Jülich - Zitadellen-Schüler setzen Kafka-Stück beeindruckend um

Zitadellen-Schüler setzen Kafka-Stück beeindruckend um

Von: ptj
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Die Frauen spielen eine besondere Rolle im Stück: Für beide Identitäten des Josef K. (vorne Laurenz Jansen)) verkörpern sie sowohl den erotisierenden als auch den Helfer-Part. Foto: Jagodzinska

Jülich. Rund 30 mutige und überzeugende Schauspieler warfen ihr Publikum in der Jülicher Stadthalle unvermittelt in eine beklemmende Handlung hinein. Zur Eröffnung des Theaterfestivals des Gymnasiums Zitadelle wurde der Kafka-Klassiker „Der Prozess“ aufgeführt, den die beiden Literaturkurse Q1 unter Leitung von Jana Peltzer und Ugur Ekener ausgewählt hatten.

Als Kulisse dienten versetzt platzierte und mit Zeitungsausschnitten beklebte Stellwände und gestapelte rote Schuhkartons im Bühnenhintergrund, die immer wieder von ominösen maskierten Personen bewegt wurden.

Warum diese Wahl? Das Stück war „Bestandteil des Abiturs. Der Vorschlag kam einfach und wurde angenommen“, antworteten Nour Farhat und Romy Leipertz. „Wir haben auch viel Eigenes reingebracht“, setzten sie nach. Als Beispiel nannten sie die Rolle der Erzählerin (Sophie Schütz) beim Maler Titorelli (Ferdinando Riccio). Letzterer ist eine Mittlerfigur zwischen dem Protagonisten „Josef K“ und dem Gericht.

Worum geht es? Bankprokurist Josef K. wird am Morgen seines 30. Geburtstages verhaftet, ohne Anklage und unschuldig, wie er immer wieder beteuert. Trotz der Festnahme darf er sich frei bewegen und seiner Arbeit nachgehen.

Verwirrend wirkten zunächst die beiden Identitäten der Zentralfigur. Das selbstbewusste und in der ersten Halbzeit dominierende Ich des Protagonisten spielte Mika Manecke. Das zweifelnde, vereinsamte, gehetzte Ich, das in der zweiten Hälfte im Mittelpunkt stand, verkörperte Laurenz Jansen. Beide Identitäten wurden schließlich nebeneinander archaisch hingerichtet.

Josef K. kämpft gegen ein nicht greifbares Gericht einer surrealen Bürokratie mit undurchsichtigen Personen. Darunter Wächter, Aufseher, Prügler und Henker, allesamt reflektionslose Pflichterfüller mit emotionsarmer Sprache. Der stete Wechsel zwischen Indikativ und Konjunktiv sorgt in der Handlung für weitere Verwirrung. Innerhalb eines Jahres fällt der Protagonist von der sozialen Leiter bis ganz nach unten.

Während Josef K. immer tiefer in das groteske Labyrinth des Gerichtes eindringt, wird auch er zunehmend von der Gerichtswelt durchdrungen. Sätze wie: „Das Gericht ist überall“, „Man ist nie ganz frei“ und „Das Verfahren geht allmählich ins Urteil über“, lassen den Zuschauer wissen, dass die Schlinge sich langsam zuzieht.

K. und die Frauen

Eine besondere Rolle spielen die vielen Frauen, die laut Josef K. „eine große Macht haben“. Sie verkörpern sowohl den erotisierenden als auch den Helfer-Part, während die männlichen Charaktere dem Protagonisten Zugang zum obersten Gericht verschaffen könnten – wozu es aber nie kommt.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die Zweideutigkeiten im Verhalten und im (Un)Schuldbewusstsein der Zentralfigur. Gerne ließen sich die Gäste in der voll besetzten Stadthalle auf das „kleine Bühnenabenteuer“ ein, mehr noch. Begeistert klatschten sie nach jeder Szene und spendeten abschließend donnernden Applaus.

Die nächste Produktion im Theaterfestival des Gymnasiums Zitadelle ist „Die drei Eisheiligen“ am 20. und 21. Juni, jeweils ab 19.30 Uhr.

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