Düren - „Wohlstand für alle“: Erhards Gedanken sind noch immer aktuell

„Wohlstand für alle“: Erhards Gedanken sind noch immer aktuell

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Die Vorstandsmitglieder der Mittelstandsvereinigung des Kreises Düren-Jülich Günther Schneider, Michael Hommelsheim, Robert Kindgen, Ingo Malsbenden, Rolf Delhougne, Thomas Labroier und Bernd Ohlemeyer (v.l.), zeigten sich mit den Gedanken Roland Tichys (4.v.l) und Ludwig Erhards einverstanden. Foto: Krause

Düren. Anlässlich des 120. Geburtstages des früheren Bundeswirtschaftsministers und späteren Bundeskanzlers Ludwig Erhard hat sich die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) des CDU-Kreisverbandes Düren-Jülich etwas einfallen lassen: Im Clubhaus der TG Rot-Weiß Düren referierte der durch zahlreiche Publikationen und Fernsehauftritte bekannte Journalist Roland Tichy.

Er ist Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung und deshalb, betonte der Vorsitzende der MIT, Rolf Delhougne, besonders geeignet, Erhards Gedanken auf die Gegenwart zu übertragen. Ende der 40er Jahre hatte Ludwig Erhard in einem Buch die Frage gestellt: „Wohlstand für Alle – Geht‘s noch?“

Roland Tichys Rede enthielt Fragen und Antworten, viele gefällig, nicht alle genehm, besonders in Zeiten des Wahlkampfs. In den drei Worten „Wohlstand für Alle“, betonte Tichy, steckten für den Wirtschaftstheoretiker und Pragmatiker Erhard ganze Programme. Die ewig gültigen Fragen lauten: Wie wird Wohlstand erarbeitet? Wie kann er in einer gerechten Verteilung der ganzen Bevölkerung eines Landes zuteil werden? Sollte der Wohlstand nur einigen wenigen an der Spitze zugutekommen, dann – so lautete nach Roland Tichy die Meinung Erhards – laufe etwas falsch. Die Suche nach den richtigen Wegen sei allemal steinig.

Erhards Worte, die in vielen Publikationen weltweit immer noch Gehör finden, träfen auch heute noch zu, stellte der Referent fest. Das deutsche Wirtschaftswunder und die Phase des Wiederaufbaus seien endgültig passé. Technische Revolutionen, Globalisierung und die Wucht der Digitalisierung verändern die Welt. Ganze Berufsgruppen würden verschwinden, weil Roboter vieles billiger produzieren können. Neue Verteilungskonflikte stehen heute auf der Tagesordnung. „Kann man vom analogen Erhard“, fragte Tichy, „für die digitale Disruption (meist technische Innovation, die Arbeitsplätze freisetzt) lernen?“

Leitlinien neu denken

Die Probleme in der Wirtschaft in den Anfangsjahren der noch jungen Bundesrepublik könne man natürlich nicht eins zu eins übernehmen. Es gelte, fuhr der Referent fort, die Erhard’schen Leitlinien der Politik neu zu denken und in das heutige System einzugliedern. Der erste Wirtschaftsminister Deutschlands nach dem Krieg verlangte von jedem Menschen den persönlichen Einsatz für die Freiheit.

Erhard wollte keinen Staat, der zum Betreuungsorgan seiner Bevölkerung degradiert wird. Abwehren muss aber dieser Staat Elemente, die sich „freibeuterisch“ für ihr egoistisches Eigenwohl durchsetzen. Erhard habe in seinen Worten und Schriften immer auf die „Schwester“ der Freiheit, die „Verantwortung“, gesetzt: Verantwortung für die Gesellschaft, für die Gemeinde, die Mitarbeiter, die Familie und für sich.

Roland Tichy meinte im Sinne Erhards, dass Disruption in der Nachfolge von Innovationen Mut erfordere, und den Mut, sich der Unausweichlichkeit von Neuem zu stellen und dieses Neue für sich so zu gestalten, dass es zu weiterem Wohlleben führe.

„Wohlstand für Alle“ sei möglich, konstatierte Roland Tichy im Sinne Erhards, wenn sich jeder in Freiheit und Verantwortung bemühe. „Erhard war ein Putschist der Marktwirtschaft“, schloss der Referent seine Ausführungen, „kein behäbiger Sozialonkel, der Geschenke an seine Lieben verteilt.“

Der Vorsitzende der MIT, Rolf Delhougne, hatte in seiner Begrüßung bemerkt, dass sich Probleme der 50er Jahre in ähnlicher Form wiederholten. „Wir brauchen Politiker mit Visionen und keine Menschen, die im Windkanal entwickelt worden sind.“

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