Zwei Kriegsrelikte mit großer Sprengkraft entschärft

Von: Guido Jansen
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Gut erhalten: Fritz Pütz vom Kampfmittelräumdienst zeigt den Zünder der ersten Fliegerbombe, die im Hintergrund auf einen Lastwagen verladen wird. Foto: Guido Jansen
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Fliegerbombe Nummer zwei ist entschärft, hängt am Haken und wird gleich verladen. Foto: Guido Jansen

Jülich. Das ging ruck-zuck: Nach 25 Minuten war der Ausnahmezustand rund um Bourheim vorbei. So schnell war es dem Kampfmittelräumdienst gelungen, die zwei amerikanischen Fliegerbomben zu entschärfen, die in einem Feld in der Nähe von Bourheim gefunden worden waren.

Zehn Zentner schwer waren die beiden Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. „Die Zünder waren nicht verrostet. Deswegen ging alles schnell“, sagte Fritz Pütz vom Kampfmittelräumdienst. Die Bomben wurden anschließend in ein Zwischenlager in Köln-Wahn gebracht und werden später in Hünxe in einem Zerlegebetrieb des Landes auseinandergebaut.

„Das Wichtigste ist, dass die Zünder abmontiert sind“, erklärt Pütz. „Solange das nicht passiert ist, ist bei uns höchste Vorsicht angesagt.“ Deswegen wurden auch die Straßen rund um Bourheim für gut eine halbe Stunde gesperrt. Rund 40 Anwohner, die an der Siedlung Am Weihberg und auf Gut Linzenich leben, mussten ihre Häuser für die Zeit der Entschärfung verlassen.

Die Fliegerbomben lagen auf einer großen freien Fläche, die sich auf halbem Weg zwischen der nördlichen Dorfeinfahrt und der Kreuzung der Bundesstraße 56 mit der Landstraße 241 liegt. Sie lagen in zwei bis drei Metern Tiefe. Gefunden worden sind sie, weil das angrenzende Kieswerk auf die Fläche expandieren will, auf der jetzt die zwei Bomben gefunden wurden. Das Unternehmen stellt einen Antrag bei der Stadt, die ihrerseits beim Land um eine Auswertung der Luftbilder nach dem Zweiten Weltkrieg ersucht. Dann ergibt sich ein Verdacht, ob auf der Fläche Bomben gefallen sind oder nicht.

Ist das der Fall, dann greift die Geophysikerin ein, die im Auftrag des Kampfmittelräumdienstes den Boden mit Computer auf ferromagnetische Störfelder absucht. „Dann erkennt man, ob im Boden größere Metallkörper liegen“, erklärt Fritz Pütz. Dabei muss es sich dann noch immer nicht zwangsweise um Munition und Bomben handeln. Schließlich sei es laut Pütz nach dem Krieg häufig passiert, dass Bombenkrater mit Schrott aufgefüllt worden sind. Gegraben wird angesichts einen solchen Anfangsverdachts aber trotzdem. Die genauen Grabungsstellen werden vorher anhand von Satellitendaten abgesteckt.

Das Resultat der Suche auf der Fläche bei Bourheim: 15 Granaten, 400 Kilogramm Schrott und zwei amerikanische Fliegerbomben, jeweils zehn Zentner schwer. „Wir hatten schon größere Kaliber“, sagt Pütz. Vor drei Jahren beispielsweise der britische Sprengkörper, der in der Jülicher Innenstadt gefunden wurde. Der wog 20 Zentner. „Aber zu häufig kommt das nicht vor, dass wir auf Zehn-Zentner-Bomben stoßen“, sagte Pütz. Etwa 30 Mal im Jahr müsse er entschärfen, meistens seien Gewicht und potenzielle Sprengkraft geringer. Häufig werden aktuell im Tagebau Inden Sprengkörper gefunden, für die der Kampfmittelräumdienst ausrücken muss.

Dass die jetzt entschärften Fliegerbomben amerikanischer Herkunft sind, mag zunächst überraschen. Denn der verheerende Luftangriff auf Jülich und Düren am 16. November 1944 wurde von der britischen Luftwaffe geflogen. Pütz ist wenig erstaunt. „Hier in dieser Lage finden wir ausschließlich deutsches und amerikanisches Material.“ Das müsse aber nicht zwangsweise ein Hinweis auf die US-Luftwaffe sein. Denn die Fliegerbombe sei auch kompatibel mit den Aufnahmen britischer Bomber gewesen und ein Austausch habe damals stattgefunden.

„Nur Spekulation“

Der einzig aussagekräftige Hinweis, den Pütz geben konnte, war, dass die beiden Sprengkörper sogenannte panzerbrechende Fliegerbomben waren. Gut möglich also, dass sie für ein Ziel in der Innenstadt gedacht war, oder vielleicht für die Eichhorn-Produktionsstätten in Kirchberg. „Wenn man damals aus 5000 Metern Höhe abgeworfen hat, dann können zwei Sekunden zu früh oder zu spät einen großen Unterschied gemacht haben“, sagt Pütz. „Aber da sind alle Vermutungen nur Spekulation.“

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