Jülich - „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ lässt feine Nuancen vermissen

„Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ lässt feine Nuancen vermissen

Von: Hilde Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
8888632.jpg
Die lange Nacht, der Alkohol und die vielen erniedrigenden Beleidigungen zeigen ihre Wirkung. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Im Rahmen der Theaterreihe der Stadt Jülich servierte die Landesbühne Sachsen-Anhalt dem Publikum das Theaterstück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ von Edward Albee. Dieses Werk hat sich seit seiner Uraufführung 1962 in New York zum Bühnenklassiker entwickelt.

Der Titel des Stückes erwähnt die Schriftstellerin Virginia Woolf und ist eine Anspielung auf das Kinderlied „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“ Drei Akte umreißen das böse Spiel des Gerichtsprofessors George und seiner Frau Martha, die seit 20 Jahren verheiratet sind.

Gerade erst von einer Feier um 2 Uhr heimgekehrt, eröffnet Martha ihrem Gatten, dass sie noch ein Pärchen – den Biologie Professor Nick und seine Frau Honey – eingeladen hat. Schwer alkoholisiert treffen die Paare aufeinander.

Je mehr der Alkoholkonsum zunimmt, umso mehr bröckelt die Fassade der Ehepaare. Martha demütigt ihren Mann vor den Gästen und stellt ihn als beruflichen Versager dar. Die Gäste müssen hilflos zuschauen. Aber bald wird auch der Gast Nick als Versager entlarvt. Er hat seine Frau nur wegen ihrer angeblichen Schwangerschaft und des Geldes ihres Vaters geheiratet.

Die Situation eskaliert. George versucht seine Frau zu erwürgen, Martha verführt Nick in der Küche, Honey betrinkt sich haltlos und bekommt Wahnvorstellungen. George bekommt die entscheidende Idee, wie er sich an seiner Frau rächen kann und lässt ihre erfundene Geschichte von dem gemeinsamen Sohn, den sie in ihrer Fantasie erschaffen hat, mit einem Unfalltod enden. Ihre Lebenslüge ist zerstört.

Der gemeinsam durchgespielte Trauerakt führt das Paar in den Morgen der Realität und beendet Marthas die Flucht in die Nacht und die Welt des Irrealen. Honey versteht auf einmal durch Marthas Schicksal, welche Bedeutung Kinder haben und revidiert ihre Meinung zur Mutterschaft. Die Rückkehr in die reale Welt, der Sprung aus Marthas Reich der Fantasie in die Wirklichkeit zeigt einen Weg, aus der Hoffnungslosigkeit der Nacht vielleicht doch noch einen Ausweg in der Gemeinsamkeit zu finden.

Das Subtile der Handlung und die Zeichnung der Charaktere wurden bei der Inszenierung der Landesbühne Sachsen-Anhalt in der Regie von Esther Undisz nicht ganz getroffen. Gerade im ersten Akt agierte Ute Loeck als Martha laut und schrill, fast schon ordinär. Sicherlich verlangt die Rolle eine gewisse Brutalität in der Darstellung, aber der Alkoholkonsum beinhaltet eine Steigerung der Unkontrolliertheit in der Handlung, während das Spiel in den ersten Szenen schon reichlich exzessiv und überakzentuiert wirkte.

Im Verlauf des Spiels gewann die Darstellung der gestörten Persönlichkeit an Differenzierung. Oliver Beck gelang mit der Darstellung des George, des als Versager gedemütigten Ehemannes, der sich psychologisch raffiniert rächt, eine großartige schauspielerische Leistung.

Michaela Dazian als Honey, Süße, und Patrick Oliver als ihr gutaussehender Mann Nick spielten ihre Rollen mit großem Engagement. Die Inszenierung gewann im Verlauf des Abends an Tiefe. Schade, dass gerade zu Beginn der rote Faden, der die Charaktere und ihre Entwicklung zeichnete, nicht fein genug gesponnen wurde.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert