Jülich - Zitadelle zieht zum „Tag des offenen Denkmals“ viele Besucher an

Zitadelle zieht zum „Tag des offenen Denkmals“ viele Besucher an

Von: ptj
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Dr. Christoph Fischer in Gestalt von Herzog Wilhelm V. und Evelyn Wirtz in der Haut seiner Schwester Anna von Kleve führen viele Interessierte durch die Zitadelle Foto: Jagodzinska
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Seltene Einblicke werden einer Besuchergruppe in den Kasematten zuteil. Foto: Jagodzinska

Jülich. Viele erkundeten am „Tag des offenen Denkmals“ Burg- und Festungsanlagen im Jülicher Land und nahmen an Museums- und Stadtführungen teil. Das größte Denkmal im Nordkreis ist mit seinen 90.000 Quadratmetern die Festung Jülich, zu der bis zur Statusaufhebung 1860 Zitadelle und Stadt zählten.

Solcherlei Informationen erhielten die Gäste etwa bei der Kostümführung mit Dr. Christoph Fischer in Gestalt von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und seiner Schwester Evelyn Wirtz alias Anna von Kleve, vierte Ehefrau des englischen Königs Heinrich XIII.

Letztere, die lebenslang den Titel „königliche Schwester“ tragen durfte, kam anlässlich des 500. Geburtstags ihres Bruders aus England auf „Stippvisite“ nach Jülich und betonte augenzwinkernd: „Ich habe die Ehe mit dem Frauenmörder wenigstens überlebt“. Denn die 1540 geschlossene Ehe wurde ein halbes Jahr später aufgelöst.

Krieg und Frieden

Das Duo in historischer Gewandung hatte seine Führung in militärische und zivile Aspekte aufgeteilt. Im ersten Teil ging es um Krieg und Frieden und die Auseinandersetzung mit Kaiser Karl V. um das Herzogtum Geldern, in dessen Folge sich Wilhelm V. von seiner französischen Frau Johanna von Navarra scheiden lassen und auf Geldern verzichten musste.

Nun baute er als „Zweiter Gründer der Stadt Jülich“ durch Alessandro Pasqualini die damals hochmoderne und vor allem bis zum 17. Jahrhundert „uneinnehmbare Festung“ mit „32 bis 42 Metern starken Wällen, einer viereinhalb Meter starken Ziegelmauer und einzelnen Kammern, die mit Erde gefüllt wurden“. Fischer klärte auf über Bastionen (Schützplattformen) oder über das System der Vorfeldverteidigung durch Kanonenhöfe auf den Flanken. Über die Einnahme der Festung Jülich als strategisch wichtigem Knotenpunkt schrieben 1610 sogar italienische Zeitungen.

Bis zum Ende seiner Führung hatte sich das adlige Geschwisterpaar den Renaissancegarten mit Blick auf das Schloss vorbehalten, das „den Geist der Renaissance atmet“, eine „Wiedergeburt antiker Ideen und Bautraditionen“. Währenddessen führte Marcell Perse eine Besuchergruppe durch die Sonderausstellung „Der reiche Herzog“ im Museumskeller. „Kasematten“-Liebhaber kamen in den Genuss neuer Einblicke.

Eine Woche Strafarrest

Josef Vahsen leitete durch diese „geschützten Stellungen“ im Innern der Bastionen, nachdem er seinen vielen Zuhörern zunächst von der Bastion Johannes aus einen Ausblick über einen Teil der Festungsanlage und die Stadt ermöglicht hatte. Dort ließ er wie vor jeder Führung ein Trompetensignal erklingen. „Soldaten, die bis zum Signal nicht drinnen waren, hatten eine Woche Strafarrest, da, wo wir jetzt hingehen“, sagte er.

Er startete seine Tour im Torwächterhaus im Südtor und führte unter anderem durch die Kasematten unter der südöstlich gelegenen Bastion Wilhelmus durch Horchgänge und Kanonenhöfe bis hin zur Bastion „Maria Anna“ an der nordöstlichen Ecke der Zitadelle. „Nach jedem Tief gibt es auch wieder ein Hoch“, ermunterte er die Teilnehmer, die mit wenigen Taschenlampen über Wendeltreppen und durch schmale, dunkle und niedrige Gänge wandelten.

Ein Pendant zum „offenen Denkmal in der Zitadelle“ gab es auf dem Marktplatz, in Gestalt einer Führung auf den Turm der Propsteikirche und eines separaten Infostandes mit begleitenden Führungen durch den Förderverein „Festung Zitadelle Jülich“. Nach der seit 1993 bestehenden Denkmalbereichssatzung kämpft der Verein für eine weitergehende „Denkmalbereichspflegesatzung“, wie der zweite Vorsitzende Walter Maßmann und Schriftführerin Mariele Egberts darlegten.

„Uns geht es auch um den Stadtbereich mit seiner Blockbebauung. Wir wollen erreichen, dass das, was wir jetzt haben, nicht durch Umbauten verändert wird, die völlig aus dem Rahmen fallen“. Die Bürger von Jülich sollen sich „mit der Idealstadtanlage identifizieren“. Der Wert dieser Stadtanlage wird am besten durch die Tatsache verdeutlicht, dass die „idealste Stadtanlage auf der ganzen Welt“, nämlich die 1593 in Palmanova/Italien, nach Jülicher Vorbild gebaut wurde, wie Maßmann anhand eines italienischen Jubiläumsflyers unter Beweis stellte.

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