Wolfhard Horn: Eine Feierstunde ohne Lobhudeleien

Von: Christina Diels
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Nimmt Abschied nach fast 16 Jahren im Berufskolleg Jülich: Wolfhard Horn scheidet aus Altersgründen aus. Foto: Christina Diels

Jülich. Wenn der Schulleiter eines Berufskollegs aus dem Dienst scheidet, ist das Anlass für eine öffentliche Feierstunde. Nacheinander packen dann gewöhnlich mehr oder weniger prominente Persönlichkeiten aus der Region ihre Lobhudeleien aus. Dieses Ritual hat Wolfhard Horn (65) seinen Gästen erspart.

„Ich möchte nicht verabschiedet werden, sondern mochte mich verabschieden”, kündigt er schon in seiner Einladung an. Er betont jedoch, dass er sich über ein paar persönliche Zeilen sehr freuen würde. Nur eben keine persönlichen Worte zur öffentlichen Feier.

Und so nimmt der groß gewachsene Mann in einer gut einstündigen Rede im Berufskolleg Jülich aktiv Abschied. „Wer noch Anschlusstermine hat”, sagt er, „dem sei gesagt, dass er mit etwa anderthalb Stunden rechnen muss.” Rund 140 Gäste lauschen dem Schulleiter, der fast 16 Jahre das Berufskolleg Jülich leitete, wie er sich bei Kooperationspartner, Freunden, Sponsoren und Kollegen verabschiedete.

Besonders hebt Horn Schulsekretärin Maria Schenke hervor. „Ihr habe ich am meisten vertraut, und sie war mir in jeder Situation eine große Hilfe und feste Stütze”, sagt der Pädagoge. Statt in Jeans und Pulli, wie ihn die Schüler kennen, tritt er zur Feierstunde in Anzug und Schlips auf. Soviel Ritual muss dann doch sein.

Die Zuschauer lauschen Horns Worten aufmerksam und amüsieren sich über die musikalischen Einlagen der fünköpfigen A-Capella-Gruppe von Hajo Wiesemann, die die Rede auflockern.

Seine Rede hat Horn aufgeschrieben. Das Manuskript liegt vor ihm auf dem Pult. „Damit ich bei meinem Dank möglichst niemanden vergesse”, sagt er. Auch an seine letzte Klasse denkt er: „Sie machen mir den Abschied richtig schwer, weil Sie mir durch Ihr angenehmes Verhalten und Ihre Anstrengungen in meinem Unterricht ans Herz gewachsen sind”, sagt Horn. Mit der Lücke muss er sich abfinden.

Wolfhard Horn verlässt die Schule mit gemischten Gefühlen. Er sei nicht traurig, obwohl ihm schon etwas fehlen werde. Und er freue sich nicht wie andere Kollegen auf die Pensionierung, weil sie ihre Arbeit nicht mehr tragen könnten. Im Gegenteil. Es geht weiter.
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