Windpark: Bürgerinitiative verweist auf gravierende Mängel

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Jülich/Linnich. An Argumenten gegen die geplanten Riesenwindräder auf dem Lohfeld nahe der Anschlussstelle Jülich-Ost mangelt es den Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) „Für Windkraft mit Augenmaß“ nicht.

Gesundheitliche Schäden, Verlust der Lebensqualität und Wertverlust des Eigentums werden genannt. Aktuell hat die Initiative aus Boslar, Mersch und Broich das Thema Landschaftsschutz aufgegriffen und Mängel in der Argumentation der Planer und Befürworter festgestellt.

Für die Bewertung sei das über 20 Jahre alte „Nohl-Verfahren“ benutzt worden. Dessen Entwickler Dr. Werner Nohl hat sein Verfahren auf einem Symposium der Universität Duisburg-Essen im November 2007 selber „ins Museum geschickt“. Als er es entwickelt habe, sei dies unter deutlich anderen Voraussetzungen geschehen. Nohl hat auch empfohlen, Windkraftanlagen nicht auf Bergrücken zu errichten.

Dieser Mangel sei den Planern vom Büro VDH-Projektmanagement Erkelenz durchaus bewusst. So habe Marta Jakubiec beim Workshop „Windenergie und Landschaftsbild“ im April 2014 gesagt: „Zu den Schwächen des im Grunde überholten, aber dennoch nach wie vor angewendeten Verfahrens zur Landschaftsbildbewertung nach Nohl zählt unserer Auffassung nach vor allem seine Manipulierbarkeit.

Nicht nur die Bewertung der Skalenwerte bietet Interpretationsspielraum, sondern auch die ökologische Expertensicht auf Landschaftsbilder steht der subjektiven Einschätzung der Allgemeinheit entgegen.“ Dazu Heinz Krug aus Boslar: „Wenn die Planer selbst Möglichkeiten der Manipulation einräumen, liegt die Vermutung nahe, dass davon auch Gebrauch gemacht wird. Für die Vorhabenträger ist die Bewertung nach dem alten Nohl-Verfahren aber wichtig, um eine Nichtbeeinträchtigung des Landschaftsbildes vorzutäuschen.“

Im Entwurf des Landschaftspflegerischen Begleitplans wurde die Fläche von den Planern als vorbelastet und strukturarm bezeichnet. Das widerspricht den Vorgaben im Landschaftsplan, wo es zu den Schutzzielen heißt:„Erhaltung einer mit natürlichen Landschaftselementen reich oder vielfältig ausgestatteten Landschaft sowie der Erhaltung der prägenden Landschaftsteile.“

Bernd Schneiders aus Boslar erklärt: „Der Windpark Boslar wird auf einem Berg- bzw. Höhenrücken errichtet und dadurch weit sichtbar das Landschaftsbild maßgeblich beeinflussen, auch für die Naturschutzgebiete und die Ortschaften im Rurtal neben den direkt betroffenen Ortschaften. Der Eingriff in das Landschaftsbild bei ,nur‘ fünf Windrädern steht im groben Missverhältnis zum Eingriff einer erstmaligen Beeinträchtigung durch bislang unverbaute Sichtachsen. Ferner ist zu berücksichtigen, dass der geplante Windpark Boslar als Fläche im Landschaftsplan mit Erholungswert ausgewiesen ist und an zwei Landschaftsschutzgebiete grenzt.“

Die BI stellt „erneut in Frage, dass der geplante Standort unter Schallgesichtspunkten, wegen des nahen Ultraleichtflughafens als hartes Ausschlusskriterium und der deutlichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes geeignet sein soll. Der Windpark Boslar ist daher allein unter Landschaftsaspekten vollkommen neu zu bewerten. Wir fordern die Politik auf, die Abwägung am 15. Januar zu vertagen und die Stellungnahmen und Präzisierungen alter Eingaben aufgrund der neuerlichen Offenlage zu berücksichtigen.“

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