Wird Jülicher Trommelwäldchen abgeholzt?

Von: Volker Uerlings
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Bis zu 35 Meter hoch, aber mit ziemlich dünnen Stämmen: die Bäume des Trommelwäldchens. 80 Prozent sollen geschädigt sein. Foto: Uerlings
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Die „grüne Lunge“ des Jülicher Nordviertels hat mit seinen Wegen auch eine geschätzte Funktion als Abkürzung. Foto: Uerlings

Jülich. Frei nach Asterix haben die Gallier vor nichts mehr Angst, als dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Wenige hundert Kilometer entfernt gibt es nicht erst seit Unwetter „Ela“ eine ähnliche Furcht: Teile des Jülicher Landes sorgen sich vor herunterstürzenden Ästen oder ganzen Bäumen.

In einem Refugium des Jülicher Nordviertels muss die Gefahr besonders groß sein: dem Trommelwäldchen. Zu diesem Schluss kommt der zuständige Förster Moritz Weyland, der genau hingeschaut hat. Der Mann vom Fach hält 80 Prozent aller Bäume dort für geschädigt und zum Teil umsturzgefährdet. Er will die verwilderte „grüne Lunge“ des städtischen Quartiers komplett abholzen und wieder aufforsten.

„Ich möchte das Trommelwäldchen wieder in seinen ursprünglichen Zustand führen“, erklärte Weyland im Ausschuss für Planung, Umwelt, Bauen, der im Vorfeld der Beratung das Wäldchen in Begleitung des Försters in Augenschein genommen hatte. Einige Mitglieder bestätigten in der Sitzung den Eindruck des Försters. Und Amtsleiter Thomas Mülheims sagte deutlich, dass die Stadt auch ohne Konzept die Sägen anlegen wird: „Wir müssen spätestens im nächsten Herbst in diesen Flächen reingehen.“

Das Problem des Trommelwäldchens ist seine besondere Struktur: Hier sind viele sehr hohe Bäume (35 Meter) zu finden, deren Stämme mangels früherer Pflegeschnitte (Weyland: „Hat es nie wirklich gegeben“) ziemlich dünn geblieben sind. Zudem konnten sie nicht das normale Wurzelwerk ausbilden, weil dort tonnenweise Schutt des am 16. November 1944 zerstörten Jülichs abgekippt wurde und den Untergrund bildet. Das macht sie gegen Wind und Sturm eben anfällig. „Ela“ hat vor einem Dreiviertel Jahr für einige „Schräglagen“ gesorgt. Weil aber rund um den Bereich Gärten und Wohnhäuser stehen, könnten Äste und Bäume bald auf die Terrassen oder Dächer fallen.

Der Förster will das Wäldchen keinesfalls ersatzlos entfernen, sondern neu anlegen und dann so gestalten, dass die Bäume nicht mehr so hoch und damit gefährlich werden. Sein Vorschlag: „Die Entnahme des kompletten Bestandes und die Wiederaufforstung mit Sträuchern und Bäumen 2. Ordnung.“ Die werden maximal 25 Meter hoch und sollten jährlich gepflegt werden.

Das Trommelwäldchen hat bekanntlich auch eine geschätzte Funktion als Abkürzung und Schleichweg. Die insgesamt 175 Meter Wege in dieser Fläche sollten laut Weyland beibehalten und mit dem Häckselgut der gefällten Bäume befestigt werden.

Der Förster beziffert die Kosten seines Vorschlags auf 15.000 Euro. Würden nur die geschädigten Bäume gefällt und wieder aufgeforstet, soll das 7500 Euro kosten. Bei einer Neuanlage plädiert Weyland für Bäume und Sträucher, die Früchte tragen und nicht mehr überall zu finden sind: Wildkirsche, Wildapfel, Feldkastanie, Hainbuche, Walnuss, um Beispiele zu nennen.

Zu entscheiden haben das die Jülicher Kommunalpolitiker bei den anstehenden Haushaltsberatungen. Eine Tendenz war im Fachausschuss nicht wirklich zu erkennen. Nachgefragt wurde nur, wie lange die neuen Bäume brauchen, bis sie eine ordentliche Größe erreichen. Antwort: Jahre...

Der Name „Trommelwäldchen“ stammt aus der Militärvergangenheit der Stadt Jülich. Genau hier lernten die Spielleute der alten Unteroffiziersschule das Trommelschlagen. Im Boden der „grünen Lunge“ befindet sich neben dort verkippten Kriegstrümmern auch das Bodendenkmal Lünette A.

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