Jülich - Zwei Bier, ein Schluck Rurwasser und der Lazarus ist „gedöf“

Zwei Bier, ein Schluck Rurwasser und der Lazarus ist „gedöf“

Von: jago
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Als Patühm griff Martin Marquardt (2.v.l.) unterstützt von Präsident Heinrich Ningelgen (l.) zum originalen Rurwasser, mit dem aus dem „Panne-stetz“ der einzige echte Lazarus Martinus wurde. Foto: Jagodzinska.

Jülich. Im 313. Jahr des Bestehens der Historischen Gesellschaft Lazarus Strohmanus feierten die Meister des einzigartigen Preckens die Taufe ihres am 28.12.2012 in Jülich geborenen Sohnes. Gedöf wurde der staatse Jong auf den Namen Martinus, der ihm von seinem Taufpaten Martin Marquardt für das kommende Jahr geliehen wurde.

Als stolze Eltern verkündete Lazarus-Präses Hein Ningelgen die Mutter Bastiona Strohmanus, geborene Hätt-imme-Rärt, und den Vater Platus Lazarus. Traditionsgemäß wurde die Taufe nun im Jülicher Kulturbahnhof mit allem, was dazu gehört, gefeiert und begossen. „Im Lazarusverein kann nur Humor und Freude sein“ lautete das Motto, als die Jugendgruppe den noch verhüllten Pannestetz in den Saal trug.

Das traditionelle Absingen des Nationallieds kam auf der Bühne wohl nicht so lautstark an, wie es aus dem Saal schallte. Seine „allertiefste Verachtung für den erbärmlichen Gesang“ relativierte Ningelgen später mit Hinweis auf die das Ergebnis verfälschende Akkustik.

Der Nachwuchs hatte offensichtlich kräftig geübt, so dass der im Tiefflug gepreckte Lazarus gestärkt von der Kuba-Höhenluft aus der Zeremonie hervorging. Wie nicht anders zu erwarten, war der Präses voll des Lobes für die couragiert mitmachenden Kinder und verteilte ein wenig Schelte wegen unzureichender Unterstützung des Auftritts an die erwachsenen Lazarusbrüder. Der feierliche Taufakt hingegen funktionierte bestens.

Routiniert und gewitzt verlas Ningelgen den Taufnamen in Latein und erntete herzhafte Lacher. Beim Passus „prostata comunis“ wurde das Gelächter besonders laut, vermutlich auf Grund einer sehr freien Übersetzungsvariante. Die wenigen Nicht-Lateiner im Saal wurden mit der deutschen Übersetzung aus ihrer Ahnungslosigkeit erlöst. Nur für den Fall, dass es immer noch Erklärungsbedarf geben sollte, folgte eine weitere Version in Plattdütsch.

Entgegen allen Befürchtungen sollte das Grußwort des Taufpaten Martin Marquardt nach der „geistesberaubenden Zeremonie der Taufe“ nur zwei Gläser Kölsch lang werden. „Ich werde mein Amt als Pate für einen großen Sohn unserer Stadt nach bestem Gewissen ausführen“, versprach Marquardt zu Beginn seiner mit hintersinnigem aber auch direktem Humor gewürzten Rede.

Diese Patenschaft unterscheide sich von anderen alleine schon dadurch grundlegend, dass der Täufling nichts anderes als Stroh auf dem Kopf und auch darunter habe, stellte er fest und ergänzte: „Diese Feststellung lässt es aber nicht zu, Vergleiche mit tatsächlich lebenden Personen anzustellen. Obwohl, ett juckt mich ganz gewaltig auf der Zunge dazu.“

Als Taufgabe brachte der Pat–ühm und neue Hexenturmordensträger dem Sohn der Stadt ein hervorragend passendes Präsent. Dem als Schwanenteich bekannten, „in vielen Liedern besungenen Überbleibsel der Sintflut“, schenkte er ein Paar edler schwarzer Schwäne. Die roten Schnäbel ließen erkennen, dass bei ihm kein Gesinnungswandel vorliege. In der Folge standen Auftritte des „original kubanischen Fernsehballetts“, des „Kölsche Köbes“ Axel Hövel sowie Beiträge der Merzbachmusikanten und von Wolfgang Gehlen mit dem Hexenturmlied auf dem Programm.

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