Jülich - Welldorfer Know-how geht um die Welt

Welldorfer Know-how geht um die Welt

Von: Guido Jansen
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Kleine Kühlanlage, großes Einsparpotenzial: Der Drehofenkühler aus Welldorf besprüht gezielt heiße Stellen mit Wasser. Foto: Kima
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Die Abhöreinrichtung für Zementkugelmühlen stammt aus ihrer Hand: Matthias (l.) und Peter Kalkert. Foto: Jansen

Jülich. Wer etwas verkaufen will, der beginnt ein Gespräch nicht so, wie Peter Kalkert es gerne macht. „Wir sind wahrscheinlich die unbekannteste Firma in Jülich“, sagt der Gründer von Kima Echtzeittechnik aus Welldorf. Kalkert ist schlicht nicht darauf angewiesen, in Jülich bekannt zu sein.

Das hat nichts mit Hochmut oder Ignoranz zu tun, sondern mit der Tatsache, dass in Jülich niemand eine riesige Zementfabrik betreibt. Ein paar Tausend Produktionsanlagen gibt es laut Kalkert weltweit, 700 funktionieren mit Technik aus Welldorf. Kima hat 21 Mitarbeiter, die Firma exportiert mehr als 90 Prozent ins Ausland, in 35 Ländern hat sie Vertriebspartner.

Von Zement hatte Peter Kalkert, Doktor der Physik, vor 21 Jahren genau so viel Ahnung wie jeder, der in den Baumarkt geht und sich einen Sack Zement kauft, um eine Gartenmauer zu bauen. „Dass dieses graue Zeug ein High-Tech-Baustoff ist, das war mir damals nicht klar.“ Denn Zement ist nicht gleich Zement, weiß Kal-kert heute. Es gibt den für Gartenmäuerchen, dann den für Rollbahnen an Flughäfen, der innerhalb von 15 Minuten hart sein muss. Im Gegensatz zu solchem Zement, mit dem Wolkenkratzer gebaut werden. Der braucht sehr viel länger, um auszuhärten.

Megawatt-Motoren

„Das Herstellen von Zement ist der größte industrielle Einzelprozess, den wir kennen“, erklärt Matthias Kalkert, der als Maschinenbauer in das Unternehmen seines Vaters eingestiegen ist. Energieverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß seien enorm hoch. Letzterer ist weltweit genau so groß wie der Ausstoß aller privaten Autos.Und der Motor einer Kugelmühle verbraucht zwischen drei und vier Megawattstunden. Und genau da setzt Kima mit seinen Entwicklungen an.

Beispiel Kugelmühle. Das ist ein waagerecht installierter Zylinder von über 20 Metern Länge und vier Metern Durchmesser. Sie ist viele Tonnen schwer, insbesondere wegen der Stahlkugeln in ihrem Inneren, die mit ihrer Bewegung dafür sorgen, dass der Zementklinker zermahlen wird. Befindet sich zu wenig Klinker in der Kugelmühle, dann stimmt erstens der Ertrag nicht und zweitens nutzen die Kugeln zu schnell ab, weil sie zu oft miteinander kollidieren. Ist die Mühle zu voll, dann mahlt sie nicht effektiv.

Die Welldorfer haben eine Art Abhörvorrichtung entwickelt, die wie das Stethoskop eines Arztes funktioniert. Damit horchen sie in die Mühle hinein und stellen den Befüllungsgrad fest. Das Signal wird per Funk weitergeleitet und sorgt dafür, dass die Klinker-Zufuhr reguliert wird. „Die Kugeln sind teuer. Wenn sie weniger schnell abnutzen, dann spart das viel Geld. Das gilt auch, wenn es nur gelingt, dass ein Megawatt-Motor ein paar Prozent weniger Energie verbraucht“, sagt Matthias Kalkert.

Optimiert hat Kima auch den anderen schweren Arbeitsschritt im so genannten Drehofen. Auch der ist ein waagrecht gelagerter rotierender Zylinder, bis zu 80 Meter lang. „Innen drin ist die Hölle“, beschreibt Peter Kalkert. Bei 1500 Grad wird der Zement zu Magma geschmolzen und damit entsäuert. Erfahrungsgemäß verliert die Hülle des Ofens nach 12 bis 18 Monaten ihre isolierende Wirkung, die Außenhülle wird zu heiß, mit dem Wechsel von Erhitzen und Abkühlen kann sie brüchig werden.

Also wird gekühlt, um die Lebensdauer des kolossalen Ofens zu verlängern. Bisher geschah das mit großen Gebläsen mit hohem Stromverbrauch. Die Welldorfer Lösung: ein Infrarot-Scanner, der rund einen Meter oberhalb einer Wasserdüse installiert wird und die Oberfläche auf Hitzestellen abtastet. Erfasst er einen so genannten Hotspot, dann löst er die Düse aus, die genau diese Stelle mit Wasser kühlt. Das Gebläse verbraucht per se deutlich mehr Energie und kann nur flächendeckend kühlen.

„Die Produktionsanlagen in der Zementindustrie sind teilweise 60 Jahre und mehr alt. Mit unserer Technik können wir die Produktivität steigern sowie Verbrauch und Ausstoß verringern“, sagt Peter Kalkert. Und das rund um den Globus. „In der Zementindustrie kennt man uns“, sagt Kalkert. Da heißen die Konkurrenten Siemens oder ThyssenKrupp.

„Wir müssen immer versuchen, besser als sie zu sein“, schildern die Kalkerts. Die unbekannteste Firma Jülichs konkurriert weltweit mit den größten Namen.

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