Würdiger Abschluss der Gedenkfeiern

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Dirigent Kerry Jago (l.) führte Chor und Orchester in der Propsteikirche souverän durch die Aufführung von Mozarts Requiem. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Die Worte des Bürgermeisters Heinrich Stommel bezeichneten das Konzert in der Propsteikirche als musikalischen Schlusspunkt der Feierlichkeiten an die Zerstörung Jülichs vor 70 Jahren. Die Elemente des Gedenkens, der Erinnerung und der Mahnung fanden in der tiefbewegenden musikalischen Klangsprache Ausdruck.

Der Gedenktag fand so einen würdigen Ausklang. Auch Kerry Jago, der die musikalische Gesamtleitung hatte, fand Worte des Gedenkens und der Versöhnung. Seine Mahnung, die Schrecken des Krieges nie zu vergessen, die Trauer zu teilen und daraus die Lektion zu ziehen, dass eine Barbarei keine weitere Barbarei rechtfertigt, wurde eindringlich vermittelt.

Pastor Dr. Peter Jöcken betonte in seiner Ansprache, dass nur Gemeinschaft und Miteinander die Zukunft sein können. Viele Bürger lauschten in der überfüllten Propsteikirche dem Musikvortrag, zu dem sich der Overbacher Kammerchor, Mitglieder des Collegium Musicum und Mitglieder des Overbacher Kammerorchesters zusammengeschlossen hatten.

Mit der Trauermotette für Chor nach den Klageliedern Jeremiae „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger wurde die Gedenkstunde eröffnet. Dieses Werk wurde nach der Zerstörung Dresdens komponiert und in der zerstörten Kreuzkirche 1945 uraufgeführt.

Die Texte der Lieder aus dem Alten Testament beklagen die Zerstörung Jerusalems und symbolisieren die Zerstörung des Krieges, die Wehklagen und Bitten des Volkes zu Gott.

In den letzten Jahren seines Lebens wandte sich Mozart besonders der Kirchenmusik zu. Sein Requiem, ein Auftragswerk, blieb von ihm durch seinen frühen Tod unvollendet. Es wurde später von seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr nach seinen Fragmenten vollendet.

Die Vokalsolisten, ein vierstimmiger Chor und ein kleines klassisches Orchester ermöglichen besonders durch die sparsame Instrumentation eine stark abgedunkelte, aber transparente Tonsprache. Dadurch wird eine ernste, fast düstere Grundstimmung erreicht.

Kerry Jago gelang mit seinen Ensembles eine differenzierte, fein abgestufte Interpretation. Die Musik und der Inhalt der Texte bildeten eine Einheit, bei der Trauer, aber auch Hoffnung Ausdruck fanden. Aus tiefster Traurigkeit erwächst in der Hoffnung und Gewissheit des Glaubens, dass Gottes Hand uns lenkt und hält.

Harmonischer Zusammenklang

Judith Mohr(Sopran), Lidewij Taat (Alt), Udo Glasmacher (Tenor) und Johannes Nilges (Bass) übernahmen die Solopartien und agierten in harmonisch im Zusammenklang mit Chor und Orchester.

Die Musiker des Orchesters boten ein großartiges Klangbild und arbeiteten die Feinheiten der Komposition und die vorherrschende d-Moll Tonart, die oft ernsten, jenseitigen Dimensionen zugeordnet ist, sauber heraus. Die Bereiche der Dunkelheit, Emotion, Sterben und tiefen Gefühlen fanden sich in den Passagen, die in B-Tonarten geschrieben wurden.

Großes Lob gebührt den Bläsern, deren sauberes, einfühlsames Spiel die Aufführung maßgeblich prägte. Die angenehmen Stimmen der Solisten kamen besonders bei den Partien des Offertoriums zur Geltung. Kerry Jago führte Musiker und Sänger mit großer Sicherheit und Souveränität durch die Aufführung. Für die Chorarbeit und die Leistung des Kammerchores ist größte Anerkennung auszusprechen.

Das Publikum zeigte mit langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen seinen Respekt und seine Anerkennung für die Aufführenden, die mit dieser musikalischen Gedenkstunde der Stadt Jülich ein besonderes Geschenk bereiteten.

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