Wilderer bei Vollmond an der Sophienhöhe unterwegs

Von: Guido Jansen
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Tatort: Auf der B 55 zwischen Güsten und Höllen stellen die Wilderer ihr Auto ab und schießen dann zwischen der Bundesstraße und der Sophienhöhe auf Rehe. Foto: Jansen, imago/ Reiner Bernhardt

Jülich/Güsten. In der Nacht zum Mittwoch ist fast Vollmond. In der Dunkelheit fallen Schüsse, jenseits der Bundesstraße 55 an der Sophienhöhe, zwischen Höllen und Welldorf. Ein Reh ist tot, zwei Unbekannte schultern das erschossene Wild. Sie laufen mit ihm zu einem Auto, das auf der B 55 steht und fahren davon.

So gibt Hubert Breuer die jüngsten Geschehnisse in einer Reihe von Straftaten wieder, die sich seit einigen Monaten zwischen der B 55 und der Sophienhöhe ereigneten. Breuer ist der Jagdpächter im Revier Jülich-Güsten. „Seit ein paar Monaten passiert das in Vollmondnächten“, berichtet er. Vollmond war Mittwoch, Dienstagabend haben die Wilderer wieder zugeschlagen. „Ein befreundeter Jäger aus dem Nachbarrevier hat sie beobachtet. Diesmal haben wir es nur knapp verpasst, sie zu fassen oder wenigstens das Nummernschild aufzuschreiben“, sagt Breuer.

Eigentlich gibt es im Kreis Düren kein Problem mit Wilderei, schon sei Jahren nicht. Das erklärt der Hegeringleiter für das Jülich Land, Arno Emmerich. Wenn da nicht die Wilderer an der Sophienhöhe wären, die in den vergangenen Monaten vermehrt zuschlagen und damit eine Straftat begehen, die schon lange nicht mehr in dieser Breite verübt wurde: Jagdwilderei.

Bis zu drei Jahren Gefängnis lautet die Strafe. „Ganz einfach: Es ist verboten, Rehe bei Nacht zu jagen“, erklärt Emmerich. Deswegen bittet er die Bevölkerung, Augen und Ohren offen zu halten, in der Hoffnung, dass die Polizei so Hinweise sammeln kann. „Wir müssen dagegen vorgehen“, sagt er. „Aber gleichzeitig dürfen die Leute nicht hysterisch werden.“ Schließlich sollen Verwechslungen mit regulärer Jagd verhindert werden.

Ein richtiger Jäger ist leicht zu erkennen. Rehe bejagt er nach Einbruch der Dunkelheit nicht, Wildschweine höchstens noch 90 Minuten nach Sonnenuntergang. Jäger können sich zudem ausweisen, sie haben den Jagdschein und einen Begehungsschein für das Revier. Ausnahme können Jäger sein, die auf Einladung und im Beisein des Jagdpächters aushelfen.

Mit Nachtsichtgerät

Zudem wenden Jäger nicht die Methoden der Wilderer an. In der Dunkelheit jagen sie mit Licht. Sie leuchten die Tiere mit Taschenlampen oder den Scheinwerfern der Autos an. „Die Tiere bleiben dann wie gebannt für einen Moment stehen“, sagt Hubert Breuer. „Für einen Jäger sind solche Methoden undenkbar.“ Genau wie die anderen Hilfsmittel, die Wilderer nach Auskunft der Polizei oft einsetzen.

Um möglichst wenig aufzufallen, nutzen sie Schalldämpfer, was bei der Jagd ebenfalls verboten ist, genauso wie der Einsatz von Nachtsichtgeräten. Die Masche: Die Tiere mit den Nachtsichtgeräten beobachten, dann mit Licht schockieren und schießen. Nach Auskunft der Polizei liegt eine Anzeige wegen Jagdwilderei vor. Es ist die, die Hubert Breuer gestellt hat. „Solche Fälle hat es schon lange nicht mehr gegeben“, berichtet er.

Jetzt passieren sie am Fuß der Sophienhöhe regelmäßig. Was die Motivation der Wilderer angeht, kann der Jäger nur spekulieren. Vor einigen Wochen sei ein Reh gefunden worden, bei dem der Kopf abgetrennt war. „Da wurde dann vermutlich eine Jagdtrophäe gesucht“, sagt Breuer. Ansonsten nehmen der oder die Wilderer die Tiere mit. „Dann geht es vermutlich darum, die Tiefkühltruhe mit Wildfleisch zu füllen.“

Frustrierend aus Breuers Sicht sei einerseits die Jagdwilderei selbst, bei der die Lust auf Trophäen oder Fleisch im Vordergrund stehe und nicht die gebotene Abschussquote. Andererseits ärgern sich die Jäger darüber, dass es so gut wie unmöglich ist, die Täter zu stellen. Der Vorfall von Dienstagabend sei der dritte, bei dem Jäger den oder die Wilddiebe zwar beobachten konnten, aber keine Chance hatten, Beweise zu sammeln, die die Ermittlungen der Polizei weiterbringen.

Jagd mit Fallen

Die Sophienhöhe ist ein im Zuge der Tagebau-Rekultivierung entstandener künstlicher Berg und fällt in die Zuständigkeit der RWE-Revierförster. Auch die haben laut Hubert Breuer schon die Aktivitäten der Wilderer bemerkt. „Mittlerweile führen sie Buch über die Fallen, die sie finden“, sagt Breuer.

Die Jagdwilderei geht also über das illegale Schießen der Tiere hinaus. Die Wilderer nehmen auch den qualvollen Tod der Tiere in einer Falle in Kauf.

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