Rödingen - Werke von drei Künstlern in der Galerie „Alte Weberei“

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Werke von drei Künstlern in der Galerie „Alte Weberei“

Von: jago
Letzte Aktualisierung:
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Die aktuelle Ausstellung in der Rödinger Galerie „Alte Weberei“ zeigt Bilder von Nicolai Seyfarth (v.l.), Objekte von Czaja Braatz und geschnittene Pappen von Franz-Josef Kochs. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Unauffällig bewegt sich ein Mann durch die große Halle der Galerie „Alte Weberei“ in Rödingen, in der neben sehr vielen kleinen, zumeist in subtilen Arrangements angeordneten zweidimensionalen Pappfigürchen einige große Pappmenschen silhouettenhaft aufgestellt sind.

Als Kind hat der Künstler Franz-Josef Kochs, Jahrgang 1951, den Alltagskatholizismus auf dem Land hautnah erlebt, den er hier in Szene setzt. Ironisch, witzig, ein die Scheinheiligkeit entlarvendes Schiebetheater. Der Mann beobachtet die Betrachter von Kochs‘ Figuren, hält ihre Reaktionen im unbeobachtet geglaubten Moment fotografisch festhält.

Diorama mit Schutzengel

Der Mann ist Franz-Josef Kochs. Er setzt Spontanmomente in Kartonfiguren um, die oft eine frappierende Ähnlichkeit zu Zeichnungen von Wilhelm Busch aufweisen. Stellvertretend für die kritische Aussage ist ein kleines Diorama, in dem der Schutzengel für den Fotografen posiert und dabei vergisst, den in die Hölle abstürzenden Sünder vor den Teufeln zu retten.

In ihren Ausstellungen präsentiert Galeristin Brigitte Habig gewöhnlich eine äußerst sehenswerte Kombination dreier Gegenwartskünstler, so auch diesmal. Neben Kochs geben Czaja Braatz und Nicolai Seyfarth einen Einblick in ihr Werk.

Auf den Spuren Piet Mondrians

„Was malst du denn da für einen Schmarrn“, hinterfragte Seyfarth eins seiner Gemälde und gab ihm konsequenterweise den Titel „Schmarrn“. Damit konfrontiert muss der Betrachter für sich selbst feststellen, wie er damit umgehen soll. Nicht gegenständliche Malerei fordert mehr als ein oberflächliches Anschauen, oftmals provoziert sie bei weniger kunstaffinen Betrachtern die Aussage, dass man das selbst auch malen könne.

Darauf hat Seyfarth eine äußerst interessante Antwort: „Zeitgenössische Kunst wäre langweilig ohne diesen Satz ‚Das kann ich selbst auch‘.“ Dass er nicht aus Stimmungen heraus male, erklärt der Künstler im Gespräch. Seine Bilder sollen eine hohe Signifikanz haben, ihre Geschichte darf nicht ausfransen. Fast zwangsläufig ergibt sich aus dieser Herangehensweise, die sich auf den Spuren von Piet Mondrian bewegt, eine klar definierte Offenlegung von Strukturen.

Wurzeln überlagern und durchdringen erst beim zweiten Blick erkennbare Kruzifixe in einer Installation von Czaja Braatz. Überzogen von einer konservierenden Melange aus Gaze und Leim wird das Wurzelwerk zum Sinnbild des „Sichausbreitenkönnens“. Der Bezug zur christlichen Kultur drängt sich durch die Kreuzsymbolik auf. Ist die Durchdringung gut, ist sie schlecht? Im Werk selbst bleibt diese Frage von der Künstlerin unbeantwortet, im Gespräch meint sie: „Der Typ an sich war in Ordnung“. Die Entscheidung überlässt Czaja Braatz jedoch dem Betrachter. Die Ausstellung ist noch am 13. und 14. Juni jeweils von 15 bis 19 Uhr geöffnet.

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