Whisky und Kokain im Jülicher Polizeikeller

Von: gep
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In Regalen und Schränken lagert Polizeihauptkommissar Hans-Willi Gatzen in Jülich Diebesgut, Tatmittel , Drogen und vieles mehr ein. Foto: gep

Jülich. Ein Kuhfuß aus Aldenhoven, um Fenster oder Türen aufzustemmen, ein Morgenstern, eine altertümliche Schlagwaffe mit einem dornenbewehrten Kopf, aus Titz, ein Bolzenschneider aus Jülich – in der Asservatenkammer der Polizeiwache Jülich lagern Tatwerkzeuge, Diebesgut und Fundsachen.

Polizeihauptkommissar Hans-Willi Gatzen, Leiter des Innendienstes, hat die Schlüsselgewalt über den Lagerraum im Keller. Dort finden sich in den Stahlregalen auch sieben Flaschen Scotch Whisky der Marke Chivas Regal, ebenfalls versehen mit einem Untersuchungsprotokoll des Sachbearbeiters. Oder Würstchen im Glas.

In der Ecke liegt ein Rucksack mit Einbruchswerkzeug und erbeutetem Kupferkabel. An der Wand lehnt, in Karton verpackt, ein Luftgewehr mit Zielfernrohr, ein Unterhebelspanner, Kaliber 4,5 mm. In den letzten Jahren wurden „sehr viele Waffen“ eingelagert, die meist aus Nachlässen stammen. Das eingesammelte Schießgerät wird zentral in Wuppertal vernichtet – durch das Landesamt für Polizeitechnische Dienste.

Im Jahr sind es 700 bis 800 Asservate, die hier zum größten Teil nicht länger als drei Monate eingelagert werden, bis sie an die Staatsanwaltschaft, an eine andere Behörde wie den Zoll, an den Eigentümer weitergeleitet werden oder aber vernichtet werden.

Die Polizei im Kreis Düren lagert insgesamt im Jahr an den drei Standorten Düren, Jülich und Kreuzau etwa 2000 Asservate ein.

Einschlägiger Geruch verbreitet sich, als Gatzen einen Stahlschrank öffnet. Hier liegt beschlagnahmtes Rauschgift, meist in „ganz kleinen Tüten“ verpackt , die die üblichen „Konsumeinheiten von ein bis fünf Gramm beinhalten. Die Funde werden meist bei Verkehrskontrollen gemacht. In der Regel handelt es sich um Haschisch, Marihuana, Heroin, Kokain und Amphetamine.

Designer-Drogen sind aber „äußerst selten“ und LSD ist längst out in der Rauschgiftszene, sagt der Sprecher der Kreispolizeibehörde , Erster Polizeihauptkommissar Willi Jörres. Untersucht und bestimmt werden die Betäubungsmittel (BTM) in der Regel im Labor des Landeskriminalamtes (LKA) in Düsseldorf.

Kurz vor Weihnachten war eine „einmalig große Menge“ Rauschgift (Gatzen) auf der Jülicher Wache gebunkert. Sie wurde in der Müllverbrennungsanlage Weisweiler vernichtet. Polizeibeamte ließen die speziell eingepackten Drogen nicht aus den Augen, bis die blauen Beutel in der Gluthitze des Ofens verschwanden.

Deponiert werden auch Fundsachen wie Kreditkarten, die in einem Geld- oder Bezahlautomaten stecken geblieben sind, oder Schlüssel jedweder Art. „Der Klassiker ist die EC-Karte“, stellt Hauptkommissar Gatzen fest. Oben im Tresor werden beschlagnahmtes Falschgeld oder sogenannte Sicherheitsleistungen, die bei Verkehrsdelikten von Ausländern vereinnahmt werden, deponiert.

Auch Tierkadaver werden asserviert – wie etwa Greifvögel, bei denen der Verdacht auf Vergiftung besteht. „Die kommen bei uns in den Kühlschrank“, sagt Jörres.

Verwahrt werden im Polizeikeller auch „Spurenträger“ von Straftaten – wie etwa ein Handy mit Fingerabdrücken, eine Dose Bier mit DNA-Material oder Pflastersteine, die als „Tatmittel“ sichergestellt worden sind.

Elefantenfuß

Beweismittel sind auch Reste von Blinkerglas oder Außenspiegeln, die von Verkehrsstrafsachen/Unfallfluchten herrühren. Das spektakulärste Asservat auf der Jülicher Wache war bisher ein ausgehöhlter und präparierter Elefantenfuß. Daran erinnert sich Polizeioberkommissar Fred Schüller. Die Trophäe wurde vor zehn Jahren bei einer Wohnungsdurchsuchung aufgrund eines BTM-Verdachts gefunden.

Das 50 Zentimeter hohe Präparat „sah schon komisch“ aus, sagt Schüller. Monatelang stand der Elefantenfuß im Keller, bis er an den Zoll abgegeben wurde, der mit Blick auf das Washingtoner Artenschutzabkommen weiterermittelte. Wilderei wegen des Elfenbeins ist ein Mordsgeschäft.

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