„Wutbauer Willi“ wirbt um Verständnis für die Landwirtschaft

Von: Kr.
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Billige Knollen: Laut Dr. Willi Kremer-Schillings erhält ein Landwirt für ein Kilogramm Kartoffeln mitunter nur noch einen Cent. Foto: dpa
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Buchvorstellung an alter Wirkungsstätte: Dr. Willi Kremer-Schillings in Jülich. Foto: Król

Jülich. Als Schriftsteller hat sich Dr. Willi Kremer-Schillings eigentlich nie gesehen. 25 Jahre lang hat er für Pfeifer & Langen gearbeitet, zuletzt als Leiter Landwirtschaft in der Jülicher Zuckerfabrik. Dass er 2015 innerhalb von zehn Wochen ein Buch verfasste, ist eher dem Zufall zu verdanken.

Dabei wendet er sich dem Metier zu, von dem er am meisten versteht. Seit 61 Jahren ist er Zeit seines Lebens mit Leib und Seele Landwirt und bewirtschaftet einen 40 Hektar großen Hof bei Rommerskirchen. Seit vielen Generationen ist dieser Betrieb im Familienbesitz. Von frühester Jugend an war er in die Arbeiten mit eingebunden und so war es für ihn klar, dass er ihn auch weiterführen würde. Er studierte Landwirtschaft, promovierte und mit Hilfe eines Nachbarn, mit dem er eine Kooperation eingegangen war, führte er diesen Hof im Nebenerwerb. Zurzeit befindet er sich im passiven Teil der Altersteilzeit.

Kremer-Schillings kennt also die Landwirtschaft aus verschiedenen Blickwinkeln. Irgendwann platzte ihm der Kragen: Seine Karriere als Autor begann praktisch mit einem Brief, überschrieben mit der Anrede „Lieber Nachbar“, den er ins Internet stellte und in dem er sich an alle Mitmenschen wandte, die aufs Land ziehen, um dessen Vorzüge zu genießen, die Landwirtschaft aber eher als Belästigung empfinden. Er versuchte darin, ihnen den Beruf des Landwirtes näherzubringen.

Der Brief wurde im Netz ein großer Erfolg, doch sein Wutbrief „Lieber Verbraucher“, in dem er die Kluft zwischen Verbraucher und Landwirt aufdeckt, übertraf alle Erwartungen. 330.000 Mal wurde er angeklickt. Und so kam es, wie es kommen musste: Willi Kremer-Schillings ist seither häufiger Gast im Fernsehen und der Piper Verlag fragte an, ob er ein Buch schreiben wolle. Seit Mitte vergangenen Jahres liegt es auf dem Tisch und Kremer-Schillings hat seinem Herzen darin mächtig Luft gemacht. Dies wird schon am Titel „Sauerei! Bauer Willi über billiges Essen und unsere Macht als Verbraucher“ deutlich. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, lässt keinen Lebensmittelskandal und keine Schlagzeile aus, die sich gegen die Bauern und die moderne Landwirtschaft richten.

„Billig“ ist das Schlagwort, an dem er all dies festmacht, denn billig will es der Verbraucher. „Wie kann es angehen, dass ein Bauer mitunter für ein Kilo Kartoffeln sage und schreibe 0,01 Euro erhält? Dahinter steckt ein halbes Jahr Feldarbeit. Warum kauft der Verbraucher im Dezember Tomaten und lässt meine Karotten im Regal? Dabei reden alle von regionalen Produkten, Qualität und Nachhaltigkeit, aber bitte billig. Du hast keine Ahnung und davon ganz viel“, sagt der Autor.

Dabei ist er ganz gewiss kein Weltverbesserer und von seinem Buch verspricht er sich lediglich, dass der Verbraucher mehr Toleranz für die Landwirtschaft aufbringe. „Ob der Mensch sich ändert, interessiert mich nicht. Wenn er mein Buch gelesen hat, weiß er aber mehr“, erklärt Kremer-Schillings am Rande seiner Buchvorstellung in der Buchhandlung Fischer.

Es ist die einzige Lesung, die der Autor plant, rein nostalgische Gründe führten ihn an seine ehemalige Wirkungsstätte. Neben etlichen Landwirten aus der Region waren dazu auch ehemalige Kollegen gekommen.

Kremer-Schillings gab einen Überblick über sein Buch, in dem die Landwirtschaft als Unternehmen vorgestellt wird und Themen wie Gentechnik, Massentierhaltung, Subventionen oder der Umgang mit Spritz- und Düngemittel zur Sprache kommen.

Der Blick nach vorne durfte ebenfalls nicht fehlen und gleichzeitig ein Appell an die Verbraucher, denn der ist es letztendlich, der im Supermarkt mit seinem Kassenzettel abstimmt.

„Mein Buch ist ein Versuch, eine Lücke zu schließen und Verbraucher und Bauern in einen Dialog zu bringen. Wir Landwirte haben es verdient, mehr gehört zu werden“, sagte er. Im Anschluss blieb noch reichlich Zeit für eine lebhafte Diskussion zwischen Zuhörern und Autor.

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