Wenn der Mensch nicht mehr ins Theater kann...

Von: ptj
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Ein Schwein im Seniorentheater
Ein Schwein im Seniorentheater: (V.l.) sorgen Bäuerin Ursel Schütte, Erbtante Else Schumacher und Bauer Maria Nepumuk für reichlich Verwicklungen. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Wir wollen den Senioren zeigen: Auch der alte Mensch kann auf der Bühne noch was leisten”, ermunterte der moderierende Gerd Linneweber vom Jülicher Seniorentheater die vielen älteren Menschen im voll besetzten Café Pasqualini, es der 12-köpfigen Truppe gleichzutun. Freude und Frohsinn in das „Alten Alltagsleben” zu bringen, ist erklärtes Ziel des Seniorentheaters.

Nach erfolgreicher Tournee durch Alten- und Pflegeheime in der Region Düren, Heinsberg und Aachen kehrte die aus Laienspielern bestehende Mundarttheatertruppe zur Vorstellung ihres Herbstprogramms wieder dorthin zurück, wo sie sich vor vier Jahren gegründet hatte: in die Seniorenwohnanlage Pasqualini.

Mit dem vom Publikum gerne mitgesungenen „Hexenturmlied”, eine Hommage an die Herzogstadt, startete die Truppe ihr zweistündiges Programm, ein amüsanter Mix aus Liedern und Sketchen unter der Devise: „Wenn der Mensch nicht mehr zum Theater gehen kann, kommt das Theater zum Menschen”.

Der erste Sketch trug schlicht den Titel „Schwein”. Natürlich handelte es sich um ein „erzogenes” Plüschtier-Exemplar, das der Bauer (Maria Nepumuk) beim Schweinekauf auf dem Markt in die Küche seiner Gattin (Ursel Schütte) gebracht und dort in den Kinderwagen gelegt hatte. Jede Menge heiterer Verwicklungen waren natürlich vorprogrammiert, als die reiche Erbtante (Else Schumacher) dem Paar einen Besuch abstattete.

„Die Wallfahrt nach Kevelaer” hieß der folgende Sketch, der schon im Vorfeld für reichlich Lacher sorgte: Lena (Trude Linneweber) und Köbes (Elisabeth Illing) pilgerten zu Fuß nach Kevelaer und gerieten unterwegs über ihr unterschiedliches Tempo in Streit. Hintergrund war die Weisheit: „Wenn man sich nicht so viele Erbsen in die Schuhe tut wie man Sünden abzubüßen hat, hat dat Wallfahrten keinen Sinn.” Während Köbes ihr brav Folge geleistet hatte, war Lena auch hier erfinderisch: Sie hatte die Erbsen am Vorabend weich gekocht. Gerne stimmte das bestens gelaunte und erheiterte Publikum mit in das Wallfahrtslied ein: „Maria, breit den Mantel aus”.

Kein Auge blieb trocken beim Zweiakter „Die Hochzeit”, in dem eine Frau jenseits der besten Jahre (Elisabeth Illing) beim Pfarrer (Lothar Husemann) vorsprach, um ihre bevorstehende Hochzeit zu planen. Komplettpreis 25 Euro. Wenig erstaunlich schien es dem lachenden Publikum später, dass die bezaubernde Braut alleine zum Altar schritt.

Im anschließenden „Kartoffellied”, ein Loblied auf den Erdapfel mit Rezeptvorschlag für jeden Tag, zeigten die Seniorenschauspieler noch ein Übriges: Dass ein Siebzig- oder Achtzigjähriger auch noch eine wohlklingende Stimme haben kann. Weiter ging es mit einer Modenschau der anderen Art: Sie zeigte die Vielfältigkeit von Unterhosen. Im „Café Mozart” sollte im Anschluss eine Serviererin angelernt werden, die sich jedoch als „Buuretrampel” erwies. Weitere Lieder folgten, darunter das „Schwäfelsdüsje-Lied”, das, natürlich in Mundart, eine alte Jülicher Pinte besang.

Im abschließenden donnernden Applaus dankte das begeisterte Publikum für zwei Stunden beste Unterhaltung.
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