Zwei Ausnahmetalente musizieren mit dem Collegium Musicum

Von: hivi
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Dirigent Peter Sauerwein und die beiden Solistinen Laida Hitaj und Laetitia Hahn erhielten den verdienten Applaus für einen phantastischen Konzertabend. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Ein besonderes Konzert erlebten die Besucher im ausverkauften PZ der Zitadelle Jülich. Ungewöhnlich für die Konzerte des Collegium Musicum waren die frühe Terminierung und die einführenden Worte des Dirigenten Peter Sauerwein.

Er erklärte, dass die Musiker den jungen Künstlerinnen, die mit Solo Programmen in Jülich ihren konzertanten Einstand gaben, die Möglichkeit bieten wollten, mit Orchester große Klavierkonzerte zu spielen.

Freude am Musizieren

Die endgültige Entscheidung dazu fiel jedoch erst, nachdem sich Sauerwein davon überzeugt hatte, dass bei der erst elfjährigen Pianistin Laetitia Hahn die Freude am Musizieren und nicht falscher Ehrgeiz, der die Kindheit zerstört, die Motivation zu der Konzerttätigkeit sind. Diese klärenden Worte des Orchesterleiters sprachen für sein großes Verantwortungsgefühl gegenüber einem jungen Talent. Die Erfolge dieses begabten Kindes, zum Beispiel der Gewinn eines Meisterkurses bei Lang Lang, haben sie nicht verfälscht und ihrem Wesen nicht geschadet.

Seine Einschätzung bestätigten sich, als das Publikum nach der Ouvertüre zu „Die Hochzeit des Figaro“, dem Klavierkonzert Nr. 2, B-Dur, op. 19 lauschte. Laetitia Hahn musizierte mit einer so deutlich sichtbaren Freude und Unbeschwertheit, dass das Werk des jungen Beethoven in neuer, selbstverständlicher Form einen Ausdruck von elementarer Lebensfreude fand. Beethoven schrieb dieses Werk eigentlich für seine eigene Konzerttätigkeit und schuf damit ein Werk, das jedem Pianisten die Gelegenheit gibt, seine Virtuosität unter Beweis zu stellen. Die beiden Pole Klavier und Orchester durchleben eine spannungsgeladene Entwicklung im Mit- und Gegeneinander.

Die Pianistin fand in einer starken Individualität eine sehr persönliche Aussage. Orchester und Solistin gelang ein lebensvoller Dialog, der sowohl die heroischen wie auch die innigen Gesangsthemen sauber herausarbeitete. Laetitia strahlte beim Spiel große Leichtigkeit, Ruhe und Sicherheit aus.. Am Flügel saß keine kleine Erwachsene, sondern ein Kind im schicken Glitzerkleid, das seine Pausen nutzte, um völlig entspannt den Pferdeschwanz zu richten oder strahlend in das Publikum und Orchester zu schauen, um anschließend mit großer Konzentration, Sicherheit, technischer Perfektion und hoher Motivation ihren Part weiter zu spielen.

Zauberhafte Leichtigkeit

Mit zauberhafter Leichtigkeit gelangen die harfenähnlichen Klänge des Klaviers im Largo, im Rondo schlug Laetitia ein rasantes Tempo an, dem die hochmotivierten Musiker des Orchesters meisterlich folgten.

Laetitia Hahn erwies sich als großes Talent. Ihr Konzert-Debut mit großem Orchester wurde zu einem Riesenerfolg. Selbstbewusst, mit kindlichem Charme genoss sie den frenetischen Beifall, freute sich über Blumen und Geschenke und revanchierte sich mit einer Zugabe.

Im zweiten Teil des Konzertes gehörte das Podium einem weiteren Ausnahmetalent. Die 16-jährige Laida Hitaj glänzte schon bei einem Chopin-Abend in der Schlosskapelle. Auch bei diesem Konzert im PZ blieb sie ihrem Komponisten treu. Das Klavierkonzert Nr. 1, e-Moll, op.11 von Frédéric Chopin entstand in seiner Warschauer Zeit. Bei Chopin ist das Orchester weniger gleichberechtigter Partner im musikalischen Dialog, es verbindet eher Soloteile und ist Stütze für solistische Monologe, die sich umso klangvoller entfalten können. Chopin ist in seinen Kompositionen durchaus auch als Poet zu sehen, als Tondichter, der seine Gefühle in Klängen ausdrückt.

Poetische Aussage

Laida Hitaj stellt ihre technische Perfektion voll in den Dienst dieser poetischen Aussage. Die wechselnden romantischen Stimmungen vermittelte sie perfekt dem gebannt lauschenden Publikum. Der folkloristische Einschlag ist ein launiger, auflockernder Gegenpol zur verhaltenen Lyrik des Werkes.

Die Solistin glänzte mit dem vollendeten Spiel der melodischen Perioden und ihrer reich figurierten Varianten. Sie interpretierte die harmonischen und modulatorischen Einfälle des Komponisten und bot eine glanzvolle pianistische Leistung. Das Orchester bot mit gelungenen Streicher- und Bläserpassagen ein harmonisches Gesamtbild.

Laida Hitaj war das beste Beispiel dafür, wie sich die kindliche Freude am Musizieren und eine große Begabung künstlerische weiter entwickeln kann und eine so gefühlvolle Interpretation eines anspruchsvollen Werkes gelingt.

Einen fröhlichen Abschluss brachten beiden Solistinnen mit einer vierhändig gespielten Zugabe.

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