Wie viel Kernforschung in Jülich und Aachen ist sinnvoll?
Nach der Berichterstattung unserer Zeitung über die weitere Forschung zu den umstrittenen Hochtemperaturreaktoren (HTR) an der RWTH Aachen und dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) ist eine Diskussion darüber entstanden, ob es sinnvoll ist, an einer Technik zu forschen, für die es weltweit kaum oder sogar überhaupt keine Verwendung gibt.
Der Kanzler der RWTH-Aachen, Manfred Nettekoven, teilte am Mittwoch auf Anfrage der „Nachrichten” mit, dass die deutsche Forschungspolitik „in diesem spezifischen Punkt keine einheitliche Meinung” habe, die HTR-Forschung also umstritten sei. Die RWTH werde aber Sorge tragen, dass die Forschungen mit der notwendigen Transparenz erfolgen und „Information wie Diskussion zum Thema” stattfinde.
Die Technik wurde maßgeblich von hiesigen Forschern in den 60er und 70er Jahren entwickelt, einige Probleme sind aber noch nicht gelöst. Weltweit befindet sich kein Hochtemperaturreaktor im kommerziellen Einsatz.
Der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne) hatte die Einrichtung von vier Promotionsstellen am Lehrstuhl für Reaktorsicherheit und -technik der RWTH bemängelt, die sich dezidiert mit Hochtemperaturreaktoren beschäftigen. Eine dieser Promotionsstellen wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit 500 000 Euro gefördert.
Der Allgemeine Studierendenausschuss der RWTH Aachen (AStA) teilte in Reaktion auf unsere Berichterstattung vergangene Woche mit, er lehne „die politische Einflussnahme in Forschungsvorhaben ab”: „Die Forschungsfreiheit gilt auch für die RWTH und zwar für alle Lehrstühle und Forschungsgebiete.” Die Kritik Krischers sei „nur ideologisch zu erklären”. Es gebe „keine sachlichen Gründe, die Forschung im Bereich der Reaktorsicherheit zu beschränken”.
Die RWTH-Leitung unterstützt die AStA-Haltung „bezüglich der Freiheit von Forschung und Lehre uneingeschränkt”, erklärte Kanzler Nettekoven. Zudem schließe sich die Hochschulleitung „in vollem Umfang” der Haltung des verantwortlichen Institutsleiters, Hans-Josef Allelein, an, „dass die in der Vergangenheit mit viel Steuergeld finanzierten HTR-Aktivitäten mittelfristig zu einem ordnungsgemäßen Abschluss geführt werden”.
Dazu bedürfe es auch Promotionen. Die Frage ist freilich, warum dies mit Zuwendungen der Bundesregierung geschehen muss, die im vergangenen Jahr die Energiewende beschlossen hat.
Nettekoven sagte: „Grundsätzlich ist es nicht Aufgabe der Hochschulleitung zu entscheiden, ob eine bestimmte Forschung richtig oder falsch ist.” Dies liege bei der Breite des Spektrums universitärer Forschung auf der Hand. AStA-Vorsitzender Bela Brenger sagte im Gespräch mit den „Nachrichten” : „Es gibt natürlich Felder, in denen die Grenzen von Forschung eine politische Frage sind - etwa die Stammzellforschung. Aber die Reaktorsicherheit gehört nicht dazu.” Wo die Grenze genau liege, sei aber schwer zu sagen. „Es gibt da keine hundertprozentige Trennschärfe.”
An der speziellen finanziellen Förderung einer der Promotionsstellen durch das Bundeswirtschaftsministerium hat Brenger nichts auszusetzen. Es sei zwar auch eine politische Frage, für was ein Ministerium Geld ausgebe.
Es liege aber im Ermessen eines Wissenschaftlers, für was er Anträge stelle. „Natürlich ist es die Freiheit der Politik, ein bestimmtes Forschungsvorhaben nicht zu fördern. Es wäre aber Rosinenpickerei”, sagte Brenger.
Leserkommentare
Der Kanzler der RWTH-Aachen, Manfred Nettekoven, teilte am Mittwoch auf Anfrage der „Nachrichten” mit, dass die deutsche Forschungspolitik „in diesem spezifischen Punkt keine einheitliche Meinung” habe, die HTR-Forschung also umstritten sei. Die RWTH werde aber Sorge tragen, dass die Forschungen mit der notwendigen Transparenz erfolgen und „Information wie Diskussion zum Thema” stattfinde.
Die Technik wurde maßgeblich von hiesigen Forschern in den 60er und 70er Jahren entwickelt, einige Probleme sind aber noch nicht gelöst. Weltweit befindet sich kein Hochtemperaturreaktor im kommerziellen Einsatz.
Der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne) hatte die Einrichtung von vier Promotionsstellen am Lehrstuhl für Reaktorsicherheit und -technik der RWTH bemängelt, die sich dezidiert mit Hochtemperaturreaktoren beschäftigen. Eine dieser Promotionsstellen wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit 500 000 Euro gefördert.
Der Allgemeine Studierendenausschuss der RWTH Aachen (AStA) teilte in Reaktion auf unsere Berichterstattung vergangene Woche mit, er lehne „die politische Einflussnahme in Forschungsvorhaben ab”: „Die Forschungsfreiheit gilt auch für die RWTH und zwar für alle Lehrstühle und Forschungsgebiete.” Die Kritik Krischers sei „nur ideologisch zu erklären”. Es gebe „keine sachlichen Gründe, die Forschung im Bereich der Reaktorsicherheit zu beschränken”.
Die RWTH-Leitung unterstützt die AStA-Haltung „bezüglich der Freiheit von Forschung und Lehre uneingeschränkt”, erklärte Kanzler Nettekoven. Zudem schließe sich die Hochschulleitung „in vollem Umfang” der Haltung des verantwortlichen Institutsleiters, Hans-Josef Allelein, an, „dass die in der Vergangenheit mit viel Steuergeld finanzierten HTR-Aktivitäten mittelfristig zu einem ordnungsgemäßen Abschluss geführt werden”.
Dazu bedürfe es auch Promotionen. Die Frage ist freilich, warum dies mit Zuwendungen der Bundesregierung geschehen muss, die im vergangenen Jahr die Energiewende beschlossen hat.
Nettekoven sagte: „Grundsätzlich ist es nicht Aufgabe der Hochschulleitung zu entscheiden, ob eine bestimmte Forschung richtig oder falsch ist.” Dies liege bei der Breite des Spektrums universitärer Forschung auf der Hand. AStA-Vorsitzender Bela Brenger sagte im Gespräch mit den „Nachrichten” : „Es gibt natürlich Felder, in denen die Grenzen von Forschung eine politische Frage sind - etwa die Stammzellforschung. Aber die Reaktorsicherheit gehört nicht dazu.” Wo die Grenze genau liege, sei aber schwer zu sagen. „Es gibt da keine hundertprozentige Trennschärfe.”
An der speziellen finanziellen Förderung einer der Promotionsstellen durch das Bundeswirtschaftsministerium hat Brenger nichts auszusetzen. Es sei zwar auch eine politische Frage, für was ein Ministerium Geld ausgebe.
Es liege aber im Ermessen eines Wissenschaftlers, für was er Anträge stelle. „Natürlich ist es die Freiheit der Politik, ein bestimmtes Forschungsvorhaben nicht zu fördern. Es wäre aber Rosinenpickerei”, sagte Brenger.



