Widerstand gegen Schwerlastverkehr auf Wirtschaftsweg in Titz hält an

Von: hfs.
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Der Abtransport der Kartoffeln, die in den Titzer Demota-Hallen gelagert werden, sorgt für mächtig Ärger bei den Anliegern „Zur Düppelsmühle“ und zurzeit auch für einiges Kopfzerbrechen bei den Entscheidungsträgern in Düren. Foto: hfs.

Titz. Selten hat es in der Gemeinde Titz einen solch nachhaltigen Bürgerprotest gegeben wie um den Schwerlastverkehr, der durch die drei Kartoffelanbauern der Firma Demota verursacht wird. Diese unterhalten in der Feldgemarkung an der Düppelsmühle Hallen zur Lagerung von Kartoffeln und Zwiebeln, deren Abfuhr zu erheblichen Verkehrsbelästigungen der Anlieger führt.

Die gingen zuletzt erneut in die Offensive, richteten einen dicken Fragekatalog an die Verwaltung, den diese bei der letzten Ratssitzung umfassend und detailliert beantwortete.

„Frage nicht nach den Kosten, sondern frage, was es uns einbringt.“ So wird Lothar Moll aus Titz in einer großen, aufwendig gestalteten Farbbroschüre auf englisch zitiert, welche die Vorzüge des niederländischen Konzerns Demota anpreist. Moll ist zusammen mit Heinz-Josef Derichs und Richard Tambour Betreiber des Hallenkomplexes oberhalb der Feldgemarkung der Düppelsmühle. Die Titzer Liegenschaft ist eine von 90 Standorten in Deutschland, in denen unter exzellenten technischen Bedingungen Feldfrüchte wie Kartoffeln oder Zwiebel gelagert werden.

Mehr als grenzwertig

Der Abtransport erfolgt mittels Schwerlastverkehr und unter Bedingungen, die auch in den Augen der Titzer Verwaltung ziemlich grenzwertig sind. Der Abtransport geschieht nämlich über einen normalen Wirtschaftsweg, der dann auf die Straße „Zur Düppelsmühle“ mündet, mit Anbindung an die Titzer Ortsdurchfahrt.

Seit 2011 von den drei örtlichen Landwirten betrieben, haben die Vergrößerungen der Lagerflächen auch den Lkw-Verkehr anschwellen lassen. Im Sommer vergangenen Jahres formierte sich erster Widerstand, der bis heute anhält. „Wir haben noch keine einvernehmliche Lösung gefunden“, meinte denn auch der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen bei der Fragestunde der jüngsten Ratssitzung, in der die Verwaltung einen umfangreichen Fragenkatalog beantwortete.

Die Fragen seien, so Frantzen, auch an die zuständigen Stellen der Kreisverwaltung in Düren geleitet worden. Einige Antworten lägen schon vor. „Wir sind nicht Herr des Verfahren“, wiederholte der Verwaltungschef. Er sagte das, denn noch immer seien Teile der Anliegerschaft offenbar davon überzeugt, dass die Gemeinde das Übel verschuldet habe – schon allein durch die Erteilung der Baugenehmigung für die Lagerhallen.

„Das Ganze ist baurechtlich gesehen in Ordnung, es sind landwirtschaftlich privilegierte Bauvorhaben, die genehmigt werden müssen“, unterstrich Beigeordneter Christian Canzler, der mit Fachbereichsleiter Michael Müller den Kontakt zu den externen Entscheidungsträger hält. Das sind der Kreis, die Kreispolizei, die Untere Landschaftsbehörde, das Straßenverkehrsamt und Straßen NRW. „Und die alleine entscheiden im Kontext, wie es weitergeht“, stellte Canzler klar.

War zuerst daran gedacht, den unbefestigten Wirtschaftsweg zwischen dem Pferdegestüt Wirtz zur Landstraße zwischen Titz und Ameln mit Hilfe der Demota zu ertüchtigen, wurde dieser Vorschlag – nach einer ersten Zustimmung – wieder vom Landesbetrieb Straßen NRW zurückgenommen. Grund: Der fließende Verkehr auf der Landstraße werde dann zum dritten Mal nach dem Kreisverkehr vor der Ortseinfahrt Titz und dem Abbiegeverkehr zum Gewerbegebiet – mit einer Abbiegespur auf den dann asphaltierten Wirtschaftsweg – unterbrochen.

Die anschließend überlegten weiteren „Abtransportmöglichkeiten“ für die Lastkraftwagen entlang der Schule, über einen Wirtschaftsweg zwischen Ameln und Kalrath oder aber eine An- und Abfahrtregelung mit Nachtfahrverbot oder einem generellen Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen, wurden ebenfalls erörtert und schon teilweise verworfen.

Jetzt brachten die Anlieger ein Angebot der im Amelner Gewerbegebiet ansässigen Firma Tholen zur Sprache. Die hat sich bereit erklärt, entsprechende Fahrflächen für An- und Abfahrt zu den Lagerhallen zur Verfügung zu stellen. „Schön und gut“, meinte Müller, aber zuerst müsse dieses ja überprüft werden. Zum Beispiel durch die Untere Landschaftsbehörde, denn schließlich führe der angedachte Weg durch Landschaftsschutzgebiet. Da eine Ortsbesichtigung aus Zeitgründen, so Müller, noch nicht stattgefunden hat, könne man derzeit auch noch nicht über Ergebnisse reden.

Auflagen überprüfen

Ob es von der Gemeinde schon kontrolliert worden ist, ob die Landwirte überhaupt die Auflagen zur Betriebserlaubnis erfüllen – es dürfen nur Erzeugnisse aus dem eigenen Anbau gelagert und vertrieben werden – wollten die Anlieger ebenfalls wissen.

Auch diese Frage musste die Titzer Verwaltung weiterleiten, weil sie nicht zuständig ist. „Aber die Bauaufsichtsbehörde des Kreises hat uns schriftlich versichert, dass man sich eine Überprüfung vorbehält“, sagte Canzler. „Wir teilen Ihre Sorgen und sind mit Ihnen einer Meinung, dass die jetzigen Zustände unhaltbar sind“, gab Jürgen Frantzen den rund 30 Anwohnern mit auf dem Nachhauseweg, mit der Versicherung, dass man weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung steht, damit so schnell wie möglich auch ein Alternativweg für die An- und Abfahrt der Demota-Lkws gefunden wird.

Laut Firmenprospekt werden im Bereich der Titzer Liegenschaft der Demota auf rund 120 Hektar Kartoffeln angebaut, deren Ertrag nach sechsmonatiger Einlagerzeit an den Endverbraucher geliefert werde.

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