Jülich - Widerstand regt sich gegen Super-Windkraftanlagen

Widerstand regt sich gegen Super-Windkraftanlagen

Von: ojo
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Jülich. Sie stehen noch nicht, aber sie wirbeln bereits Staub auf. Gegen die geplanten Windkraftanlagen in der ausgewiesenen Konzentrationszone bei Hottorf formiert sich Widerstand.

„Wir sind dabei, das Dorf zu mobilisieren”, sagt Bernward Fladung. Was ihn und etliche Mitstreiter umtreibt, ist die Aussicht auf einen „Windpark mit sechs Windrädern, mit 200 Metern viel höher als der Kölner Dom”.

Sorge bereitet dabei in erster Linie, dass die Giganten - vorgesehen ist der Repower-Typ 3.2M114 mit einer Nabenhöhe von 123 Metern plus Rotorradius von 57 Metern - „in nur 1000 Metern Entfernung zu einem Dorf errichtet werden, das aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage für Familien mit Kindern und Pendler eigentlich sehr attraktiv ist und neue Bewohner anziehen soll”.

Die Bedenkenträger befürchten, dass so zu sagen vor ihrer Haustür überhastet „ein Vorhaben mit vielen unbekannten Variablen realisiert werden” soll.

Die gesundheitlichen Aspekte und Lebensqualität der Dorfbewohner sehen sie bislang nicht angemessen berücksichtigt. Da sie Zweifel an der Erfahrung der Planer „mit 200 Meter hohen Super-Windkraftanlagen” haben und „mangelnde technische und biomedizinische Kenntnisse der an der Planung Beteiligten” unterstellen, führe das ihrer Ansicht nach „zu groben Planungsfehlern, die eine optimale Standortwahl bislang verhindert” habe.

Der NRW Windkrafterlass von 2011 verlange, dass die Abstandswerte bei der Nutzung der Fläche im Hinblick auf den Immissionsschutz „auf der sicheren Seite” liegen. „Es sind jedoch bislang keine Immissionsmessungen an Immissionspunkten durchgeführt bzw. kommuniziert worden”, sagt die Hottorfer Initiative.

Dauerbeschallung

Bei Windkraftanlagen von 200 Metern Höhe müsse von einem größeren Beschallungsradius ausgegangen werden, folglich auch der Abstand zu Ortschaften größer sein als bei den sehr viel niedrigeren Anlagen. Denn: Dauerbeschallung wirke sich negativ auf Gesundheit und Lebensqualität aus: „Fachleute der bio-medizinischen Forschung sprechen von einer Art chronischem Lärmtrauma.”

Die Dorfbewohner würden so einem langjährigen Lärmstressexperiment ausgesetzt, „denn die von Super-Windkraftanlagen dieser Höhe ausgehende Lärmbelastung ist bislang nicht bekannt”. Auf einen höheren Mindestabstand als einzig wirksamer Schutz der Anwohner sei verzichtet worden, „weil für die Standortwahl Stadt- bzw. Kreisgrenzen maßgebend waren. Kommunale Grenzen treten an die Stelle einer sinnvollen und nachhaltigen Planung.”

Die Hottorfer Initiative stellt letztlich auch den wirtschaftlichen Wert des geplanten Windparks in Frage. „Es gibt ausgewiesene Standorte im Stadtgebiet Linnich mit mehr Windpotenzial. Die Standortwahl ist somit politisch motiviert.”

Als warnendes Beispiel dient Bernward Fladung ein Windpark im belgischen Estinnes mit 200 Meter hohen Windkraftanlagen. Die Dorfbewohner dort hätten aufgrund zu niedriger Abstände unter erheblichem Lärmstress zu leiden.

Die Hottorfer fordern daher konkret einen Mindestabstand von 1500 Metern und eine stärkere „Beteiligung und transparente Standortplanung, statt Planung nach Gutsherrenart”. Alle Fakten und Einwände sollen in einer ergebnisoffenen Diskussionsveranstaltung auf den Tisch. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sammeln die Hottorfer derzeit Unterschriften.
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