Wolfgang Clement wird mit Preis für Zivilcourage ausgezeichnet

Von: Antonius Wolters
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Das abschließende Gruppenfoto in der Schlosskapelle der Zitadelle zeigt neben den Vertretern der gastgebenden Jülicher Gesellschaft die vielen Preisträger, die am Mittwoch ausgezeichnet worden sind. Foto: Wolters
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Vorsitzende Gabriele Spelthahn überreichte Wolfgang Clement den von Glaskünstlerin Marlene Schmitz gestalteten Preis für Zivilcourage, Solidarität und Toleranz der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz. Foto: Wolters

Jülich. Für die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz hat sich am Mittwoch ein Kreis geschlossen: Im 15. Jahr der Errichtung des Mahnmals zum Gedenken an die ermordeten Juden des Jülicher Landes ist dessen Schirmherr Wolfgang Clement der zehnte Träger des Preises für Zivilcourage, Solidarität und Toleranz, den die Jülicher Gesellschaft alljährlich am Holocaust-Gedenktag in einer Gedenk- und Feierstunde überreicht.

Vorsitzende Gabriele Spelthahn erinnerte in ihrer Begrüßung der vielen Gäste daran, dass der damalige Bundespräsident Roman Herzog vor 20 Jahren als Erster den 27. Januar, an dem das KZ Auschwitz befreit worden ist, als Gedenktag eingeführt hat.

„Wir müssen uns erinnern“

„Wir wollen, wir müssen uns erinnern, um aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen“, sagte Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs in seinem Grußwort, wobei er auch seine Empfindungen bei der Eröffnung des Mahnmals im Dezember 2001 auf dem Propst-Bechte-Platz wiedergab, wo es ganz bewusst den Menschen in den Weg gestellt worden sei. Fuchs dankte dem damaligen NRW-Ministerpräsidenten für sein anhaltendes Engagement und legte ein Bekenntnis ab: „Ich bin in Jülich nicht der einzige Fan von Ihnen“, sagte der Bürgermeister und zitierte eine von ihm besuchte Goldhochzeitsgesellschaft, die ebenfalls Gradlinigkeit und Ehrlichkeit des ehemaligen Spitzenpolitikers lobten und heute vermissten.

Mit Georg Wilhelm Adamowitsch war ein Laudator gewonnen worden, der den Politiker und Menschen Wolfgang Clement über viele Jahre aus nächster Nähe erlebt und zu schätzen gelernt hat. Er war unter dem Ministerpräsidenten Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei und später Staatssekretär des sogenannten „Superministers“ im Kabinett Schröder. Adamowitsch plauderte ausführlich aus dem Nähkästchen, als er etwa die Sitzung des NRW-Kabinetts im Jahr 2000 in Jülich beschrieb.

Das sei lange eine ziemlich müde Veranstaltung gewesen mit professoralen Fachvorträgen im Kernforschungszentrum. Beim Empfang und Mittagessen in der Zitadelle habe Gabrielle Spelthahn die Gelegenheit ergriffen, Clement die Schirmherrschaft für das Mahnmal anzutragen, die dieser zur allgemeinen Überraschung sogleich angenommen habe. So ging es eine Weile weiter, ehe Spelthahn im Kreise des Vorstandes zur Verleihung schritt und Clement den von Glaskünstlerin Marlene Schmitz gestalteten Preis für Zivilcourage, Solidarität und Toleranz überreichte.

„Sie haben mich mit der Ehrung schrecklich verlegen gemacht, die eher Sie ehrt als mich“, dankte der 75-Jährige artig und erinnerte daran, dass NRW als erstes Bundesland überhaupt einen Staatsvertrag mit der jüdischen Kultusgemeinde geschlossen habe, um diese angesichts des Zuzugs aus den ehemaligen Sowjetrepubliken zu unterstützen.

„Freiheit braucht auch Sicherheit“, rief Clement angesichts des wachsenden Bedrohungspotenzials dazu auf, wachsam zu sein, die Migranten möglichst schnell zu integrieren und nicht die Augen davor zu verschließen, wenn dem Staat das Gewaltmonopol streitig gemacht werde. „Wehret den Anfängen“, wünscht er sich hier Mut, Kraft und Zivilcourage – also Tugenden, für die sich die Jülicher Gesellschaft einsetzt und steht.

Neben der Auszeichnung von Wolfgang Clement hielt der Verein noch eine Reihe von Urkunden bereit, mit denen der Beitrag von Schülergruppen bei Veranstaltungen zum 77. Jahrestag der „Reichspogromnacht“ im Jülicher Land oder andere Aktivitäten gewürdigt werden sollten, die sich um die Aufarbeitung der Nazizeit verdient gemacht haben.

Im einzelnen waren das der Aldenhovener Pfarrer Charles Cervigne und seine 25-köpfige Konfirmandengruppe, das Künstlerpaar Monika und Rolf Müller aus Hasselsweiler mit einem Mal-Workshop zum Thema Holocaust/Shoah, die einige Bilder zu der Veranstaltung mitgebracht hatten, auf denen Unterschriften aller Beteiligten gesammelt wurden. Lehrer Marco Maria Emundts hatte mit Oberstufen-Schülern des Gymnasiums Haus Overbach das Projekt „Refugees welcome to Jülich“ initiiert, während MGJ-Lehrerin Klaudia Janta mit der Jahrgangsstufe Q2 ein Projekt zum Judentum bearbeitet hatte

Weitere Urkunden gingen an acht Schüler der Jülicher Hauptschule „Ruraue“ mit ihrem Lehrer Ralph Loevenich und Neuntklässler des Gymnasiums Haus Overbach mit Lehrerin Cordula Trauner, die sich im Kurs Religion mit jüdischem Leben in Jülich zur Nazizeit, Widerstand und Leben von Juden im Dritten Reich sowie mit Sophie Scholl beschäftigt haben. Rolf Sylvester nutzt die Offene Jugendarbeit in Titz, um die Erinnerung an das reiche jüdische Leben insbesondere in Hompesch, Müntz und Rödingen wachzuhalten.

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