Jülich - Zum ersten Mal vom Tisch des Herrn speisen

Zum ersten Mal vom Tisch des Herrn speisen

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Kommunionkinder der Pfarre St. Rochus tragen am Karfreitag das Pilgerkreuz über einige Stationen auf die Sophienhöhe hinauf. Foto: Jagodzinska

Jülich. Fast wie junge Brautpaare gekleidet, gehen traditionell zumeist neunjährige Mädchen und Jungen am „Weißen Sonntag“ und an den folgenden Sonntagen in der Osterzeit zum ersten Mal zum Tisch des Herrn. Papst Johannes Paul II. führte diesen Sonntag eine Woche nach Ostern als „Barmherzigkeitssonntag“ in die Kirchengeschichte ein.

Nach einer etwa halbjährigen Vorbereitung sollen die getauften Jungkatholiken zum ersten Mal laut Katechismus „in rechter Absicht“ die Mahlgemeinschaft mit Gott erfahren und offiziell in die Gemeinde aufgenommen werden. Das lateinische Wort „Kommunion“ bedeutet Gemeinschaft.

Was bedeutet das Fest heute noch? Wie wird gefeiert, und vor allem: Wie gelingt den Katecheten der inhaltliche als auch organisatorische Spagat einer geeigneten Vorbereitung? Mit Gemeindereferentin Beate Ortwein aus dem Pastoralteam der Pfarrei „Heilig Geist“ in Jülich sprach Silvia Jagodzinska.

Frau Ortwein, Sie organisieren seit vielen Jahren in Jülich die Kommunionvorbereitung. Mit 68 Kommunionkindern aus drei Gemeinden stehen große organisatorische Aufgaben für Sie an. Wie bewältigen Sie die?

Beate Ortwein: Ich versuche, so viel wie möglich zusammenzufassen. Der erste Info-Elternabend ist für alle drei Gemeinden zusammen. Auch die Katecheten kommen zu den Vorbereitungsgesprächen zusammen und natürlich gibt es nur ein Konzept. Vor den ersten Treffen mit den Kindern habe ich zwei Treffen mit dem Katecheten-Team.

Da bringe ich für jede Gemeinde einen detaillierten Terminplan mit, der schon bis zur Erstkommunion geht. Es gibt für die Kinder verpflichtende und freiwillige Termine. Freiwillige Zusatztermine anzubieten entspannt alle. Gute terminliche Planung zu Beginn ist sehr wichtig, weil dann auch die Familien planen können und ich nicht ständig neu denken muss. Auch wichtig, weil ja viele Kinder am Wochenende bei einem anderen Elternteil sind.

Und etwas Routine im Organisatorischen ist ja mittlerweile auch da. Ich selbst gehe auch nicht in die Kleingruppen, sondern bin in jeder Gemeinde nur in der ersten halben Stunde dabei. Da kommen alle Kinder zusammen und wir besprechen etwas oder lernen zum Beispiel das „Gegrüßet seist du Maria“, spielen oder singen.

Wie wird der Inhalt des Kommunionunterrichtes gestaltet - bei immer größerer Kirchen- bzw. Gottesferne in den Familien?

Ortwein: Das ist nicht immer leicht zu lösen. Wir haben eine Mischung von Familien, die kirchlich engagiert sind und solchen, da weiß ich von Anfang an, die sind nach der Kommunion nicht mehr da. Aber ich sehe es so, dass wir nur Samenkörner legen können und dass es nicht in unserer Hand liegt, ob und wann das Korn aufgeht. Wir können in der Zeit auch nicht neun Jahre fehlende religiöse Erziehung nachholen, viele können noch nicht einmal das Kreuzzeichen.

Mir ist ferner wichtig, dass Kinder und Eltern eine gute Erfahrung mit Kirche machen, und dass besonders die Kinder die Tragfähigkeit einer guten Gemeinschaft erfahren. Ebenso ist klar, dass nur wenig von der reinen Wissensvermittlung bleibt, sondern die emotionalen Erlebnisse besser haften bleiben. Darauf baue ich auch mein Konzept auf. Die Kinder sollen über Tun und über Geschichten aus ihrer Lebenswelt eine Verbindung zu Jesus entwickeln und ihn näher kennenlernen.

Ich versuche zu vermitteln, dass wir von Gott geliebte und angenommene Menschen sind. Wenn das bei den Kindern einigermaßen ankommt und bleibt, dann ist da viel geschehen. Da die Katecheten ja Eltern aus dem Jahrgang sind und wir mindestens einmal im Monat eine verpflichtende Familienmesse haben, bekommen die Eltern auch Einiges mit.

Welche Erfahrungen machen Sie? Großes Interesse bei den Kindern, gerade weil sie weniger durch die Familien vorbereitet werden?

