Zukunftsforschung: Rotary Club im Forschungszentrum Jülich

Von: Markus Clemens
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Er erklärt den Besuchern, dass Autos mit Wasserstoff-Antrieb eine Technik für die Zukunft sind: Matthias Gebert(l.) ist Ingenieur und bevorzugt Wasserstoff auch aufgrund der deutlichen kürzeren Ladezeit. Foto: Markus Clemens
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Flache Flunder: Der BMW i8 war einer der Hingucker. Er hat einen Verbrennungs- und einen Elektromotor. Foto: Markus Clemens

Jülich. Ein Wochenende rund um das Thema Energiewende durften 60 junge Leute auf Einladung des Rotary Club Jülich-Herzogtum Jülich im Forschungszentrum verbringen. Die Wind- und die Solarenergie waren genauso ein Thema wie der Umbau des Energiesystems.

Der Samstag stand dabei ganz im Zeichen des Verkehrs und der sich verändernden Antriebssysteme der Fahrzeuge. Gleich mehrere Automobilunternehmen hatten dazu einige ihrer emissionsarmen und emissionsfreien Autos mitgebracht, mit denen die Teilnehmer auch selbst eine Runde über das Areal drehen konnten. Einer der Hingucker war dabei der BMW i8, ein Auto wie aus einem James-Bond-Film.

„Groß und dick darf man aber nicht sein“, scherzten einige der Studenten, während sie sich in das Auto zwängten. Der so genannte Plug-In-Hybrid hat stolze 360 PS und verfügt sowohl über einen Verbrennungs- als auch einen E-Motor. Im Raum Aachen scheinen auch die nicht unerheblichen Kosten von mindestens 130.000 Euro Interessenten vom Kauf nicht abzuschrecken.

„Wir haben ihn hier schon 13 Mal verkauft“, sagte Michelle Claßen, die den Flitzer zur Präsentation mitgebracht hatte. „Die Themen Energiewende und Verkehr liegen eigentlich auf der Hand“, sagte Günther Hamacher vom Rotary Club. Wohl in keiner anderen Region in Deutschland werde zu diesen Themen so viel geforscht wie im Aachener Raum und in Jülich. „Viele unserer Rotary-Mitglieder arbeiten zudem im Forschungszentrum.“

„Ich bekomme hier einen umfassenden Überblick über die Energiewende und die Zukunft des Verkehrs“, sagte die Dürener Medizinstudentin Carolin Barden. „Ich beschäftige mich im Studium mit der Entwicklung von Technik. Da ist das Thema Energie auch allgegenwärtig“, betonte Ingenieur-Student Silvan Berg. Beide hatten besonderen Spaß an der Themenvielfalt und der „offenen Diskussion mit 60 Jugendlichen und mehreren Professoren“.

Gereon Langen war einer der prädestinierten Gäste des Seminars. Der Ford-Mitarbeiter ist Rotary-Mitglied und hatte eigens einen Focus mitgebracht, der per Batterie angetrieben wird. Das 38.000 Euro teure Fahrzeug wird derzeit nur begrenzt produziert und ist deshalb im Preis noch deutlich teurer als ein konventioneller Benziner. Beim Anfahren allerdings macht er kaum Lärm, vielmehr schnurrt er leise, fast wie eine Nähmaschine. Dies, so der Ford-Techniker, ist eines der – allerdings eher kleinen und lösbaren – Probleme, die die Autobauer mit den Fahrzeugen aktuell noch haben.

„Die Autos sind derart leise, dass die Fußgänger sie nicht mehr hören können und es deshalb zu gefährlichen Situationen kommen kann.“ In den USA, so Langen, habe der Gesetzgeber die Autobauer deshalb bereits aufgefordert, dass die Autos irgendein deutlich hörbares Geräusch erzeugen müssen. Dies, so seine Einschätzung, dürfte auch in Deutschland so weit kommen.

Für Dr. Matthias Gebert allerdings sind von Batterie angetriebene Fahrzeuge keinesfalls die Autos im Straßenverkehr der Zukunft. Gebert, Verfahrenstechniker und Rotary-Mitglied, erläuterte den Studenten, dass es mehrere Stunden dauert, bis ein solches Fahrzeug aufgeladen ist. Dies sei unpraktikabel und benutzerunfreundlich. Der Ingenieur, der in Karlsruhe studiert und in Aachen promoviert hat, schwört auf Wasserstoffautos.

Immer mehr Automobilhersteller würden ihre Produktion entsprechend ausweiten und schon bald in Serie gehen. Ein großer Vorteil: „Der Ladevorgang dauert lediglich einige Minuten.“ Und wenn der Wasserstoff für ein solches Fahrzeug mittels regenerativer Energie erzeugt wurde, so Gebert, sei sein Betrieb komplett CO2-frei. Mit solchen Fahrzeugen, so der Ingenieur, ließen sich die Klima- und CO2-Ziele der Bundesregierung am ehesten erreichen. In zehn bis 15 Jahren, so seine Einschätzung, werden solche „wahrhaftig umweltfreundlichen Autos“ aus dem Straßenverkehr nicht mehr wegzudenken sein. Weil sie in der Zukunft massenweise produziert würden, dürften ihre Kosten und die Kosten für den Wasserstoff dann ebenfalls deutlich sinken.

Günther Hamacher und Rotary-Präsident Dr. Klaus Müller waren mit dem Seminarwochenende zufrieden. „Wir glauben, das Thema Energiewende gerade für die jungen Menschen verständlich gemacht zu haben, die es bis 2050 zu tragen und zu gestalten haben werden.“

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