Wie sich der Graf mit den Umbrüchen arrangierte

Von: ptj
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Professor Leo Peters referiert im Kaiserhof über Clemens Wenzeslaus, Marquis und Graf von und zu Hoensbroech. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Ein Leben in Zeiten des Umbruchs“ hatte Professor Leo Peters sein Referat betitelt, das er auf Einladung des Fördervereins Festung Zitadelle im Hotel „Kaiserhof“ hielt. Inhalt war die Biografie von Clemens Wenzeslaus, Marquis und Graf von und zu Hoensbroech (1776 – 1844).

Berücksichtigt wurden private, besitz- und kulturgeschichtliche Aspekte, besonders aber drei prägende politische und gesellschaftliche Systemwechsel. Als Forschungsgrundlage diente das Adelsfamilienarchiv in Schloss Haag bei Geldern mit geschätzt 800.000 Blatt, also ein „ambitioniertes Unterfangen, das noch nicht abgeschlossen ist, dessen Konturen aber hinreichend klar sind“.

Vor allem interessiert Peters an Clemens von Hoensbroech die Frage, „wie sich herausragende Mitglieder der adeligen Elite am linken Niederrhein auf die grundlegenden Systemwechsel des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts eingestellt haben“. Clemens Wenzeslaus wurde am 10. Mai 1776 als einziger männlicher Nachkomme von Lothar Franz von Hoensbroech und seiner Frau Sophia Charlotte, Gräfin von der Leyen, auf Schloss Haag geboren.

Seine Familie bezog Glanz und politischen Einfluss aus dem Besitz des einst vom spanischen König errichteten Marquisats Hoensbroeck und dem Amt des Erbmarschalls des Herzogtums Geldern. Sie verfügte über ausgedehnte Güter in den preußischen Herzogtümern Geldern und Kleve sowie den österreichischen Niederlanden. Damit war die gleichzeitig nach Berlin und Wien gerichtete politische Ausrichtung vorgezeichnet.

Erwähnenswert sind zwei eher zufällig zustande gekommene „Volltreffer“ für die Reputation des Hauses Hoensbroech: Napoleon und später Kaiser Alexander von Russland übernachteten auf ihrer Durchreise auf Schloss Haag. Bei der Kaiserkrönung in Paris war Clemens als geladener Gast anwesend, an der Huldigung Friedrich Wilhelms III. in Aachen nahm er in offizieller Mission teil.

Während Clemens‘ Studiums in Wien und Regensburg 1794 marschierten die französischen Revolutionstruppen am Niederrhein ein. Charakterlich beschrieben wird Clemens als „menschenfreundlich, mildtätig und gerecht, fleißig, gebildet, kulturell vielfältig interessiert und religiös“. Noch 1796 „verachtet Clemens aus ganzen Herzen die Französische Revolution“, er betrachtete die feudale Ordnung als gottgegeben. 1803 wird der „Citoyen“ (Bürger) Clement de Hoensbroech Kantonalpräsident von Geldern. 1804 „keimt Hoffnung in ihm auf, Napoleon werde dauerhafte Besserung der Lage bringen“.

Wichtig ist, dass Clemens, untypisch für seine Zeit, versuchte, „sich ein Leben lang möglichst staats- und politikfern zu positionieren, obwohl er vielfach auch politisch vernetzt war“. Nachdem sich der Graf von Hoensbroech einige Jahre mit dem Kaiserreich arrangiert hatte, begrüßte er Ende 1813 „die eintreffend siegreichen Kosaken“ ausdrücklich als „unsere Erretter“. Leo Peters: „Diese Worte muss man auf sich wirken lassen nach seiner Verehrung für Napoleon“. Clemens reiste 1814 an der Spitze einer Delegation nach Paris zu König Friedrich Wilhelm III.. Seine Mission war es, „ihn zu bitten, bei dem Wiener Kongress wieder die Herrschaft am Niederrhein zu übernehmen“.

Wie sich aus der Fragerunde ergab, handelt es sich bei der Grafenfamilie von und zu Hoensbroech in Barmen um Nachfahren des Protagonisten im Vortrag. Abschließend überreichte Peters dem Fördervereinsvorsitzenden Dr. Rüdiger Urban drei Sonderdrucke mit bislang unbekannten Quellen über die Armierung der Festung Jülich im 16. und 17. Jahrhundert.

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