Zuckerfabrik: Wird der Standort Jülich „in Frage gestellt”?

Von: gep
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Agrarpolitiker der NRW-CDU hab
Agrarpolitiker der NRW-CDU haben die Zuckerfabrik Jülich besichtigt: Sie fordern die Verlängerung der jetzigen EU-Zuckermarktordnung bis mindestens 2020. Foto: gep

Jülich. Sollte sich die EU-Kommission durchsetzen, die Zuckermarktordnung nur noch bis Ende 2015 beizubehalten und dann die bisherigen Produktionsquoten und das Mindestpreissystem abzuschaffen, dann sind Standorte wie Jülich „in Frage gestellt”.

Das sagte der Vorsitzende des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes (RBV), Bernhard Conzen (Gangelt), vor Agrarpolitikern der NRW-CDU, die der Zuckerfabrik Jülich einen Informationsbesuch abstatteten. Unabdingbar sei, das jetzige Regelwerk „bis mindestens 2020 fortzuschreiben” und für 2018 einen „Review” zu vereinbaren, um notfalls auf Entwicklungen an den Weltmärkten reagieren zu können.

Bereits die Zuckermarktreform 2006 habe den Rübenbauern neben erheblichen Produktionseinschränkungen eine drastische Preissenkung um 40 Prozent beschert. Dadurch sei man „an die Grenze der Wettbewerbsfähigkeit gestoßen, betonte Conzen. Die Zuckerrübe stehe heute in „scharfer” Konkurrenz zu den anderen Feldfrüchten. Und die Anpassung an die Reform von 2006 sei noch nicht abgeschlossen.

„Damit sind wir noch nicht durch”, sagte der Geschaftsführer der Zuckerfabrik Jülich GmbH, Horst Wilhelm Mewis - trotz Reduzierung der Anbauflächen und der Fabrikschließungen in den letzten Jahren.

Auch der Verkauf der Zuckerfabrik Jülich an den Branchenriesen Pfeifer & Langen, Köln, sei in diesem Zusammenhang zu sehen. Die Branche habe jedenfalls „an vielen Rädchen gedreht”: Der Zuchtfortschritt bei der Zuckerrübe sei rasant wie bei keiner anderen Ackerpflanze, die Erzeugung sei verbessert worden und die Verarbeitung optimiert worden.

Selbstversorgung sinkt

Der Landtagsabgeordnete Josef Wirtz (Schophoven) erinnerte daran, dass als Folge der Reform der Selbstversorgungsgrad der Bundesrepublik von 115 auf 85 Prozent gesunken sei und sich Zucker daraufhin ab 2008 verteuert habe.

Sollten die Vorschläge der EU-Kommission Wirklichkeit werden, sei ab 2016 mit einem Rückgang der Erzeugerpreise um rund 20 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 2009/10 zu rechnen. Dies könne nicht ohne Folgen für die regionale Landwirtschaft und die rheinische Zuckerrübenindustrie bleiben.

Zu erwarten seien auch ökologische Kollateralschäden, wenn die „Königin der Feldfrüchte” in der bodenschonenden Fruchtfolge ausfalle. Auf Rübenschlägen bleibe der Boden bis weit in den Winter hinein aktiv. Und die Rübenpflanze hinterlasse kein Nitrat im Trinkwasser.

Zudem sei die Feldfrucht ein großer Sauerstoff-Spender. Ein Hektar Rüben produziere vier Mal so viel Sauerstoff wie ein Hektar Wald. Ferner habe die Zuckerrübe ein sehr hohes Energiepotenzial etwa für die Biogas-Erzeugung. „Da wird man sich noch umgucken”, meinte der Gangelter Ackerbauer. Die Zuckerrübe habe jedenfalls eine weitaus bessere Öko-Bilanz als Zuckerrohr, das größtenteils auf großen Plantagen in Monokultur angebaut werde.

Die jetzige Zuckermarktordnung sei auch „ein Baustein” für ein hohes Maß an Versorgungssicherheit bei Lebensmitteln, sagte Mewis. Der „große Charme der Rübe” liege darin, dass sie auf fruchtbaren Böden wie in der Jülicher Börde beim Erlös relativ konstant und beim Ertrag stabil sei, sagte Mewis und verwies zugleich auf die „enormen Preisausschläge” etwa bei Weizen und Raps.

Der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Rainer Deppe, sagte nach der Besichtigung des Jülicher Werks, Rübenbauern und Zuckerindustrie könnten „erhobenen Hauptes” ihre Interessen vertreten, denn welcher Wirtschaftszweig könne schon selbst die Produktionsrückstände seines nachwachsenden Rohstoffs zu 100 Prozent verarbeiten.

Ökologische Kreislaufwirtschaft

Mit einem Lieferradius von 39 Kilometern arbeite hier eine „ökologische Kreislaufwirtschaft”, unterstrich Deppe, einst Milchschafhalter und Direktvermarkter im Bergischen Land („Da gibt es keine Zuckerrüben”). Die jetziger Zuckermarktordnung müsse daher um weitere fünf Jahre fortgeschrieben werden. „Diese Zeit braucht man.”

Zugleich bekräftigte er die Forderung, den Flächenfraß zu stoppen. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung dürften keine Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion herausgenommen werden - gerade an Standorten, die über fruchtbare Böden verfügten und an denen Wetterextreme relativ selten seien.
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