Zitadelle Jülich: Archäologen wollen tiefer graben

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
8699546.jpg
Ausgegraben: In Mitten der eckigen Grundmauern des Badhauses aus dem späten 19. Jahrhundert befindet sich die runde Zisternenanlage aus der Bauzeit der Zitadelle. Foto: Guido Jansen

Jülich. Angetreten war das Ausgrabungsteam im Frühjahr, um herauszufinden, warum die Kellerwände der Jülicher Zitadelle feucht sind. Schon nach den ersten Baggerschaufel-Stichen war klar, dass das Erdreich viel mehr Geschichten zu erzählen hat als die der feuchten Wände.

„Das ist uns damals schlagartig klar geworden“, sagt Leo Mülheims vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. „Der Innenbereich der Zitadelle ist vom Krieg verschont geblieben. Da war es doch logisch, dass da jede Menge alte Struktur zu finden sein muss.“ Jede Menge, tatsächlich.

So viel, dass die Archäologen sich jetzt entschlossen haben, die vielen alten Gemäuer im kommenden Jahr noch einmal gründlich zu dokumentieren, um sie dann abzureißen. „Wir graben noch tiefer“, sagt Guido von Büren vom Museum Jülich. Denn unter dem jetzt schon freigelegten Gemäuer haben die Experten mit Probegrabungen Dinge gefunden, die aus der Zeit vor dem Bau der Zitadelle stammen.

Unter anderem einen Pfeiler, der zu einem Gebäude gehören könnte, Tonscherben, und Grabenstrukturen. „Pasqualini hat die Zitadelle außerhalb der alten Stadtmauern geplant“, sagt von Büren. Da, wo seit dem 16. Jahrhundert die mächtige Festung steht, sei vorher eine Art Gartenlandschaft gewesen, vermutlich mit einigen Gehöften. Was genau war, bevor die Zitadelle errichtet wurde – das wollen die Archäologen klären, wenn sie in den kommenden Oster- und Sommerferien weiter graben.

Für die in den vergangenen Monaten gemachten Funde bedeutet das nicht, das sie für immer verschwinden. Denkbar sei laut Mülheims und von Büren, dass entweder das rechteckige preußische Badhaus aus dem späten 19. Jahrhundert, oder die jüngst freigelegte, darin befindliche runde Zisterne aus der Entstehungszeit der Zitadelle oder aber beides wieder errichtet werden, wenn die Ausgrabungen abgeschlossen sind.

Auch das Pflaster aus napoleonischer Zeit, das in einer Kreisstruktur auf dem Innenhof verlegt worden war, könnte später wieder hergerichtet werden. Wie der Innenhof aussieht, wenn alles untersucht und erforscht ist, hängt nicht zuletzt von der Höhe der Fördergelder ab, die das Bauministerium im kommenden Jahr für den Innenhof bereitstellen will. Eines sei laut Mülheims und von Büren jetzt schon sicher: Eine Lösung, bei der der Innenhof einfach zubetoniert wird, kommt nicht in Frage.

Zumindest eine kleine Lösung mit dem Wiederaufbau eines Teils der Funde sei realistisch. „Die Jülicher Zitadelle ist ein hochrangiges Baudenkmal in NRW“, sagte Mülheims. Zu wichtig, um einfach alles zuzuschütten. Da sind sich das Land NRW als Eigentümerin, die Bezirksregierung als Verwalter und das Jülicher Museum als „Kümmerer“ vor Ort einig. Dass die NRW-Fördermittel für die Zitadelle grundsätzlich wegen der Haushaltssperre gestrichen werden, ist unwahrscheinlich. Schließlich haben die Archäologen in der Zitadelle schon gegraben, bevor die Sperre rechtskräftig wurde.

Für dieses Jahr ist Schluss mit den Ausgrabungen, die bisher etwa 60.000 Euro gekostet haben. Die nächste Etappe steht in den Osterferien an. Die Antwort auf die ursprüngliche Frage nach den feuchten Kellerwänden ist im Prinzip einfach, lag aber ebenfalls tief unter der Grasnarbe. „Pasqualini wusste offenbar, dass er mit der Zitadelle viel Dachfläche hatte, von der Regenwasser abläuft“, sagt von Büren.

Früher habe das bestens funktioniert, weil der Hof nach Innen zur Zisterne hin abschüssig war. Das Wasser sei in das Auffangbecken und von dort über ein kleines Kanalsystem mit zwei Speichern im Südkeller in den Graben geflossen. Weil der Innenhof nach dem Zweiten Weltkrieg mit Trümmern aufgeschüttet wurde, funktionierte dieser Ablauf nicht mehr. Stattdessen sickerte das Wasser an den Kellerwänden herunter.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert