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Winterlinden vor Zitadelle Jülich älter als 140 Jahre

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Das Baumtrio heute: Das Frühjahr wird es wohl nicht erleben.
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Dieses Bild aus dem Jahr 1892 zeigt (vorn) die Büsten von Kaiser Friedrich III. und preußischen Heerführern im Innenhof der Jülicher Zitadelle. Damals standen die Winterlinden im Zitadellenhof schon einige Jahre.
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In den 1920er Jahren stehen belgische Soldaten vor der Küche der Kaserne, die sich in der Zitadelle befand. Sie blicken auf die Linden.
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Diese Postkarte von 1921 an den „Cher Maurice“ stammt aus der Besatzungszeit. Von der Kaiserbüste ist nichts mehr zu sehen.

Jülich. Die einsturzgefährdeten Winterlinden im Innenhof der Jülicher Zitadelle haben viel er- und überlebt – den Pilzbefall nicht. Sie müssen aus Gründen der Verkehrssicherheit wohl Mitte Februar gefällt werden. Sie hatten zu Kaisers Zeiten 1892 schon einen stattlichen Umfang und dürften deutlich älter sein als bislang gedacht: über 140 Jahre.

Zu diesem Schluss kommt Wolfgang Gunia, Vorstand des Bürgerbeirates Historische Festungsstadt. Er geht auf die Geschichte der Linden in einem Beitrag unter der Überschrift „Abschied mit Wehmut – Linden im Innenhof der Zitadelle erlebten Geschichte“ ein.

Gunia schreibt: „Im Kaiserreich standen die Linden nicht einfach im Innenhof zur Zier oder als Schattenspender. Der Innenhof diente als eine Art Ehrenhof.“

Denkmal für Kaiser Friedrich III.

An seinen Ecken standen die vier Linden und innerhalb des Quadrates , wie man auf der Ansichtskarte von 1892 erkennen kann, eine übermannshohe Büste von Kaiser Friedrichs III. (1831 - 1888). Friedrich, der als „liberale Hoffnung“ Preußens galt, starb nach nur 99 Tagen im Amt. Vor dem Eingang der Schlosskapelle standen, so Gunia, weiter, zudem vier Büsten bedeutender preußischer Feldherren, sicher als Anschauungsmaterial für die Schüler der Unteroffizierschule, die in der Zitadelle bis 1944 untergebracht war.

Die Linden mussten im Jahre 1892 schon ein beträchtliches Alter erreicht haben, aber es sind unverkennbar die, die jetzt der Kettensäge zum Opfer fallen werden. Sicherheit von Menschen muss nun mal Vorrang haben vor anderen Aspekten.

Der Ehrenhof , auf der Ansichtskarte von 1921 „Carreehof“ genannt , ist noch da, die Kaiserbüste und die Feldherren sind verschwunden. Ob französische oder belgische Besatzungstruppen, die von 1918 bis 1929 in Jülich in Garnison lagen, sie entfernten oder zerstörten, oder ob das die Deutschen selbst taten, ist laut Gunia ungeklärt. Immerhin waren die Schulleiter nach der Ausrufung der (Weimarer) Republik aufgefordert worden, Kaiserbilder und -Büsten aus den Klassenräumen zu entfernen. Und 1918 war es auch in Jülich zur Gründung eines Arbeiter- und Soldatenrates in Jülich gekommen.

Bombenangriffe überlebt

Die Zeitläufte hat die vier Linden nicht berührt, selbst die Bombenangriffe des 2. Weltkrieges überstanden immerhin drei von ihnen, wenn auch nicht ohne Schäden.

Als 1972 das städtische Gymnasium in die Zitadelle einzog, prüfte ein Baumarzt aus Würzburg ihre Gesundheit und bescheinigte ihnen, nachdem einige Sicherungsmaßnahmen getroffen wurden, die erforderliche Standsicherheit.

Seither fanden „Unter den Linden“ ungezählte schulische Feiern und viele große Veranstaltungen von Jülicher Vereinen statt. Die Linde galt einst etwa im Gegensatz zur Eiche als Baum des Volkes, als Symbol für Gerechtigkeit, Liebe, Frieden und Heimat.

Es bleibt, so betont Gunia, jetzt „ein Herzenswunsch“ nicht nur der Schule, sondern auch vieler Jülicher, dass ganz schnell würdige und passende Ersatzbäume beschafft werden, wenn denn das Schicksal der sicher 140 Jahre alten Bäume im kommenden Monat besiegelt sein wird.

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