Wird Alzheimer in der Sauna besiegt?

Von: Guido Jansen
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Hat was von Sauna: das neue Gebäude des biomolekularen NMR-Zentrums. Links steht das aktuell hochauflösendste Spektrometer, hinten ist das Standort für das im Bau befindliche Modell, rechts oben ermöglicht eine Besucherkanzel den Überblick über die gesamte Halle. Foto: Jansen
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Dieter Willbold erklärt die Arbeit an einem Heilmittel für Alzheimer. Thomas Rachel (von links), Harald Bolt und Sigrun Schmücker hören zu. Foto: Jansen

Jülich. Die Antwort auf Alzheimer finden Forscher irgendwann möglicherweise in einer Sauna. „Hier kommt schon ein heimliches Sauna-Gefühl auf“, sagte Prof. Harald Bolt, Vorstandsmitglied des Forschungszentrums Jülich (FZJ), als am Freitag eine neue Großforschungsanlage für insgesamt 20,8 Millionen Euro eingeweiht wurde.

2,8 Millionen Euro kostet der Neubau, 18 Millionen die Technik. Das Gebäude besteht aus Baumaterialien, die keine magnetischen Eigenschaften haben. Wände und Dach sind beispielsweise aus Holz – deswegen sprach Bolt von Sauna-Gefühl. Das Baumaterial darf nicht magnetisch ein, weil es sonst die Arbeit der vier Nuklearmagnetischen Resonanz (NMR)-Spektrometer stört, die spätestens ab 2019 zum Einsatz kommen.

Mit drei Spektrometern suchen die Jülicher Forschern im Neubau schon jetzt nach der Ursache von und einem Wirkstoff gegen Alzheimer, das vierte wird gerade gebaut und soll die hochauflösendste Apparatur ihrer Art weltweit sein. Mit den NMR-Spektrometern können Forscher die Lage der einzelnen Atome in Eiweißmolekülen bestimmen und erkennen, wie sich die Moleküle im Krankheitsfall verändern.

Forschung für den Menschen

„Warum müssen wir Milliarden von Euro in die Forschung investieren“, fragte der Dürener CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel, der an der Einweihung in seiner Funktion als Staatssekretär des Bundesforschungsministeriums teilnahm. Der Bund hat 18,7 Millionen Euro der Kosten übernommen. Die Antwort gab Rachel gleich selbst.

„Hier gibt es ein wunderbares Beispiel dafür, dass Forschung für die Menschen da ist.“ Die Suche nach der Ursache und einem Mittel gegen Alzheimer bezeichnete Rachel eine der großen gesellschaftlichen Aufgaben für die Zukunft. Im Moment gebe es in Deutschland 1,2 Millionen Erkrankte, ohne Heilmittel erwarteten Forscher bis 2050 einen Anstieg auf drei Millionen.

Das FZJ und die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben das Biomolekulare NMR-Zentrum 2005 in Jülich gegründet, der Neubau ist das dritte Gebäude, das seitdem entstanden ist. Prof. Dieter Willbold leitet den Bereich Strukturbiochemie in Jülich und das Institut für Physikalische Biologie in Düsseldorf. Er betonte, dass Jülicher Forschung schon jetzt zur Weltspitze gehöre, weil sie so hochauflösende Einblicke in die Zusammensetzung der Moleküle ermögliche.

Der neue NMR-Spektrometer werde dann einen weiteren Schritt nach vorne bedeuten. Zudem arbeite das Team an einem wirksamen Mittel gegen Alzheimer. Die Forscher warten nach erfolgreichen Versuchen im Tier auf die Zulassung zu Tests am Menschen. „Wir wollen Alzheimer beenden mit einem Wirkstoff, der oral verfügbar ist“, sagte Willbold. Weltweit gibt es derzeit einige wenige Wirkstoffe im Test, denen zugetraut wird, Alzheimerpatienten zu heilen. Der Jülicher Wirkstoffkandidat ist laut Willbold der einzige, der nicht mit einer Injektion verabreicht werden muss.

FZJ-Architektin Sigrun Schmücker erklärte die Struktur des Neubaus, wo neben Holz auch Textil und Edelstahl zum Einsatz gekommen sei. Zudem haben man erstmals die Gelegenheit genutzt, das Gebäude mit einer Besucherkanzel zu versehen, die einen Überblick über die gesamte Halle ermöglicht.

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