man aus dem „Vertrag rauskommt“.

So oder so braucht die Stadt aber einen neuen Brandschutzbedarfsplan, das hat ihr die Bezirksregierung vor gut zwei Jahren aufgetragen und das zuvor in Jülich praktizierte Verfahren für unzureichend erklärt.

 

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