Wolfgang Oelsner referiert in der Schlosskapelle über „Karneval und Tod“

Von: Kr.
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Ein ernstes Thema: „Karneval und Tod“. Doch Wolfgang Oelsner verstand es, dieses spannend und unterhaltsam zu vermitteln. Foto: Król

Jülich. „Karneval und Tod, geht das zusammen?“ „Ja, das geht“, sagt Wolfgang Oelsner und erklärte dies ausführlich bei einer Lesung, zu der die Hospizbewegung Düren-Jülich in die Schlosskapelle der Zitadelle eingeladen hatte. Er weiß, wovon er spricht.

Zum einen ist er begeisterter Karnevalist, er kennt aber auch als Kinder- und Jugendpsychotherapeut und langjähriger Leiter der Krankenhausschule an der Uniklinik Köln die andere Seite, Tod und Trauer.

„Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu einer Sitzung, wollen einen Abend lang nichts hören von Tod, Trauer und Sterben. Und dann kommt‘s. Auch in dem Karnevals-Hit, den sie gerade mitschmettern, bei dem Sie selig schunkeln, ist vom Tod die Rede“, wendet er sich an die zahlreichen Hospiz-Mitarbeiter und belegt dies auch gleich mit einigen Lieder.

Ob Bläck Fööss, Kasalla oder Willy Ostermann, sie alle machen den Tod inmitten der Fröhlichkeit zu ihrem Thema, holen ihn aus der Tabuzone heraus. Gleichzeitig klingt all dies im kölsche Dialekt und in der Gemeinsamkeit längst nicht so bedrohlich. Es sind Metaphern, die hier zum Einsatz kommen und dies praktizierten die Menschen bereits im Mittelalter. Der Narr war für sie das Synonym für Tod. Der Narr leugnete Gott und auch den Tod. Die Fantasien über ein Weiterleben haben eine tröstende Funktion. Wenn also bei Willy Ostermann der kölsche Jong am Himmelspöötzje steht, oder die Bläck Fööss von einem Leben nach dem Tode singen, hat dies etwas Tröstliches.

„Es ist die Sprache des Bauches, die hier spricht. Wer spricht oder singt und etwas benennt ist nicht mehr ohnmächtig. Deshalb rate ich auch den Erstsemstern, die im Rahmen ihres Medizinstudiums meine Vorlesungen zum Kompetenzfeld „Tod und Trauer“ besuchen: „Hören Sie zu. Hören sie auf die Sprache des Bauches.“

Zwar hat Hesse schon vom Abschied nehmen geschrieben: „Nimm Abschied Herz, gesunde“, doch wenn die Bläck Fööss singen: „Kriesch doch net, wenn et vorbei is“, finden viele Menschen einen besseren Zugang dazu. So hört man beispielsweise gerade bei Beerdigungen in Köln immer häufiger diese Lieder, erzählte er. „Man kann sterben nicht üben, aber Abschied nehmen. Immer ist die Entscheidung für etwas auch der Abschied von 100 anderen schönen Dingen. Abschied ist daher auch stets der Beginn von etwas Neuem“, erklärte Oelsner, „denn Trauer und Frohsinn, Lachen und Weinen liegen eng beieinander“.

Er erinnerte die Zuhörer an die Zeit nach dem Krieg, als Köln in Trümmern lag und die Menschen viel Kraft aus ihren Mundartliedern zogen, oft mehr als aus Kirchenliedern. Deshalb beendete er seine Ausführungen mit dem Satz: „Maat üch Freud, su lang et jeht, dat Levve duurt keen Iwigkeit. Darauf können sie jetzt Amen oder Alaaf antworten“.

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