Zitadellen-Schüler sprühen vor Spielfreude

Von: ptj
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Höhen und Tiefen des Lebens: Emily Webb (Anne Papenfuß) und George Gibbs (Konrad Blanc) geben sich das Ja-Wort. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Ach, Welt, du bist so wunderbar, dass keiner dich erkennt.“ Sehnsüchtig blickt Emily Gibbs, geborene Webb, nach ihrem Tod zurück auf die Welt. Emily (Anne Papenfuß) ist eine der Protagonisten im epischen Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ von Thornton Wilder.

Mit viel Spielfreude brachte der Literaturkurs der Q1 des Gymnasiums Zitadelle, geleitet von Pedro Obiera, den Dreiakter auf die Bühne der Stadthalle. Die kleinen Tragödien des Alltags sind eigentlich Thema der Handlung, die in Grover‘s Corner in New Hampshire spielt.

Die Spielleiter Amelie Thouet und Nick Elsen führen durch das Stück, beschreiben die Stadt, nennen zum exakten Datum die genaue Uhrzeit, stellen die Figuren vor, begleiten spannungszeugende Vorgriffe und Rückblenden und greifen sogar aktiv in die Handlung ein. Für den Zuschauer vermischen sich Vergangenheit und Zukunft, wenn etwa mit der Vorstellung von Dr. Gibbs (Philipp Müller) sogleich sein Todesdatum genannt wird.

Der erste Akt behandelt das tägliche Leben und spielt im Mai 1901. Es gibt wenige Kulissen, die Requisiten sind ebenso rar. Lebendigkeit entsteht durch die Dialoge und Gestik der Akteure. So erscheint Sophie Newsome (Ramona Keusgen) stets mit ihrem unsichtbaren Pferd, das gestreichelt oder gerügt wird, liefert ihre unsichtbaren Milchflaschen aus und unterhält sich mit dem Arzt Gibbs oder Constable Warren (Jan Ruszkowski).

Die Entwicklung des Wetters ist hier ein beliebtes Thema. Links auf der Bühne bereitet Mrs. Gibbs (Isabel Steffens) das Frühstück für ihre Familie vor, rechts Mrs. Webb (Aylin Akkaya). Alle handeln nach den Konventionen einer amerikanischen Kleinstadt zu dieser Zeit, erkennbar ist aber die Sehnsucht nach Individualität. Größere Pro-bleme, wie die Alkoholsucht des Chorleiters Simon Stimson (Tim Geier), werden unter den Teppich gekehrt.

Mehr als eine nette Romanze

Der zweite Akt spielt im Juli 1904, die Hochzeitsvorbereitungen zwischen den befreundeten Nachbarskindern Emily Webb und George Gibbs (Konrad Blanc) laufen, verbunden mit Erinnerungen der Brauteltern an ihre eigene Hochzeit und Fragen nach dem Sinn, der aber klar bleibt: Der Mensch ist dazu geschaffen, zu zweit durchs Leben zu gehen.

Wie es überhaupt zu der Hochzeit kam, klärt eine Rückblende zwischen Emily und George, die Jahre zuvor in einem eher schlicht gehaltenen Dialog erkennen, dass sie füreinander bestimmt sind. Als Höhepunkt der Szene geben sie sich das Jawort – nach vielen Tränen der Brauteltern und der Bewältigung eigener Ängste. Bis dahin wäre das Stück eine nette Romanze gewesen.

Aber im dritten Akt stirbt Emily im Sommer 1913 bei der Geburt ihres zweiten Kindes. Der Tod gehört in der Handlung ganz selbstverständlich dazu, gleichzeitig wird der Sinn des Lebens interpretiert. Während die bereits länger Verstorbenen wie Mrs. Gibbs oder Simon Stimson weiß geschminkt auf der Bühne präsent bleiben, betrauern die Angehörigen Emilys Tod.

Die junge Verstorbene will zumindest für einen Tag ins Leben zurückkehren und wählt ihren 12. Geburtstag. Jetzt erkennt sie schmerzhaft, dass die Menschen ihr Leben blind und unbewusst an sich vorbeirauschen lassen und sie nicht eingreifen kann. „Lebende verstehen nicht, oder?“ fragt sie ihre verstorbene Schwiegermutter und kehrt ins Reich der Toten zurück.

Das Schlusswort als Totenwächter sprach Pedro Obiera, der sich in den Stücken seiner Literaturkurse immer eine winzige Nebenrolle einbaut. Das begeisterte Publikum, das sich nicht zuletzt wegen der unfreiwilligen Komik der Handlung köstlich amüsierte, spendete allen Akteuren langanhaltenden Applaus.

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