Zuhause auf 1700 Jülicher Dächern

Von: Daniela Martinak
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Blick über die Dächer der Herzogstadt: Adalbert Gawel (r.) und sein Angestellter Patrick Wollersheim auf einem Dach in Jülich. Bei solch einem Wetter macht es umso mehr Spaß Schornsteinfeger zu sein. Wer hat schon jeden Tag solch eine Aussicht? Foto: Martinak
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Als sich der Schornsteinfeger durch die Luke gezwängt hat, werden noch Handschuhe angezogen. Foto: Martinak

Jülich. „Tschimtschimini tschimtschimini tschim tschim tscheri, so klingt des Kaminkehrers Glücksmelodie. Tschimtschimini tschim- tschimini es ist bekannt, das Glück das färbt ab, drückt uns einer die Hand und wer uns mal küsst, wird Glückskind genannt“, singt Adalbert Gawel allerbester Laune. A la Mary Poppins tanzt er ein bisschen auf dem Dach und genießt die Aussicht über Jülich.

Unverkennbar, dass dieser Mann seinen Beruf offenbar liebt. Gawel ist seit 15 Jahren Schornsteinfeger. Und das mit Herz und Seele. Kurze Zeit später ist auch sein Mitarbeiter Patrick Wollersheim auf dem Dach.

„Ich glaub ich muss ein bisschen abnehmen“, witzelt der 20-Jährige. Er deutet auf die schmale Luke, durch die sich die beiden zuvor zwängen mussten, um überhaupt einen Blick in den Schornstein werfen zu können.

Goldene Knöpfe

Aber erst einmal hält auch er die Nase in die Luft. Die Sonne spiegelt sich in den blank polierten goldenen Knöpfen. Die sind traditionell auf einer schwarzen Kaminkehreruniform angebracht und zeigen das Abbild des heiligen Florians, dem Schutzpatron der Schornsteinfeger.

Schwarze Arbeitsschuhe und Handschuhe gehören mit zur Ausrüstung. Nicht zu vergessen ist aber natürlich das Kehrwerkzeug, welches auch sogleich zum Einsatz kommt.

Da wären die so genannte Kehrleine, der Stoßbesen und der Rußer. „Einige tragen auch noch ein Schultereisen und für den Meister ...“, beginnt Gawel und zückt einen Zylinder, den er sich auf den Kopf setzt. Der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger für den Bezirk Jülich-Süd ist tagtäglich unterwegs. Allein. Nur an diesem Tag demonstriert er gemeinsam mit Patrick Wollersheim die Aufgaben des Berufs. Aber nicht nur das Kaminfegen gehört dazu: Seit den 70er Jahren müssen die Schornsteinfeger die Emissionsmessungen durchführen, außerdem energieberatend zur Seite stehen und dafür sorgen, dass alles den Brandschutzmaßnahmen entspricht. „In erster Linie bringen wir aber Glück“, spaßen die beiden. Und anfassen ist erlaubt!

Schließlich soll es wirklich Glück bringen, Schornsteinfegern die Hand zu schütteln. Und gerade die älteren Menschen hoffen laut Gawel, dass etwas Ruß an ihnen haften bleibt. „Viele erzählen mir Wochen später, dass ich ihnen wirklich Glück gebracht habe. Das macht mich immer besonders stolz.“

Auf Hochzeiten

Sogar für Hochzeiten wird er gebucht. „Das“, so betont er, „mache ich aber nur außerhalb der Arbeitszeiten. Und die sind bei 1700 zu betreuenden Haushalten mit und ohne Kamin teilweise üppig. Fünf Tage die Woche, bei Wind und Wetter, bei Sonne und Regen, bei Hitze und Kälte.

Aber dafür wird es oft ganz schön spannend und es geht häufig hoch hinaus. Laut den beiden Schornsteinfegern nämlich auf bis zu 40 Metern Höhe. „Alle Schornsteine die höher liegen, werden vom TÜV gereinigt.“

Aber selbst, wenn Gawel gar nicht aufs Dach rauf muss, er schwärmt von der Vielfältigkeit seiner Tätigkeit „auch ohne schwindelerregende Höhen“. So freut er sich etwa jedes Jahr darauf, in der Kaserne der Bundeswehr nach dem Schornstein zu sehen. Oder gar im Forschungszentrum Jülich, wo er in Räume gelangt, in denen streng geheim gearbeitet wird.

Doch der Beruf des Schornsteinfegers hat nicht nur positive Seiten: „Manchmal ist es ganz schön mühselig. Im Winter sind die Kellerräume nicht geheizt in die wir nun mal müssen, im Sommer ist es richtig stickig auf den Dachböden“, erzählt Wollersheim aus seinem Berufsalltag.

Aber er meint es nicht so: „Ich wollte nie etwas anderes machen. Es ist ein Traumjob.“ Sowohl für Männer als auch für Frauen!

Und dennoch: Es mangelt massiv an Nachwuchs. Auch Gawel sucht einen Auszubi oder eine Azubine. Auch Praktikumsplätze bietet der 37-Jährige an.

Voraussetzung für die, die auch in den Genuss atemberaubender Ausblicke über die Dächer der Stadt kommen wollen, sind gute Deutschkenntnisse sowie gute Noten in Mathmatik, Physik und Chemie.

Weiterhin erforderlich laut Gawel: „Höhenangst und Platzangst sollte man nicht haben. Auch Sportlichkeit, Geschick und ein ausgeprägtes Gleichgewicht sind von Vorteil.“ Alle, die in Zukunft ebenfalls „Glücksbringer“ werden wollen, sollen sich einfach bei ihm melden: Telefon 0176/38463646

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