Zitadellen-Jazznacht präsentiert Festival voller Glanzpunkte

Von: Kr.
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Piotr und Greg Torunski erzeugten mit Bassklarinette und Saxofon in der „Jazzkapelle“ ein tolles Feeling. Foto: Król
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Jeff Cascaro und seine Band heizten dem Publkum mächtig ein Foto: Król

Jülich. Die pure Lust an der Musik und am Jazz stand bei der 18. Jülicher Zitadellen-Jazznacht ganz oben an. Der Jülicher Jazzclub hatte sich wieder mächtig ins Zeug gelegt und eine ebenso feine wie hochkarätige Mischung aus den verschiedensten Stilrichtungen zusammengestellt.

Zum Auftakt traf schwarzer Jazz auf Jülicher Geschichte. Die „Friends Of Dixieland“ untermalten musikalisch, den Rundgang durch die Zitadelle, bei dem Museumsleiter Marcell Perse Interessantes und Hintergründiges erzählt hatte. Die Band sorgte vom Start weg für das richtige Feeling und stimmte so auf die Nacht ein.

Für das Joscho Stephan Quartett war der Auftritt im Pädagogischen Zentrum ein gefeiertes Heimspiel. Er war schon bei der dritten Jazznacht mit von der Partie. Was der Gitarrenvirtuose seinem Instrument entlockte, grenzte manchmal an Zauberei. Seine Finger flogen in atemberaubender Sicherheit über die Saiten, und er entfachte ein berauschendes Klangfeuerwerk. Der 33-jährige Ausnahmegitarrist aus Mönchengladbach schlug seine Zuhörer schon mit den ersten Akkorden in seinen Bann und nahm sie mit auf eine wunderbare Reise rund um den Gypsy Swing.

Ob Duke Ellingtons „Caravan“ oder Wolfgang Amadeus Mozarts „Rondo alla Turca“ – Joscho Stephan und seine Mitstreiter Günter Stephan, Sebastian Reimann und Volker Kamp schlugen die Zuhörer in ihren Bann und sorgten schon zum Einstieg für einen absoluten Höhepunkt des Abends. „Dass ich in Jülich zu Beginn meiner Karriere spielen durfte, hab‘ ich nicht vergessen. Ich komme immer wieder gerne hierher zurück“, bekannte der Saitenzauberer im PZ.

In den letzten Jahren haben die Brüder Greg und Piotr Torunski in der polnischen, deutschen und niederländischen Jazz-Szene große Erfolge gefeiert. Ihren Ruf als talentierte und vielseitige Musiker wurden beide auf dem Festival voll und ganz gerecht. In der Schlosskapelle breitete sich der ausgezeichnete Sound des phänomenalen Duos mit Saxofon und Bassklarinette aus. Voller Phantasie und technisch perfekt war ihr musikalisches Zwiegespräch der Instrumente. „Das machen wir schon seit unserem sechsten Lebensjahr so. Wir haben, angeleitet durch unseren Vater, der ebenfalls Jazzmusiker ist, mit Klavier angefangen und immer vierhändig gespielt“, erzählten sie. Von „Happy“ bis „Take Five“ spannten sie ihren jazzigen Bogen.

Nach den etwas ruhigeren Tönen der „Torunski Brothers“ ging es energiegeladen mit der Combo „superfro“ weiter. Inspiriert von einer spontanen Straßenmusik-Tour durch Südfrankreich stand Pate, und superfros acoustic house jazz war geboren. Es ist ein Mix aus jazzigen Harmonien, Dancefloor-Beats mit Latin Flavour. Ihr quirliger lebendiger Sound geht in die Beine. Aus ihrem aktuellen Album „down & up“ gab selbstverständlich auch einige Kostproben.

Facettenreiche Stimme

Mit Jeff Cascaro und seiner Band hielt der Soul Einzug bei der Jazznacht. Der 45-jährigen Sänger, Songwriter und Trompeter singt, seit er denken kann. Er überraschte im PZ mit seiner facettenreichen und sonoren Stimme, die an Bill Withers erinnerte und mal rau, mal weich, aber immer mit Tiefgang daherkam. Er ist sowohl in Jazz, Soul oder Blues zu Hause und braucht einen Vergleich mit den „Gottvätern“ des Souls wie Curtis Mayfield oder Marvin Gaye nicht zu scheuen. Im PZ mischte er das Publikum mit einem Groove, der unter die Haut ging, mächtig auf. Die meisten Titel für seinen aktuellen Album „The Other Man“ stellte er in Jülich vor. Als seine langjährigen Weggefährten stellte er in Jülich Bruno Müller (git), Ulf Kleiner (p), Markus Kanzler (b) und Flo Dauner (dr) vor.

Den Schlusspunkt der abwechslungsreichen Jazznacht setzten François de Ribaupierre und Rupert Stamm in der Schlosskapelle. Die warmen Töne der Klarinette wurden von den transparenten Klängen des Vibraphons umspielt und mündeten in ein raffiniertes Klanggewebe. Ihre musikalischen Erzählungen ließen viel Raum für Improvisationen und so schwebten Töne in der Kapelle, die sich zu Spannungen aufbauten und wieder zerflossen. Es waren gerade die leisen Töne, die zu einer meditativen Reise einluden.

Die Veranstalter der Jazznacht durften mit ihrem kleinen Festival, das abwechslungsreich und spannend zugleich war, zufrieden sein, obwohl es bei dieser Klasse mehr Zuschauer verdient hatte.

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