Gereonsweiler - Windenergie: Weniger Anlagen rund um Linnich, aber keine Entspannung

Windenergie: Weniger Anlagen rund um Linnich, aber keine Entspannung

Von: Otto Jonel
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Windenergie
Der Windpark Gereonsweiler-Linnich-Welz sorgt für erhitzte Gemüter. Foto: Patrick Pleul

Gereonsweiler. Ist es im Kinderzimmer auffallend still, werden Eltern unruhig. Ganz allgemein gilt in vielen Lebensbereichen als Alarmsignal, wenn es ungewöhnlich ruhig ist, wenn sich über Brisantes der Mantel des Schweigens legt, wenn Aufregerthemen aus den Schlagzeilen und aus der Diskussion verschwinden. Dann rührt sich sich Argwohn.

In dieser Gefühlslage befindet sich gegenwärtig die Bürgerinitiative zur Windenergie Gereonsweiler-Linnich-Welz. Nach einer regen Phase vor rund zwei Jahren wurde es ruhig um die Pläne zum Windpark Gereonsweiler-Linnich-Welz. Die aber liefen weiter bis hin zur Schaffung der planrechtlichen Festsetzungen. Dazu wurde auch die „Bürgerinitiative zur Windkraft“ gehört.

„Mit Schrecken haben wir zur Kenntnis genommen, dass man vielen unserer Einwendungen nicht folgt“, erinnert sich Justus Peters, Rechtsbeistand der BI, verärgert an das langwierige Abhandeln der Eingabeargumente während des Beteiligungsverfahrens in jüngster Zeit. Im Juli wurde die Änderung des Flächennutzungsplans samt Bebauungsplan zur Windenergie Gereonsweiler-Linnich-Welz nach einigem Hin und Her beschlossen.

Aktueller Stand: Die Änderung des Flächennutzungsplans zur Gesamtdarstellung der Windkraftkonzentrationszonen ist im zuständigen Fachausschuss bei Stimmengleichheit abgelehnt und in der November-Ratsitzung von der Tagesordnung abgesetzt worden. Der entsprechende Bebauungsplan wurde in beiden Sitzungen erst gar nicht thematisiert. Dennoch hatte sich etwas getan im „Windpark Gereonsweiler“.

Sie seien geradezu überrascht worden von der Ankündigung der Inverstoren, die Zahl der Windenergieanlagen (WEA) von ursprünglich 21 auf elf zu reduzieren, schildern BI-Vorsitzender Stanislaw Karlowicz, Hermann-Josef Braun und Rechtsanwalt Peters die unerwartete Wende Mitte 2016. Die Bürgerinitiative, die sich nie gegen Windkraft gestellt hatte, schien der Umsetzung ihrer beiden wesentlichen Forderungen nahe zu sein: „Wir hatten gehofft, dass nun der Abstand zur Ortsbebauung erhöht wird“, so Peters.

Fast die Hälfte weniger Anlagen im Plangebiet – müsste doch klappen. Tat es aber nicht. Vier der sieben Anlagenstandorte, die Gereonsweiler am nächsten liegen, wurden tatsächlich gestrichen, drei aber blieben. Aus BI-Sicht ist das kein akzeptabler Kompromiss, denn diese drei Anlagen sind größer und leistungsfähiger als die ursprünglich geplanten. Obwohl „die Investoren nicht mehr bereit sind, über Bauhöhe und den bestimmten Typ zu reden“, hat die BI in Erfahrung gebracht, dass es sich um die drei Typen Enercon E-103, E-115 und E-126 handele. Letztere hat eine Nabenhöhe von 135 Metern, einen Rotordurchmesser von 126 Meter und übertrifft damit die von der BI geforderte Maximalhöhe von 190 Metern deutlich.

Höhenbegrenzung beibehalten

Peters: „In Sachen Höhenbegrenzung hat sich nichts geändert. Die sind bei 200 Metern geblieben.“ Da die Standorte unverändert nah am Ortsrand liegen, wird auch die Abstandsforderung der BI – das Zehnfache der Anlagenhöhe – nicht erfüllt, halten Karlowicz, Braun und Peters den Planern vor. Sie sehen eine Ertragsoptimierung in dem Plangebiet – „Die elf Anlagen bringen mehr an Leistung als die vorherigen 21.“ –, aber weniger Rücksichtnahme auf Mensch und Umwelt.

Aber auch auf Gesetzesebene weht ein neuer Wind. Erst vor drei Monaten hat die Bund/Länderarbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) eine Neuregelung zum Schallimmissionsschutz bei Windkraftanlagen per Beschluss empfohlen. „Die LAI hat festgestellt, dass die TA Lärm überholt ist“, bringt es Justus Peters auf einen einfachen Nenner. Die alte Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm ist die Bemessungsgrundlage bei den Windenergieanlagen Gereonsweiler. Peters folgert mit Verweis auf die LAI-Empfehlung: „Man muss die gesamten Schallgutachten erneuern.“

In der Empfehlung heißt es wörtlich: „Ist der Genehmigungsantrag bereits eingereicht, aber noch nicht beschieden, so muss eine Berechnung nach den neuen LAI-Hinweisen vorgelegt werden.“ Ebenfalls neu zu berechnen wäre „nach dem neuen Verfahren“ die Vorbelastung durch bestehende Windenergieanlagen. Im vorliegden Fall wären das die Anlagen auf Geilenkirchener Seite. „Das ist in Gereonsweiler nicht geschehen“, sieht Anwalt Peters ein Versäumnis im Verfahren.

Die BI hält gerade angesichts der neuen Entwicklungen an ihren Forderung nach Windkraft mit Augenmaß fest. Ihre Forderungen sind eindeutig: Der Abstand zur Ortsbebauung muss vergrößert und die Maximalhöhe der Anlage auf 190 Meter begrenzt werden.

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