Titz - Wenns brennt, sind Solardächer eine tödliche Gefahr

Wenns brennt, sind Solardächer eine tödliche Gefahr

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Photovoltaikanlagen stellen Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung vor große Probleme. Die Stromproduktion stellt eine tödliche Gefahr dar. Foto: hfs.

Titz. Wer durch Ortschaften fährt, sieht immer mehr Photovoltaik-Zellmodule auf den Dächern von Wohnhäusern, vor allem aber auf landwirtschaftlich oder gewerblich genutzten Gebäuden. Aus energietechnischen Gründen begrüßenswert, wird diese Entwicklung für die hiesigen Feuerwehren jedoch im Brandfall zum großen Problem.

Für Photovoltaikanlagen gibt es noch keine Bauvorschriften. Wer es sich als Eigentümer leisten kann, der deckt sein Dach komplett vom First bis zur Traufe mit den Zellmodulen ein. „Dies führt dazu, dass bei der Brandbekämpfung diese Anlagen wie ein Deckel wirken, uns damit den äußeren Zugang zum Feuer im Innern des Gebäudes versperren”, sagt Martin Roß, Gemeindebrandmeister in Titz. Der erstmals mit diesem Problem konfrontiert wurde, als er mit dem Titzer Löschzug im Vorjahr bei einem Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Katzem überörtliche Hilfe leistete.

„Gott sei Dank haben wir nur Brandbeobachtung gemacht, haben gewartet, bis die Wehr aus Heinsberg anrückte”, sagte Roß rückblickend. Heute gibt er seinen Wehrleuten den Rat, das Gebäude samt Anlage brennen zu lassen. „Denn bisher steht uns in Titz kein Mittel zur Verfügung, um die Stromproduktion der Solarzellen zu unterbrechen.”

Spannung schon bei Mondlicht

Photovoltaikanlagen haben die Eigenschaft, dass sie bei Lichteinfall auf die Zellmodule elektrische Energie liefern. Selbst bei schwachen Lichtquellen, zum Beispiel einer Straßenlaterne oder Mondlicht, kann bereits eine gefährliche Spannung anliegen. „Rund 40 Volt Gleichstrom können tödlich sein”, hebt Roß das Gefährdungspotential heraus. „Und die Anlagen werden immer größer”, hat der Gemeindebrandmeister festgestellt. So sind je nach Größe der Anlage und der Schaltung der Module bis zu 1000 Volt Gleichstrom möglich. Die Spannungserzeugung wird erst gestoppt, wenn die „Lichtquelle abgeschaltet ist”, kennt Martin Roß das Übel, vermittelt dies auch in den theoretischen Übungsstunden, die sich speziell diesem Thema widmen.

Im Ernstfall höchst gefährlich

Verschiedene Versicherungen und auch der Feuerwehrverband NRW haben reagiert, haben Merkblätter herausgegeben. „Für uns Feuerwehrleute bedeutet dies, im Löscheinsatz unbedingt die in den Vorschriften für elektrische Anlagen vorgesehenen Sicherheitsabstände einzuhalten.” Im Klartext: So weit wie möglich von stromführenden Anlagen weg. Doch dies könnte im Ernstfall bedeuten, dass möglicherweise in einem brennenden Gebäude Personen eingeschlossen sind, die man nur über „Dacheinstieg” retten kann.

Vor einigen Tagen konnten Roß und Kameraden im Brandschutzzentrum in Stockheim eine Möglichkeit kennenlernen, Photovoltaikanlagen am Tage unschädlich zu machen. „Die Industrie hat dafür einen schwarzen Löschschaum entwickelt. Der wird aufgesprüht, bringt die Stromproduktion zum Erliegen. „Denn wie will man sonst Tageslicht ausschalten?”, fragt Roß. Der Praxistest hat, so durften die Titzer Wehrleute hautnah erleben, funktioniert. „Ich werde den Schaum für unsere Wehr bestellen, vorausgesetzt, er ist bezahlbar.”
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