Zucker-Warnstreik schwappt bis in Jülichs Innenstadt

Von: Antonius Wolters
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Warnstreik: Der Demonstrationszug der Gewerkschaft NGG drehte am Donnerstagvormittag mit lautem Getöse eine Runde von der Zuckerfabrik aus durch die Jülicher Innenstadt. Foto: Wolters
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Vor den Toren der Jülicher Zuckerfabrik hatte der Warnstreik der Beschäftigten von Pfeifer & Langen gegen 8.30 Uhr begonnen.

Jülich. Für die rund 5000 Beschäftigten der deutschen Zuckerindustrie steht am Freitag in Köln die nächste Verhandlungsrunde an. Um der Forderung nach einer deutlichen Lohnerhöhung Nachdruck zu verleihen, hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) der Region Aachen für Donnerstag zum Warnstreik aufgerufen.

So setzte sie vor den Toren der Jülicher Zuckerfabrik, deren Mitarbeiter einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad haben, ein machtvolles Zeichen.

„Die Änderung der Zuckermarktordnung wirft zwar ihre Schatten voraus, doch die Beschäftigten dürfen nicht von der allgemeinden Einkommensentwicklung abgekoppelt werden“, sagte Peter Mogga, Geschäftsführer der NGG-Region Aachen vor dem Werkstor, auf dem unübersehbar das Plakat „Heute Warnstreik“ prangte.

Forderung heruntergeschraubt

Die NGG ist von ihrer ursprünglichen Forderung, die eine Tariferhöhung von 5,5 Prozent vorsah, inzwischen abgekommen und bietet den Arbeitgebern einen Abschluss mit einem Einkommensanstieg von 3,5 Prozent für die Beschäftigten der Zuckerindustrie an. Das Angebot der Arbeitgeber einer Tariferhöhung von 2,2 Prozent halten die Gewerkschaft und ihre Mitgliedern nicht für tragbar. „Vor dem Komma muss eine 3 stehen“, war über die Lautsprecheranlage der Kundgebung am Werkstor zu hören. Die Arbeitgeber jammerten „auf hohem Niveau“.

Eine weitere Forderung der Gewerkschaft NGG bezieht sich auf die Altersfreizeit, die im Manteltarifvertrag seit vielen Jahren für die alten Bundesländer geregelt ist, nach mehr als zwei Jahrzehnten Wiedervereinigung endlich auch in den ostdeutschen Bundesländern angewendet werden soll.

Gekommen waren am Donnerstag nicht nur Beschäftigte von Pfeifer & Langen in Jülich, die von 8.30 Uhr an stetig zur Kundgebung strömte und sich eine der orangen Warnstreik-Westen überstreifte, sondern auch Abordnungen der übrigen Standorte des Pfeifer & Langen-Konzerns in Deutschland wie Elsdorf, Euskirchen, Appeldorn, Könnern, Lage und der Hauptverwaltung in Köln.

Da ein Warnstreik auch hungrig und durstig macht, hielten Helfer an einem Stand belegte Brötchen und Kannen voller Kaffee bereit. „Es wird alles dafür getan, damit Ihr Euch hier wohlfühlt“, rief Peter Mogga seinen Kolleginnen und Kollegen zu.

Polizei schützt Demonstrationszug

Während sich das Polizeiaufgebot, das die Kundgebung begleitete, zunächst auf die Beobachterrolle beschränken konnte, traten die Ordnungshüter mit ihren Einsatzwagen in Aktion, als sich die Streikenden zu einem Demonstrationszug formiert hatten und Richtung Jülicher Innenstadt marschierten. Mit Fahnen, Transparenten und großem Getöse, das von den mitgeführten Fanfaren herrührte, drehten die Gewerkschafter eine Runde durch die Innenstadt.

„Unser Ziel ist ein gutes Ergebnis“, wurden mit über Lautsprecher verbreiteten Parolen die erstaunten Passanten über das Anliegen der Demons-tranten informiert. Der kleine Demonstrationszug streute übrigens ein wenig Sand in den innerstädtischen Verkehr, der sich hinter dem von der Polizei gesicherten bunten Pulk staute.

Das war beinahe schon die einzige Aufregung, die mit Warnstreik und Demo verbunden war, die in den Mittagsstunden zu Ende ging. Heute blicken die Beschäftigten der Zuckerindustrie dagegen nach Köln, wo sich Arbeitsgeber und Gewerkschaft NGG zur dritten Verhandlungsrunde zusammenfinden.

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