Wenn Satan über das Forschungszentrum wacht

Von: Guido Jansen
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Sie kennen jede Ecke im Forschungszentrum: Harald Kilsch und Satan sind ein eingespieltes Gespann. Foto: Guido Jansen
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Lebhaft: Rolf Hannot trainiert mit der belgischen Schäferhündin Nelly. Foto: Guido Jansen

Jülich. Harald Kilsch vertraut auf Satan. Kilsch ist 59 Jahre alt und Mitarbeiter beim Objektschutz am Forschungszentrum Jülich (FZJ). Satan hat elf Jahre auf dem Buckel, ist ein Hollandse Herdershond, also ein holländischer Schäferhund, und Mitglied der Hundestaffel am FZJ.

Zehn Männer und zehn Hunde stehen für die Sicherheit der über 5500 Mitarbeiter und diverser hochwissenschaftlicher Apparaturen ein. Rund um die Uhr. Sie laufen in kleinen Teams Patrouille am Zaun und durch das 2,2 Quadratkilometer große Areal.

Kilschs Kollege Fritz Küppers stellt schnell klar, wie die Aufpasser des FZJ es mit den Hunden halten. „Sie sind nicht nur Kollegen, sondern oft auch vollwertige Familienmitglieder.“ Mensch und Hund gingen eine Partnerschaft für ein Hundeleben ein. Die Tiere kommen nach ihrer Ausbildung ins Team, arbeiten, bis sie neun, zehn oder elf Jahre alt sind – das hängt von der Fitness ab.

„Sie verbringen hier bei uns auch ihren Ruhestand“, sagt Theo Timmermanns, der Leiter Objektsicherungsdienst. Bis dass der Tod sie scheidet. Entweder, weil die Hunde altersbedingt sterben. Oder weil medizinische Gründe dafür sprechen. „Wir tun hier alles dafür, das Leben der Hunde zu verlängern. Das Leiden verlängern wir aber nicht“, schildert Kilsch die Devise. Das seien schwere Momente für die menschlichen Mitarbeiter der Hundestaffel, in denen der Verstand die Oberhand über das Herz haben müsse.

Vor zehn Wochen hat Fritz Küppers seine Kollegin und Freundin Kiara auf ihrem letzten Gang begleitet. Das sei man dem Tier schuldig. „Der Hund hält für seinen Menschen den Kopf hin. Und umgekehrt“, erklärt Hundeführer Rolf Hannot die Beziehung Zweibeiner/Vierbeiner. Küppers schämt sich nicht, zuzugeben, dass er geheult hat wie ein Schlosshund, als Kiara tot war.

Neuneinhalb Jahre haben sie jeden Arbeitstag und so manchen privaten Moment miteinander verbracht. Derzeit läuft die Suche nach einem neuen Partner für Küppers. Wenn die Hundeführer zusammensitzen, dann reden sie oft über die Erlebnisse, die sie mit ihren Vierbeinern hatten. „Weißt du noch...?“

Von Vertrauen und Freundschaft zwischen Mensch und Hund zu schreiben, reicht nicht aus, um die Hundestaffel zu beschreiben. „Dienst ist Dienst“, sagt Harald Kilsch. Hund und Mann müssen auf Streife, egal, ob Regen oder Sonne, ob Tag oder Nacht. Jeder hat seine Aufgaben. Die Hunde sollen anzeigen, falls sich Personen verstecken. Und sie sollen ihre Menschen beschützen.

„Ein Hund macht dann schnell mehr Eindruck als eine Waffe“, schildert Kilsch den scharfen Aspekt der Arbeit. Die Hunde müssen so trainiert sein, dass sie erst auf Anweisung handeln. Oder einen Notfall von selbst erkennen. Und da schließt sich der Kreis. „Wenn die Basis zwischen Mensch und Hund nicht stimmt, dann kann das Team nicht funktionieren“, sagt Rolf Hannot. Vertrauen ist die Basis. Und die muss von Anfang an stimmen.

Hunde, die das FZJ beschützen sollen, müssen eine Ausbildung durchlaufen und Prüfungen bestanden haben. Dann folgt in Jülich eine Probezeit von einem Monat. In der soll herausgefunden werden, ob Hund und Hundeführer sich riechen können. „Wenn die Chemie nicht stimmt, dann tauschen wir die Hunde untereinander aus. Wenn das nicht möglich ist, dann geben wir den Hund zurück“, erklärt Timmermanns.

Passt es nach dem ersten Monat, dann lernen Hund und Hundeführer sich noch näher kennen. Der Hund muss dann lernen, auch mit den anderen Hundeführern klarzukommen – für den Fall, dass Herrchen Urlaub hat oder krank ist. Pflicht des Menschen neben Pflege und Fütterung: Darauf achten, dass die Hunde nicht zu viel Stress und genügend Freizeit haben.

Die Freizeit der Hunde gehört zur Arbeit der Hundeführer: Toben, Spielen und Schwimmen. Eines sind die Jülicher Schutzhunde aber nicht: Kuscheltiere. Streicheleinheiten von Fremden: Das funktioniert mit Satan und seinen Kollegen nicht.

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