Langerwehe - Zukunftswerkstatt will heute die Weichen für morgen stellen

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Zukunftswerkstatt will heute die Weichen für morgen stellen

Von: Hannes Schmitz
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Sie wollen in Zusammenarbeit mit allen Langerwehern die Zukunft der Gemeinde planen: (von links) Andreas Schneider, LUNA, Stephan Baldin, Vorsitzender der Aachener Stiftung Kathy Beys, Ulrich Böke, LUNA, und Walter Jordans, BUND. Foto: Schmitz

Langerwehe. In der Gemeinde Langerwehe wird die Zukunft bis zum Jahre 2050 geplant. Allerdings setzt man dabei nicht auf Wahrsager oder Kartenleger. Vielmehr will man sich seriös mit der Zukunft auseinandersetzen, wie auf einer Veranstaltung von BUND und LUNA deutlich wurde.

Antworten sollen auf Fragen gefunden werden, was die treibenden Kräfte der zukünftigen gesellschaftlichen, ökonomischen und technischen Entwicklung sind - und welche Zusammenhänge dabei erkennbar sind.

Im Gebäude der Evangelischen Kirche trafen sich Ratsvertreter und interessierte Bürger zur Auftaktveranstaltung „Zukunftswerkstatt Langerwehe”. Sie ist eine von Zukunftsforschern wie Robert Jungk, Rüdiger Latz und Norbert R. Müller begründete Methode, die Fantasie anzuregen, um mit neuen Ideen Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Mit der Aachener Stiftung Kathy Beys, die auf viel Erfahrung bei der Entwicklung von Zukunftsszenarien zurückgreifen kann, wird der Aufbruch in die Zukunft vorgenommen.

Langerwehe wird in den nächsten vier Jahrzehnten vor gravierender Veränderung stehen. Das absehbare Ende der Braunkohlenförderung und Braunkohlenverstromung könne dabei, wie erörtert wurde, Bedrohung oder Chance sein. Für einen positiven Entwicklungsprozess müssten schon jetzt die Weichen gestellt, Ideen gesammelt und Problemlösungen erarbeitet werden.

Wie ein solches Verfahren funktionieren kann, stellte Stephan Baldin, Vorsitzender der Stiftung, anhand der Planungen „Indeland 2050” vor. Auch für Langerwehe gelte, dass Zukunftsbilder entwickelt werden müssten, um Entscheidungskriterien fassen zu können. Beim Projekt „Indeland” wurde der Zukunftsraum in vier Szenarien eingeteilt - eine Analyse, die zum Nachdenken anregte.

So könnten Entscheidungen oder Absichten, die heute getroffen werden, durch Entwicklungen überholt werden. Ein Rückblick auf vier Jahrzehnte sei leicht und ließe sich mit Ereignissen wie zum Beispiel der Mondlandung beschreiben. Zukunftsplanungen über einen solchen Zeitraum bedeuten, Eventualitäten aufzuschlüsseln und sich darauf zu wappnen.

Ob nun einmal das Tagebauloch verfüllt oder zum Restsee werde, könnten Alternativen sein. Es könnte alles aber auch ganz anders kommen, wenn man andere Möglichkeiten in Betracht ziehe. Der Tagebau Inden III wäre auch keine Utopie, wenn bestimmte Szenarien eintreten würden. Zum jetzigen Zeitpunkt sei eine leichte Erholung der globalen Wirtschaftskrise festzustellen.

Wenn aber in naher Zukunft der Höhepunkt der Ölförderung überschritten sei, könnte das fatale Auswirkungen haben: Energieverknappung, hohe Preise, Konzentration von Forschungsprojekten, was zu Einschnitten in Jülich führen werde. Die Mobilität würde teurer, Energieversorger fusionieren - mit Steuerung aus St. Petersburg -, das Leben würde sich jedenfalls allmählich verändern. Statt Urlaub in der Ferne: Ferien im Schrebergarten. Das Kohleland Indeland könnte zu einem neuen Hoffnungsträger für die Region werden.

In Jülich und Mönchengladbach gäbe es genügend Kohlevorkommen, die Gesellschaft Indeland, die sich bis dahin von „Projekt zu Projekt gehangelt” habe, hätte eine neue Aufgabe: Umsiedlungen. Bei den Entwicklungen der Gemeinden, die sich erst dynamisch entwickelten, käme es zu Konkurrenzverhalten statt Kooperation, was letztlich in einen Niedergang mündete, wurde ausgeführt.

Schon jetzt müssten daher nach Ansicht der Stiftungsvertreter die Grundlagen für das Morgen geschaffen werden. Die Menschen müssten „aus sich heraus Neues Schaffen”, auf vernünftiges Wachstum setzen, Rahmenbedingungen schaffen, die ein Stück sichere Zukunft brächten.

Beeindruckende Erklärungen, die ihre Wirkung zeigten. BUND und LUNA hoffen, dass sich die Gemeinde Langerwehe nun an die Spitze eines Prozesses setzen werde, um dann mit allen Betroffenen (Bürgern, Unternehmen, Kirchen, Vereinen) Zukunftsentwürfe, Ziele und Maßnahmen für ein weiterhin lebensfähiges und liebenswertes Langerwehe zu schaffen. Die Pläne dafür sollen dann in Workshops in Zusammenarbeit mit der Kathy-Beys-Stiftung erarbeitet werden.
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