Jülich - Zuckerrübe wieder „Königin der Feldfrüchte“

Zuckerrübe wieder „Königin der Feldfrüchte“

Von: gep
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Die Kampagne ist gelaufen: Rübenanlieferung in der Zuckerfabrik Jülich. Foto: gep

Jülich. Die erste Fuhre kam aus Rommerskirchen, die letzte aus Mönchengladbach, als das Werkstor schon seit zwei Stunden geschlossen war. Am Montag wurden die letzten Rüben in der Zuckerfabrik Jülich angeliefert, in der Nacht zu Mittwoch wurden die letzten Knollen verarbeitet.

Insgesamt wurden in den 125 Tagen der (zweitlängsten) Kampagne 1,8 Millionen Tonnen herantransportiert und an der Dürener Straße weiterverabeitet. Und es ist, so Dr. Willi Kremer-Schillings (KS), Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung, die zweitbeste Kampagne in der Werksgeschichte. Damit sind auch „drei Rekordernten in nur vier Jahren“ eingefahren worden. „Das war nicht zu erwarten“, lautet die Bilanz im Pfeifer & Langen-Werk.

Pro Hektar wurden im Durchschnitt 75,9 Tonnen (t/ha) Rüben gerodet. Ein „Wahnsinnsertrag“, so KS, denn es ist der zweithöchste nach dem Ausnahmejahr 2011. Je nach Standort schwankt der Ertrag zwischen 74 und 80 Tonnen je Hektar. Der Zuckerertrag liegt im Durchschnitt bei 13,5 t/ha, der Zuckergehalt bei 17,7 Prozent bei einer Schwankungsbreite von 17,55 bis 17,88 Prozent.

Spitzenreiter beim Rübenertrag ist der Raum Bergheim/Elsdorf/Titz mit 79,9 t/ha. Es folgen Rommerskirchen/Jüchen mit 77 t/ha sowie Inden/Jülich/Aldenhoven mit 76,2 t/ha. Beim Zuckergehalt liegt Düren/Niederzier/Langerwehe mit 17,88 Prozent vorn. Der höchste Zuckerertrag wurde mit 14,2 t/ha in Bergheim/Elsdorf/Titz erzielt. Bis zum Ende der Kampagne sei der Zuckergehalt auf einem anhaltend hohen Niveau geblieben, merkt KS an.

Der Anbau habe sich ausgezahlt, macht Kremer-Schillings deutlich.Die Zuckerrübe sei 2012 die „Königin der Feldfrüchte“ geblieben. Er untermauert dies mit einer betriebswirtschaftlichen Kennzahl, dem Deckungsbeitrag (DB). Der DB bezeichnet die Differenz zwischen Erlös und variablen Kosten (etwa Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, Feldbearbeitung, Aufbereitung, und Hagelversicherung). Der DB der Zuckerrübe liegt bei 1700 Euro/ha und damit rund 600 Euro über dem DB der Hauptkonkurrenten Weizen und Raps.

Die Kampagne sei „absolut reibungslos“ verlaufen. Nur zwischen Weihnachten und Neujahr habe es bedingt durch die milde Witterung Probleme mit faulenden Rüben gegeben. Die Landwirte hätten aber „sehr vernünftig reagiert, die faulen Rüben seien bereits auf dem Feld ausgelesen worden.

Auch das Abdecken der Mieten mit Vlies, um die Rüben vor Frostschäden zu bewahren, habe „bis auf wenige Ausnahmen“ funktioniert, nachdem der Rheinische Rübenbauer-Verband und die Pfeifer & Langen GmbH am 4. Dezember einen Abdeckaufruf gestartet hatten.

„Großes Lob“, so KS, habe die Polizei den Rübentransporteuren gezollt. Es habe zwar Unfälle gegebeben, doch in keinem Fall sei ein Rübenfahrzeug „aktiver Unfallveursacher“ gewesen.

Die Zuckerfabrik läuft jetzt noch rund 60 Tage weiter, KS: „Im März sind wir hoffentlich fertig.“ Der Dicksaft wird, nahtlos an die Kampagne anschließend, sofort zum Endprodukt Kristallzucker verarbeitet. Das setzt allerdings voraus, dass der Absatz an die Abnehmer – Handel, Lebensmittel- und Getränkeindustrie usw. – nicht ins Stocken gerät, da die Zuckersilos zurzeit „relativ voll“ sind.

2011 war an der Dürener Straße ein fünftes Silo für 60.000 Tonnen Weißzucker in Betrieb genommen worden; pro Jahr werden im Durchschnitt etwa 250.000 Tonnen Weißzucker erzeugt.

Die unverzügliche Weiterverarbeitung des Zwischenprodukts Dicksaft hat mehrere Vorteile: Wenn die Fabrik läuft, muss sie nicht beheizt werden. Zudem können die Mitarbeiter ihre Urlaube etwas freier planen. Und ferner steht dann etwa ein halbes Jahr für Instandhaltungsarbeiten zur Verfügung, bis die nächste Kampagne Mitte September gestartet wird.

Diese Kampagne, so KS, wird kürzer ausfallen, da weniger Rüben angebaut werden. In ihrer Planung geht die Zuckerfabrik – mit Blick auf die Preisentwicklung am Weltmarkt– davon aus, dass statt bisher 21.000 Hektar nur noch 19.500 Hektar im Vertragsanbau eingesät werden. An die Landwirte geht zudem der Rat, sich an den vertraglichen Liefermengen auszurichten und größere Überschussmengen zu vermeiden.

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