Wiederbelebung der Brikettfabrik geplant nach 57 Jahren

Von: Guido Jansen
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Hoher Zaun, leerstehende Fabrikgebäude: 2,36 Hektar sind in Lucherberg derzeit so gut wie nicht genutzt. Jetzt könnte Bewegung in die Angelegenheit kommen. Foto: Jansen
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Schornstein ja, Goltsteinkuppe nein: So sah die Brikettfabrik in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts aus. Foto: RWE
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Der Eingangsbereich wurde bis vor einigen Jahren als Lagerfläche genutzt, heute dient die vordere Fläche noch als Lkw-Parkplatz. Foto: Jansen

Inden. Veränderungssperre – das klingt in Inden scheinbar nach Ironie. Die Gemeinde Inden hat eine Veränderungssperre auf das Gelände der ehemaligen Brikettfabrik in Lucherberg gelegt. Es darf erstmal nichts verändert werden. Das ist erstmals nichts Neues. Denn auf den 2,36 Hektar Industriebrache hat sich seit über 56 Jahren nichts verändert. Und genau das soll sich jetzt ändern.

Die Veränderungssperre ist ein erster Hinweis darauf. „Wir wollen damit verhindern, dass jemand hingeht und Pläne für das Gelände entwickelt“, sagte Bürgermeister Jörn Langefeld. Pläne gibt in der Indener Verwaltung und Politik zwar noch keine, aber eine Hoffnung, vielleicht sogar eine Idee. Nämlich die, dass sich auf der Industriebrache ein Wohngebiet entwickelt. Die Gemeinde verzeichnet mittlerweile wieder merklich Zuzug, nachdem der Tagebau Häuser weggefressen und Menschen zum Wegzug gebracht hat.

Bisher ist es allenfalls eine Idee, dass bald neuer Lebensraum auf der Brache entstehen könnte. Noch ist unklar, welche Hinterlassenschaften sich im Boden unterhalb der 1960 stillgelegten Brikettfabrik befinden. Naturschutz und Umweltverträglichkeit waren zur Zeit der Fabrik zwar deutsche Worte, aber in ihrer Bedeutung fremd.

Erste Probebohrungen seien vielversprechend gewesen, weil sie keine besorgniserregenden Funde ergeben hätten, berichtete Langefeld. „Aber da kann man ja nie wissen.“ Halbwegs unberechenbar ist auch der rechtliche Zustand. Das Gelände gehört zur Insolvenzmasse einer Papierfabrik. Diese hatte es nach dem Ende der Brikettproduktion gekauft und als Lager sowie aktuell immer noch als Lkw-Parkplatz genutzt. Entwickelt wurde die Fläche nie.

Vorstellbar ist, dass die Gemeinde bei der Entwicklung des Geländes mitgestaltet. „Um das selbst zu machen, fehlt uns natürlich das Geld“, sprach Langefeld die finanzielle Situation an. Inden befindet sich in einem Haushaltssicherungskonzept und muss deswegen versuchen, bis zum Jahr 2022 einen ausgeglichenen Haushalt darzustellen. „Wenn wir auf dem Gelände etwas aufbauen wollen, dann geht das nur mit Hilfe eines starken Investors“, sagte Langefeld. Interessenten gebe es, schob er noch hinterher.

123 Meter hoher Schornstein

Stillgelegt wurde die Brikettfabrik nach 59 Jahren Produktion am 1. Juli 1960. Seitdem ist das Gelände weitgehend ungenutzt, ein Teil der Bauten ist abgerissen worden. Im Frühjahr 1961 wurde der 123 Meter hohe Schornstein der Fabrik gesprengt. Betrieben wurde die Brikettfabrik von der Braunkohlen-Industrie-Aktien-Gesellschaft Zukunft (BIAG Zukunft) mit Sitz in Eschweiler.

Zum Zeitpunkt der Aufgabe der Brikettfabrik fusionierte die BIAG mit anderen Bergbauunternehmen zur Rheinbraun, die ihrerseits 2003 in RWE aufgegangen ist. In ihrer Spitzenzeit produzierte die Brikettfabrik 260.000 Kilowattstunden Strom. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik vergleichsweise wenig beschädigt, so dass die Produktion 1946 wieder anlaufen konnte.

Von der Goltsteinkuppe, dem Berg in Inden, der mit dem Bergbau aufgeschüttet wurde, war zur Zeit der Brikettfabrik nicht viel zu sehen, in den späten Jahren war die heutige Kuppe ein Hügel, heute dagegen liegt das ehemalige Produktionsgelände am Fuß der Goltsteinkuppe.

Für den Tagebau im Aachener Revier ist das eine historische Stätte. 1819 gab es die ersten Braunkohlefunde überhaupt in Lucherberg.

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