Welldorf - „Wie machst Du das alles?”

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„Wie machst Du das alles?”

Von: ptj
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Claudia Weber in Aktion in der
Claudia Weber in Aktion in der LVR-Förderschule Linnich. Foto: Jagodzinska

Welldorf. „Ich bin ja mobil”, dieser Satz ist nicht oft aus dem Mund einer Rollstuhlfahrerin zu hören. Die 45-jährige Claudia Weber, die ein eigenes, umgebautes Auto fährt, um noch mobiler zu sein, fällt auf durch ihre besondere Lebensfreude und ihren Willen, durch „Leistung zu überzeugen”, statt auf Mitleid zu bauen.

Die ehemalige Lohn- und Finanzbuchhalterin in den Gemeinnützigen Werkstätten Köln ging 2002 aus gesundheitlichen Gründen in Rente. Weil sie aber „Menschennähe braucht”, engagiert sie sich seit fünf Jahren als Fördervereinsvorsitzende in der Linnicher LVR-Förderschule mit Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, wo sie nach Bekunden ihres Mannes Willibert „fast ein volles Arbeitspensum” leistet.

Zufriedenheit

Dort ist zudem ihre jüngste Tochter Schülerin, die 14-jährige Natascha sitzt ebenfalls im Rollstuhl: Durch einen Sauerstoffmangel bei der Geburt ist ihre linke Körperseite beeinträchtigt. Ehemann Willibert und die älteste Tochter Franziska haben kein Handicap. Für Claudia Weber war es „immer klar, zu heiraten, Haus und Kinder zu haben”. Die gebürtige Kölnerin lernte ihren Mann vor 26 Jahren bei dessen Zivildienst in Köln kennen, die Liebe führte sie nach Welldorf zurück, in der Nähe seines Heimatorts Rödingen. „Wie machst du das alles?”, diese Frage hört die Rollstuhlfahrerin oft.

Bei der Kindererziehung hatte sie „keine Probleme”: Als Wickeltisch diente ein Schreibtisch, „den man unterfahren kann”. Ermüdete das Kleinkind beim Laufen, fand es ebenfalls Platz im Rollstuhl der Mutter. „Ich kann schnell fahren. Meine Kraft liegt in den Armen”, sagt die frühere Sportlerin im Rollstuhlbasketball und -marathon. Sie glaubt, ein plötzliches Zurückgeworfensein in den Rollstuhl, etwa nach einem Unfall, sei wesentlich schwieriger zu bewältigen.

Sie aber litt schon als Baby unter Neuroblastom, der dritthäufigsten bösartigen Krebserkrankung bei Kindern. Die notwendige Operation ereignete sich im zentralen Nervenbereich, ihre Eltern mussten über Leben und Tod ihrer Tochter entscheiden. Sie verheimlichten Claudia Weber allerdings das weitere bestehende Krebsrisiko bis zum 14. Lebensjahr - schließlich ging alles gut. Die engagierte Frau wuchs mit einer Schwester auf, ihre Eltern legten immer Wert auf Selbständigkeit.

Bereits in ihrer Schulzeit an einer Kölner Realschule gab es integrative Unterrichtsfächer. In der anschließenden Höheren Handelsschule waren Claudia Weber und ihre Freundin als erste Rollstuhlfahrer in dieser Schule gewissermaßen Versuchspersonen einer Integration, die anderen Schülern mit Handicap neue Türen öffneten.

Haben Sie sich niemals gewünscht, nicht im Rollstuhl zu sitzen”? „Nein, ich war immer sehr zufrieden mit meinem Leben”, dieser ohnehin glaubhafte Satz aus ihrem Mund wird zudem von Ehemann Willibert bestätigt. „Man ist wie man ist und selbst verantwortlich für sein Leben”, sagt Claudia Weber.
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