Jülich - Zuckerfabrik: Trotz der späteren Aussaat ist eine sehr gute Ernte noch möglich

Zuckerfabrik: Trotz der späteren Aussaat ist eine sehr gute Ernte noch möglich

Von: gep
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Andreas Gehlen, Anbauberater der Zuckerfabrik, hat eine geplatzte Rübenpille freigelegt. Der Keimling ist bereits aktiv. Ende der Woche werden tausende kleiner Pflänzchen auf dieser Ackerfläche sprießen. Foto: gep
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Eine zwölfreihige Rübendrille im Einsatz: Vorne angebracht ist eine Prismenwalze. Links ist der Spuranreißer zu sehen, damit hat der Traktorfahrer bei der nächsten Aussaatrunde eine präzise Orientierung.

Jülich. Spät, aber nicht zu spät sind in diesem Jahr die Rüben gesät worden. Bis zur Wochenmitte sind die Landwirte wohl durch, sagt der Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung der Zuckerfabrik Jülich, Dr. Willi Kremer-Schillings (KS). Am Osterdienstag hatten die ersten Bauern gedrillt.

Und nach der ersten Aprilwoche waren bereits 85 Prozent der Saat im Boden. Die Bedingungen waren optimal, berichtet Anbauberater Andreas Gehlen. Das trockene und kalte Wetter der letzten Wochen hatte die Flächen nicht nur gut abtrocknen lassen, sondern auch eine hervorragende Bodengare hinterlassen, die geschätzte Frostgare. Kein Saatbeet ist besser. Kremer-Schillings zitiert einen alten Bauernspruch „Der Boden fiel wie Asche“ – so locker war er. Sobald der Ackerboden ohne Verdichtungen befahrbar ist, „müssen die Rüben gesät werden“.

Und der Regen war dann willkommen – bis Ende der letzten Woche waren es im Einzugsbereich der Zuckerfabrik sechs bis zehn Millimeter Niederschlag, der wunschgemäß als langanhaltender Nieselregen herunterkam. Auch wenn es für andere Kulturen wie Weizen oder Raps mehr hätte regnen müssen, bieten die Niederschläge in Kombination mit den spürbar ansteigenden Temperaturen gute Startbedingungen für die „Königin der Feldfrüchte“.

Die Mehrzahl der fünf Millimeter großen Pillen ist bereits „explodiert“ (Kremer-Schillings). Rund 100.000 Pillen – ein Paket, das 220 bis 230 Euro kostet – reichen für einen Hektar, zehn Pillen erbringen etwa ein Kilogramm Zucker. Die unregelmäßig geformten Samen sind mit einer Pillen-förmigen Schutzschicht überzogen, auf die Insektizide zum Schutz gegen Schädlinge sowie Fungizide zur Pilz-Bekämpfung angelagert werden. Dank der Einheitsgröße können die Einzelkorn-Sämaschinen sie exakt platzieren. Die Pflanzen machen sich dann nicht Licht und Nährstoffe streitig. In etwa 180 Tagen haben sie 1000 bis 1300 Gramm Endgewicht erreicht. Der Ertrag pro Hektar liegt bei etwa 75 Tonnen Rüben und rund fünf Tonnen Zucker.

Allerdings werden in diesem Jahr im Einzugsbereich der Zuckerfabrik nur 19.000 Hektar nach 21.000 Hektar im Vorjahr eingesät. Grund ist nach den Top-Ernten der Vorjahre die Sättigung des Marktes. Aber die Landwirte können, so Kremer-Schillings, auch nach der Kampagne 2013 einen „zusätzlichen Aufschlag“ auf den Rübenmindestpreis erwarten.

Lukas ist blau

Unter den Sorten ist in diesem Jahr Kristallina die Favoritin der Landwirte. Die „dreifachtolerante“ Sorte, erst 2011 zugelassen, widersteht der Viruskrankheit Rizomania und Nematoden, parasitären Fadenwürmern und garantiert Blattgesundheit, so Hersteller KWS.

Die Sorten der Saatguthersteller können an der Farbe unterschieden werden. Orange ist die Farbe des niedersächsischen Branchenriesen KWS, der mit Adrianna ebenfalls unter den ersten Drei vertreten ist. Nr. zwei und blau ist Lukas, die Sorte kommt von der Strube GmbH & Co. KG, Söllingen bei Helmstedt. Grün sind die Pillen des Konkurrenten Syngenta, einem Schweizer Agro-Multi.

Zur Zeit sei „alles im grünen Bereich“, sagt der Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung – trotz der späten Saat, in den beiden Vorjahren waren die Pillen bis Ende März im Boden. Dennoch liege der Saattermin noch immer „leicht“ vor dem langjährigen Mittel.

Für den gefürchteten Mäusefraß – die nachtaktive Feldwaldmaus spürt die Rübenpillen auf, knackt die Schale und frisst den Samen – ist es, so „fast zu spät“, denn die meisten Pillen sind schon geplatzt, die Samen keimen. „Fehlanzeige“ auch bei anderen Schädlingen. Für Nützlinge ist dagegen gesorgt: Die „Rheinische Bienenweide“, eine Saatgutmischung mit unterschiedlichen Blühpflanzen, die die Bienen in der Feldflur bevorzugt anfliegen, „wird uns aus den Händen gerissen“, so Kremer-Schillings.

Die Aktion der Pfeifer & Langen KG, des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes und des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) „kommt sehr gut an“. Das kostenlose Ein-Kilogramm-Paket, das für etwa 1000 Quadratmeter reicht, enthält einjährige Arten wie etwa Phacelia, Seradella, Gelbsenf, Buchweizen, Ölrettich, Sonnenblume und Ringelblume. Damit können Rübenbauern schwierig zu bewirtschaftende Feldecken oder auch Mietenplätze einsäen und somit den Speisetisch für Bienen decken.

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