Zollkontrolle: Auf der Suche nach Schwarzarbeitern

Von: Jörg Abels
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Noch vor Ort überprüfen die Zöllner die Angaben der Angestellten auf den Erfassungsbögen auf Plausibilität. Foto: Abels

Düren. Zollbeamte im mobilen Einsatz in Düren – gut 35 Kilometer von der Grenze zu den Niederlanden und Belgien entfernt!? Thomas Müller und sein Kollege Alexander Lennartz sind nicht auf der Jagd nach Schmugglern, sondern nach illegal Beschäftigten und Leistungsbetrügern. Die Beamten gehören zur Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Hauptzollamts Aachen, die an diesem Tag mit zwei Teams zu einer regionalen Schwerpunktprüfung in die Kreise Düren und Heinsberg ausgerückt ist. Im Fokus steht das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Ein gutes Dutzend Hotels und Pensionen haben die Zöllner auf ihrer „Besuchsliste“ notiert. Sie werden begleitet von Hans Peter Becker von der Bezirksregierung Köln, der einen Blick auf den Arbeitsschutz vor Ort wirft.

Welche Häuser angefahren werden, haben die Zöllner im Vorfeld festgelegt. „Es sind vor allem Betriebe, die bislang noch nicht bei Schwerpunktkontrollen überprüft wurden“, erklärt Zollinspektor Müller, der mit seinen vier Kollegen aber auch spontan zusätzliche Kontrollen, sogenannte Initiativ-Prüfungen, in die Route einbaut. „Anonymen Hinweisen gehen wir in der Regel nur nach, wenn sie seriös fundiert sind“, erklärt der Beamte.

Und dann geht es los. Wo die Zöllner auftauchen, ist hektische Betriebsamkeit programmiert. Schon das Erscheinen der Beamten in ihren grünen Uniformen löst bei vielen Angestellten, aber auch bei so manchem Hotelbesitzer, irritierte Blicke und Aufklärungsbedarf aus. Mit dem Zoll hatten die Wenigsten bislang zu tun. „Es ist immer eine Stresssituation“, weiß Alexander Lennartz. „Ruhiges, besonnenes Auftreten hat für uns deshalb Priorität“, erklärt der Beamte, der allerdings keinen Zweifel daran lässt, dass er und seine Kollegen auch anders können, sollten sie das Gefühl haben, an der Nase herumgeführt zu werden. „Wir können auch direkt vor Ort ein Strafverfahren eröffnen“, klärt Lennartz auf.

Die Zöllner nehmen von jedem angetroffenen Mitarbeiter die Personalien auf, stellen Fragen zum Arbeitsverhältnis, werfen – wenn möglich – einen Blick auf Lohnabrechnungen, Meldebescheinigungen und Arbeitsgenehmigungen , kopieren Wochenarbeitspläne. Die Angaben werden auf Plausibilität geprüft, zum Teil aber auch in einen Erfassungsbogen zur späteren Auswertung im Büro eingetragen.

Zwölf Häuser suchen die Zöllner an diesem Tag auf – in Düren, Kreuzau und Langerwehe. Auffälligkeiten? Fehlanzeige! Auf den ersten Blick sind weder Schwarzarbeiter, noch illegal Beschäftigte unter den Kontrollierten. „Wir haben 32 Mitarbeiter angetroffen“, zieht Thomas Müller am Ende des Tages Bilanz.

Für das Team der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Aachener Zolls geht die Arbeit aber noch weiter. Die Angaben auf den Erfassungsbögen werden in den kommenden Tagen im Büro mit den Datensystemen der Rentenversicherung, des Arbeitsamtes und der Job-com abgeglichen. Dann erst entscheidet sich, ob die Zöllner wirklich kein Straf- und Bußgeldverfahren einleiten müssen.

Klar ist bislang nur eines: Eine Mitarbeiterin eines Dürener Hotels wird in den kommenden Tagen Post vom Hauptzollamt erhalten. Sie hat sich trotz Hinweis auf die Auskunftspflicht geweigert, alle Angaben wie gewünscht zu geben. Die Zöllner sprechen in einem solchen eher seltenen Fall von einer „Mitwirkungspflichtverletzung“, die mit einem Bußgeld geahndet wird.

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