Zwei Jülicher Ärzte erleben das Erdbeben in Nepal

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
9964549.jpg
Während des Erdbebens war der Jülicher Orthopäde Dr. Ulrich Eckardt mit einem befreundeten Jülicher Arzt in Nepal im Rahmen einer Trekking-Tour unterwegs. Foto: Wolters
9964551.jpg
Das Erdbeben beschädigte ein Häus, das der Gruppe als Unterkunft gedient hatte. Foto: Eckardt

Jülich. Ellen Schomer-Eckardt saß vergangenen Samstag am Frühstückstisch, als die SMS-Nachricht ihres Gatten sie aus allen Wolken holte. Es habe während der Trekking-Tour in Nepal ein Erdbeben gegeben, aber es gehe allen gut, und nun sei der Rückzug angesagt.

Als sie daraufhin den Fernseher einschaltete, erhielt sie eine Ahnung davon, wie das Erdbeben in Nepal gewütet hat. Der Jülicher Orthopäde Dr. Ulrich Eckardt hatte mit einem befreundeten Mediziner aus Jülich die 14-tägige Tour bei einem spezialisierten Reiseveranstalter gebucht. Unterwegs war er mit einer sechsköpfigen Reisegruppe, zu der auch eine Frau gehörte.

Von Frankfurt aus ging der Flieger am Montag über Abu Dhabi nach Kathmandu, wo ein einheimischer Führer die Reisenden abholte. Nach einer Übernachtung ging es in einer achtstündigen Bustour rund 200 km gen Westen nach Pokhara am Fuß des Annapurna-Massivs, wo leichtere Trekking-Einheiten auf 1300 bis 1900 Meter zur Akklimatisierung erfolgten. „Beim Frühstück gab es einen herrlichen Blick auf die Eisriesen des Annapurna“, schwärmt der 64-Jährige von den ersten Eindrücken im Kreise der Achttausender.

Mit dem Flugzeug ging es zurück nach Kathmandu, wo unter anderem ein Altstadt-Bummel auf dem Plan stand. Freitag früh um 6 Uhr folgte der Flug 200 km gen Osten ins 2800 m hohe Lukla im Everest-Gebiet, dessen Start- und Landebahn nur 500 m lang und mit einer starken Steigung versehen ist. „Hier geht es nur rauf und runter“, stellt die Topographie höchste Ansprüche an die Physis der Teilnehmer. Vergangenen Samstag wollte die Gruppe „nach Namche Bazar wandern, doch wir sind nur bis Monjo gekommen“, schildert der Orthopäde den Moment des Erdbebens.

Das dumpfe Grollen aus der Tiefe der Erde mischte sich mit dem Klirren und Scheppern von Töpfen, Pfannen und Geschirr, die aus den Regalen purzelten. „Alles ging diagonal“, beschreibt Eckardt die unmittelbare Einwirkung des Erdbebens, dessen Kräfte entsprechende Auswirkungen zeitigten. Da bei den Häusern die Steine häufig ohne Mörtel nur geschichtet sind, stürzten Giebel und Mauern leicht ein oder wölbten sich nach außen. Hangrutschungen und Steinschlag in engen Schluchten taten ein übriges, um die beiden Jülicher Ärte davon zu überzeugen: „Nichts wie weg.“

Wegen der zahlreichen Nachbeben wurde die erste Nacht nach dem Erdbeben auf Feldbetten draußen in Zelten verbracht. Das Vorankommen auf den Wegen war beschwerlich, da sich dort Felsbrocken und Geröll oder die Überreste von Hangabrutschungen angesammelt hatten. Wenigstens den meisten Hängebrücken hatte das Beben nichts anhaben können. „Wir haben zwar nicht um unser Leben gefürchtet“, bekennt Dr. Eckardt, „aber den Ernst der Situation haben wir schon erkannt. Man war sich der weiteren Gefahren – etwa durch Steinschlag und Nachbeben – schon bewusst.“

Nachdem die beiden Ärzte sich zum Abbruch der Reise entschlossen hatten – „viele andere Karawanen zogen weiter“ –, war ihnen auch das Glück hold. Da von Lukla nach Kathmandu nur bei Sicht geflogen werden darf, kam ihnen die herrschende Witterung sehr entgegen. Als Mitglieder einer Reisegruppe gehörten sie zudem zu den bevorzugten Passagieren, die die Maschine mit 18 Plätzen in die nepalesische Hauptstadt nutzen durften. Der Flugplatz in Kathmandu war schon zu dieser Zeit stark beansprucht, so dass der unplanmäßige Rückflug erst mit großer Verspätung startklar war. Da sich so auch der Zwischenstopp verkürzte, erfolgte die Landung am Dienstag planmäßig um 7.05 Uhr in Frankfurt.

„Schäden haben wir überall gesehen, aber keine Totalschäden“, sei die besuchte Region glimpflich davongekommen. Bleibt Nepal ein Reiseziel der beiden Jülicher Ärzte? „In zwei Jahren fahren wir wieder hin“, sagt Ulrich Eckardt.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert