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Wer braucht den Jülicher Rurschnellweg?

Von: Volker Uerlings und Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
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Die Bundesstraße 56 wird hier zur Jülicher Westumgehung und steigt an: Das ist der Damm vor den Poldern der Zuckerfabrik. Wenn die Mehrzweckstreifen bleiben sollen, müsste rechts und links jeweils eine komplette Spur „angebaut“ werden, um die B56 vierstreifig zu gestalten. Foto: Guido Jansen
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Das Nadelöhr Niederzier-Selhausen. Hier setzt die Bebauung einer Straßenverbreiterung Grenzen. Foto: Abels

Jülich/Niederzier. Das Vorhaben ist ehrgeizig. Aber ist es auch sinnvoll? Im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplanes ist der Ausbau der Bundesstraße 56 von Jülich bis zur Autobahnanschlussstelle Düren vorgesehen. Der Bedarf wird als „vordringlich“ eingestuft.

In dem Papier von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sind die geschätzten Kosten aufgeführt: 52,2 Millionen Euro. Das Projekt ist schon seit fast drei Jahren auf der Überholspur, als der Regionalrat Köln den vierstreifigen Ausbau dringend empfohlen hat. Nun fand es Berücksichtigung im deutschen Straßenbau-Konzept. Aber eine Frage kann immer noch nicht beantwortet werden: Warum?

Eine Vermutung liegt nahe: Die Straße zwischen den beiden großen Städten des Kreises Düren könnte genau auf diesem Teilstück im Norden massiv überlastet sein. Eine Äußerung hierzu gibt es aber von niemandem, nur eine Zahl: 16000 Fahrzeuge wurden hier täglich gezählt. Ist das zu viel? Auch im neuen Verkehrsplanentwurf ist keine nähere Erläuterung zu finden. Der Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs wurde bislang nicht näher informiert. Er weiß allerdings: „Ich bin jahrelang von Jülich nach Düren gependelt. Staus gab es auf dem nördlichen Teil der B56 eigentlich nur bei Unfällen.“ Natürlich will er sich mit den Fachleuten der Stadtverwaltung genau mit dem Vorhaben, das nicht terminiert und noch nicht einmal geplant ist, auseinandersetzen.

Perspektivisch könne er sich den Sinn nur mit einer Anbindung mehrerer geplanter Gewerbegebiete erklären, die für eine Steigerung der Schwerverkehr-Mengen sorgen könnten: zum Beispiel von der Autobahn 4 in Richtung Merscher Höhe. Aber das sei, so Fuchs, nur eine Vermutung.

„Umweltschutzfachliches Urteil“

Im Plan selbst gibt es einen zweiten Hinweis auf die mögliche Notwendigkeit dieser vermeintlich „vordringlichen“ Ausbaumaßnahme, die über 52 Millionen Euro kosten soll: Die „Umwelt- und Naturschutzfachliche Beurteilung“ sei „hoch“. Warum? Auch das ist weder erkennbar noch erklärt. Nachfragen beim Landesbetrieb Straßen.NRW konnten am Mittwoch nicht beantwortet werden.

Der vorgeschlagene Ausbau ist deswegen ein ehrgeiziges Vorhaben, weil die gut zwölf Kilometer lange Strecke topographisch wirklich einiges zu bieten hat. Von Jülich aus betrachtet liegen nicht nur Brückenbauwerke auf der Trasse, sondern auch ein gewaltiger Damm vor den Poldern der Zuckerfabrik, besser bekannt als Westumgehung. „Wenn hier die Mehrzweckstreifen erhalten bleiben sollen, dann brauchen wir zum vierstreifigen Ausbau der Bundesstraße 56 rechts und links jeweils eine komplette neue Spur“, sagt der Jülicher Tiefbauamtsleiter Robert Helgers. „Ich halte das für schwierig.“ Das größte Problem solcher Ausbauprojekte – auch bei einer Verbreiterung der Westumgehung – ist nach Erfahrung des Fachmanns der Jülicher Verwaltung „immer der Grunderwerb“.

Ein nicht minder gewichtiges Problem ist natürlich das der Lärmbelästigung. Das Nadelöhr der Strecke ist sicher der Niederzierer Ortsteil Selhausen. Hier setzt die vorhandene Bebauung einem Ausbau Grenzen – zumindest, wenn an den kombinierten Geh- und Radwegen an beiden Seiten festgehalten werden soll. Und selbst dann führte die dann vierspurige Bundesstraße 56 unmittelbar an Wohnhäusern vorbei. Solche Lösungen kennt man aus Essen, vom Ruhrschnellweg. Ob dem der Rurschnellweg nacheifern wird?

Schon vor zweieinhalb Jahren, als das Projekt vom Regionalrat Köln favorisiert wurde, zeigte sich Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser skeptisch. Ein Ausbau könnte sinnvoll sein, betonte Heuser damals, machte aber auch auf die Probleme des Lärmschutzes und fehlenden Platzes aufmerksam. Probleme, die der Landesbetrieb Straßenbau jetzt lösen muss. Wann mit dem Bau begonnen wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus dem Kreis Düren, Thomas Rachel und Dietmar Nietan, haben jedenfalls die Berücksichtigung des Kreises Düren im Bundesverkehrswegeplan mit drei Maßnahmen jeweils erfreut zur Kenntnis genommen, wie beide mitteilten. „Projekte, die als ‚vordringlicher Bedarf‘ eingestuft sind, haben eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, bis 2030 realisiert zu werden“, betont Nietan.

Neben der B56 bei Jülich/Niederzier sind auch Projekte in Düren und Merzenich enthalten.

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