Weltfrauentag: „Wir brauchen mehr Frauen in der Politik“

Von: Daniela Driefert
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Frauen erzählen von ihren Erfahrungen in der Kommunalpolitik: Despektierliches Verhalten seitens der männlichen Kollegen und die Konfrontation mit Rollenklischees gehören zum Tagesgeschäft. Hier zu sehen sind die jüngste Ratsfrau aus dem Kreis Düren, Isabell Elsner (r.) und Gudrun Zentis MdL. Foto: Driefert

Linnich. Internationaler Frauentag. Der Tag gibt Anlass die vermeintlichen Errungenschaften der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu preisen und die fehlende Gleichstellung anzumahnen. Auch auf der politischen Bühne ist Deutschland von einer paritätischen Besetzung der Ämter und Sitze, egal ob auf kommunaler, Landes-, oder Bundesebene, weit entfernt.

Der Ortsverband Linnich der Bündnis 90/ Die Grünen nimmt den Internationalen Frauentag zum Anlass mit Kommunalpolitikerinnen über ihre Erfahrungen in der Politik zu sprechen. Die Veranstaltung findet im Glasmuseum statt und startet mit einer kleinen Führung durch das Ausstellungshaus unter der Leitung von Dr. Myriam Wierschowski.

„Als Leiterin eine starke Frau, die zeigt, dass wir als Frauen auch unseren Mann stehen können“, sagt Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker, die anschließend betont, von Gleichstellung könne dennoch nicht die Rede sein. „Gerade in der Kommunalpolitik sind Frauen deutlich in der Minderheit.“ Es ist nicht nötig bis in die USA zu schauen, um zu sehen wie das Rollenbild in den Köpfen verankert ist. „Im Wahlkampf war Schunck-Zenker die einzige Kandidatin, die immer wieder gefragt wurde, wie sie den Spagat zwischen Job und Familie meistern will.

Die Frauenreferentin des grünen Landesverbandes Angela Hebeler berichtet von rauen Umgangsformen in der Kommunalpolitik, mit Angriffen deutlich unter der Gürtellinie - für Frauen schwer zu ertragen. Landtagsabgeordnete Gudrun Zentis gibt die Anekdote zum Besten, dass sie noch im Alter von 45 Jahren mit der Bezeichnung „Mädchen“ angesprochen und betitelt wurde. Zu Isabell Elsner wiederum sagte eine Gesprächspartner, mit 21 Jahren die jüngste Ratsfrau im Kreis Düren, sie solle noch ein paar Fruchtzwerge essen, bevor sie in die Politik gehe.

Deutlich wird: Frauen in der Politik werden mit Rollenklischees und despektierlichem Verhalten konfrontiert. Sie sind in der Minderheit, eine Gleichstellung ist noch lange nicht erreicht. Ob eine Frauenquote helfen kann? Eva Maria Kolonko-Hinssen, Kreistagsmitglied und Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stadtentwicklungsgesellschaft Jülich, vertrat vor Jahren die Meinung: „Eine Frauenquote brauchen wir nicht“. Mit zunehmender Erfahrung in der Kommunalpolitik änderte sich ihre Einstellung. Heute, nach jahrelanger Ratsarbeit, ist sie überzeugt: „Ohne Quote geht es nicht“.

Dr. Sonja Bischoff, Stadtverordnete in Linnich, engagiert sich in der Politik seit ihrer Studentenzeit. Mit einer Körpergröße von 1,83 Meter, scheint sie gewappnet gegen herablassende Bemerkungen. Als kleines Mädchen habe sie noch niemand betitelt, sagte Bischoff und forderte abschließend: „Wir brauchen mehr Frauen in der Politik!“ Aktuell sei die Stimmung im Linnicher Rat gut – ein perfekter Zeitpunkt, um für Frauen zu werben.

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