Ortwein: Die Kinder kommen mit ganz unterschiedlichen Haltungen. Ein besonderes religiöses Bedürfnis habe ich bei Kindern aus kirchenfernen Familien zu Beginn der Vorbereitung noch nicht gespürt. Aber bei manchen Kindern bemerke ich im Verlauf der Zeit, dass sich da eine gewisse Neugier entwickelt. So sagte mir jetzt bei der letzen Vorbereitung ein Junge: Eigentlich habe ich am Anfang gesagt, nach der Kommunion will ich mit Kirche nichts mehr zu tun haben.

Aber jetzt macht mir das richtig Spaß, jetzt gefällt mir das. Das Herkunftsspektrum der Kinder ist natürlich sehr groß. Da sind alle Schichten, vom Professorenkind bis zu sozialschwachen Familien; vom hochintelligenten Kind bis zum lernschwachen Förderschulkind. Da wird auch viel Fingerspitzengefühl seitens der Katecheten gebraucht.

Schon vor 20 Jahren war das oberflächliche Drumherum in den Kommunionfamilien verbreitet. Wie ist der Trend heute?

Ortwein: Auch hier gilt die oben erwähnte Mischung. Ich denke, hier gibt es auch ein Gefälle von Dorf und Stadt. Der Sozialdruck für eine „richtige Kommunionfeier“ mit mindestens drei Tagen Nachfeiern ist meines Erachtens auf dem Dorf größer als in der Stadt. Aber nach meinen Beobachtungen sind es häufig Großeltern, die viel drum herum machen. Bei manchen ist die Ausstattung des Enkelkindes eine Prestigesache.

Interessant ist, dass bei einfacheren Familien da auch mehr Aufwand gemacht wird. Bei den meisten merke ich aber, dass es nicht mehr so ein riesiger „Almauftrieb“ ist. Das mache ich auch bei der Erstkommunion-Festmesse deutlich. Da gibt es nicht viel Zusätzliches. Das ist eine ganz normale, etwas festlicher gestaltete Messe, in der die Kinder das Taufgelübde erneuern und bei der Kommunion im Chorraum sind. Da gibt es keine Spielchen oder ein Vorführen von Kindern. Nicht zuletzt ist Erstkommunion auch ein Wirtschaftsfaktor.

Die Kommunionkleidung ist immer früher in den Schaufenstern, und die Kataloge, was alles geschenkt werden kann, lassen auch kirchliche Verlage nicht schlafen. Die Eltern erzählen mir manchmal, was ihnen im Geschäft alles an Zubehör zum Kleid oder Anzug angeboten wird. Ich „beschwöre“ die Eltern am letzten Infoabend, dass sie bitte verhindern, dass liebende Großeltern und Verwandte darauf drängen, dass die Kinder doch ihr Geschenk schon vor der Messe auspacken sollen.

Was gibt es noch Erwähnenswertes für Sie?

Ortwein: Die Einbindung der Gemeinde. Mir ist es ein Anliegen, dass die Vorbereitung nicht außerhalb der Gemeinde stattfindet. So „wandern“ wir mit den Familienmessen auch im Wechsel in die drei Kirchen. In jeder Gemeinde stellen sich die jeweiligen Kinder in einer Messe vor. In den Kirchen hängen Bilder mit den Kindern. In der Vorstellmesse lade ich die Gemeindemitglieder ein, eine sogenannte Gebetspatenschaft zu übernehmen.

Das bedeutet, es gibt in einem unbeschrifteten, verschlossenen Umschlag eine Karte, die versehen ist mit einem Gebet und dem Vornamen eines Kindes. Die Kinder schreiben selbst den Namen, manche malen auch noch etwas. Die Gebetspaten sind eingeladen, das Gebet möglichst regelmäßig für das jeweilige Kind zu beten. Es ist noch nie vorgekommen, dass eine Karte übrig war. Es kommt auch vor, dass Gebetspaten zur Kommunion ein kleines Geschenk machen oder einen Brief an das Kind schreiben, mir dann geben und ich leite es weiter.

Wie lautet Ihr Resümee? Ortwein: Ich selbst stecke viel Arbeitskraft in diese Zeit. Wir fahren zum Beispiel mit den Kindern an einem Sonntag nach Kevelaer zur Hostienbäckerei und bringen die Hostien für die Erstkommunion mit. Ich persönlich kann nur sagen, der Aufwand „lohnt“ sich. Die Katecheten-Treffen sind oft tiefgehende Glaubensgespräche, die auch ferner Stehenden darunter neue Nahrung geben.

Bei Katechesen in Familienmessen oder anderen Gottesdiensten verblüffen mich immer wieder die Antworten der Kinder, und ich merke, da haben sich Türen geöffnet. Wir würden eine große Chance für Gegenwart und Zukunft verspielen, wenn wir da weniger investieren würden.

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