Zusammenhänge in einer sich rasant entwickelnden Welt

Von: ptj
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Die abschließende Diskussionsrunde mit dem Referenten, Professor Joachim Treusch (l.) wurde rege genutzt wie hier von Josph Krott (2.v.). Foto: Jagodzinska

Barmen. Wichtige Stichpunkte für das problemorientierte Lehren, Lernen und Forschen sind für Professor Joachim Treusch „transdisziplinär, interkulturell, sprach- und generationsübergreifend“. Ziel sei die Ausbildung der „kleinen Zahl der künftigen Forscher und die große Zahl verantwortungsfähiger Weltbürger, die für die Zukunft notwendig sind“.

Im Fokus stehen hier die „MINT“-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

So lautet das Resümee seines hochinteressanten Vortrags im Rahmen des 6. Schülersymposiums im Science College Barmen. Der vielfach ausgezeichnete Physiker mit Ehrendoktorwürde war unter anderem 16 Jahre lang Vorstandsvorsitzender des Jülicher Forschungszentrums und Mitinitiator des Veranstaltungsorts „Science College“, wo er noch heute „Stammgast“ ist.

Überschrift seines gut besuchten Referates war :„Wie wollen wir leben?“ Der Vortrag war untergliedert in Demographie, Energie und Umwelt, Gesundheit und Ernährung, sein Spezialthema Bildung, Information und Kommunikation und Friedens- und Konfliktmanagement. Mit eingebauten Originalfolien seiner bisherigen Reden zu diesem Thema vor 25 Jahren und im vergangenen Jahr verdeutlichte er die „irre schnelle Entwicklung“ diverser Bereiche. Ein Beispiel hierfür ist der enorme Wertverlust des Rohstoffs Öl, der Barrelpreis ist in den letzten vier Monaten von 52,9 auf 30,5 US-Dollar gesunken. „Die Saudis haben das Öl absichtlich billig gemacht, um die USA mit ihrem Fracking in den Ruin zu treiben“, klärte Treusch die Hintergründe.

Als mögliche Folgen zeichnete er auf: Das Zusammenbrechen der Wirtschaft in den Förderländern, der leidende Export in diese, die Verlangsamung der Energiewende und die Verschärfung der Klimaproblematik. Interessant hierbei: „Massives Zudrehen des Geldhahnes kann den IS massiv schwächen.“

Besorgniserregend sei der jährliche weltweite „virtuelle Wassertransport“ von 300 bis 500 Kubikkilometern, hochgerechnet vom Wasserverbrauch für ein Brot, das von der Getreideaussaat bis zur Auslage beim Bäcker 4000 Liter Wasser verbrauche. Also sei „das Wasser mehr wert als das Öl“. „Bitte keinen Biodiesel, der die Welternährungsmärkte kaputt macht“, appellierte Treusch.

In punkto Demografhie läge die „von Jahr zu Jahr trauriger“ stimmende Problematik auf seiner Populationskarte immer an der Kante zwischen Arm und Reich. Was hilft? Bildung, die immer die Reduktion von Analphabetismus sowie die der Geburtenrate zur Folge habe. Auf die aktuelle Flüchtlingssituation bezogen, konstatierte Treusch: „Das deutsche Asylrecht ist das beste der Welt, so lange man wirklich Asyl meint.“ Können Muslime und Christen zusammen leben?

„Es gibt gute Beispiele dafür.“ Treusch erinnerte auch an die Vertriebenensituation direkt nach dem Krieg, als zwischen 12 und 16 Millionen Flüchtlinge aus den deutschsprachigen Gebieten Europas verzeichnet wurden. Die Situation „katholischer Flüchtlinge war damals vergleichbar dramatisch wie heute für muslimische“, so Treusch, der auch an das „kulturelle Potential“ erinnerte: „Ohne die Araber im 6./7. Jahrhundert hätten wir nie rechnen gelernt.“

Erwähnenswert fand der Optimist die erfreulichen Zahlen: Die sinkende Kindersterblichkeit von 12,7 auf 5,9 Millionen und weniger hungernde Menschen mit mehr Zugang zu Trinkwasser weltweit, steigende Lebenserwartung, sinkende Arbeitslosigkeit und weniger Schulabbrecher in Deutschland.

Abschließend zitierte er Konfuzius, dem die Chinesen in ihrer rasanten Entwicklung trotz Maoismus immer treu geblieben seien. „Die Quintessenz des Wissens ist, das Erlernte auch anzuwenden. Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen.“ Im anschließenden Austausch mit dem Publikum nahmen die Ausführungen von Joseph Krott zur Streichung der Dividende von RWE Power breiteren Raum ein. Treusch war „geneigt“, RWE Power ein Stückweit in Schutz zu nehmen. Hier sei die „Umverteilung durch politische Beschlüsse lokal schmerzvoll zu merken“.

Die sehr gut besuchten Abendreferate im Rahmen des Symposiums nahm Heinz Lingen, pädagogischer Geschäftsleiter am Science College zum Anlass, nunmehr „derartige Veranstaltungen immer öffentlich anzukündigen“.

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